CFDs - Der kleine Unterschied

CFDs sind also die jüngste Stufe der Evolution. Das ist richtig. CFD steht hierbei für Contract For Difference. Der deutsche Begriff lautet hier schlicht Differenzkontrakt, wobei die Linguisten unter uns Contract For Difference auch als Kontrakte für den Unterschied übersetzen würden. Das würde genauso passen, sofern man den Unterschied hier nicht sprichwörtlich versteht. Letztlich geht es nämlich darum, dass durch eine CFD-Transaktion vom Unterschied im Kurs des Basiswertes profitiert wird - von der Kursdifferenz.

 

CFDs sind sowohl long als auch short einsetzbar. Es kommt einzig darauf an, ob Sie als Händler zuerst kaufen oder verkaufen. Die erreichte Differenz im Basiswert nach Ende der Transaktion wird Ihrem Konto dann entsprechend zu- oder abgeschrieben.


Derivate

CFDs zeichnen sich dadurch aus, dass sie quasi reine Spekulationsinstrumente sind. Der Kurs eines CFDs richtet sich strikt nach dem Kurs des entsprechenden Basiswertes. Dabei werden CFDs mittlerweile für alle erdenklichen Basiswerte aufgelegt, die an sich keine Derivate darstellen: Einzelaktien, Bonds, Indizes, Rohstoffe, Devisen. CFDs gehören damit, wie Zertifikate, zur Wertpapierklasse der Derivate. Derivat bedeutet dabei letztlich nichts anderes, als dass es sich von etwas anderem ableitet (lateinisch derivare - ableiten). Derivate finden sich übrigens auch in der Chemie oder der Software-Technik.

Handel mit CFDs

Der Handel mit CFDs gestaltet sich an sich sehr einfach und transparent. Im Grunde haben Sie dieselben Kurse als CFD vor sich, die Sie auch im Basiswert finden, wobei Ihnen der CFD-Broker beziehungsweise Market Maker hier einen fixen Spread stellt, der jedoch bei liquiden Basiswerten wie dem DAX oftmals nicht mehr beträgt als einen Index-Punkt.

Dabei ist die Berechnung so gestaffelt, dass bei einem DAX-CFD beispielsweise mit einem Euro pro DAX-Punkt und CFD partizipiert wird. Je nach Margin-Anforderung werden für die offene CFD-Transaktion ein bis fünf Prozent als Sicherheitsleistung für einen DAX-Handel veranschlagt.

 

Das folgende Beispiel wird die Einfachheit verdeutlichen:

 

 DAX-CFD Stand: 6.445/6.446 Punkte

 Position: long (Kauf)

 Bewegung: 10 Punkte auf 6.455/6.456

 Anzahl CFDs: 5

 Margin: 1 Prozent

 

 Umfang der Transaktion zum Kauf: 6.446 x 5 = 32.230 Euro

 Umfang der Transaktion zum Verkauf: 6.455 x 5 = 32.275 Euro

 Gewinn (Differenz): 5 x 9 Punkte = 45 Euro

 Hinterlegte Margin: 32.230 x 1% = 322,30 Euro

 Rendite: Knapp 14 Prozent

 

Hier haben Sie alle entscheidenden Daten der Transaktion dargestellt. Hier wurde exemplarisch ein Handel mit 32.230 Euro Volumen abgewickelt, für welchen jedoch lediglich eine Sicherheitsleistung von 322,30 Euro angefallen ist und so das Handelskonto kaum belastet hat. Obwohl der DAX im Beispiel um 10 Punkte angestiegen ist, wurden nur 9 Punkte an Profit erreicht, denn der zehnte Punkt blieb als Spread beim Broker (Vergleich der Spreads bei CFD-Broker) beziehungsweise Market Maker als dessen alleinige Vergütung. Unterm Strich wurden so mit einer kleinen Bewegung dank des Einsatzes von fünf CFDs 45 Euro an Gewinn gemacht.

 

Sie sehen, CFDs eignen sich vor allem für den Handel kleiner Bewegungen, in der Regel innerhalb eines Handelstages. CFD-Positionen können auch über Nacht gehalten werden, jedoch fällt hierfür eine kleine Finanzierungsgebühr an, denn 99 Prozent der Transaktion im obigen Beispiel wurden schließlich fremdfinanziert. CFDs werden damit in der Regel von Daytradern eingesetzt. Durch die geringe Margin kommt der so genannte Hebeleffekt zum tragen. Das bedeutet, dass das eingesetzte Kapital am Markt im Verhältnis des Hebels investiert ist, im obigen Beispiel also 1:100.

 

Berechnung des Hebels: 100 / Margin

 

Dieser Hebeleffekt kann bei einem Missverstehen seitens des Traders erheblichen Schaden anrichten und sogar zum Totalverlust führen. Totalverluste werden meist schlicht dadurch erreicht, dass Trader ein zu hohes Risiko fahren, weil sie die gehebelten Positionen zu groß werden lassen. Daher sind gewisse Kenntnisse von Risiko-Management unerlässlich. Professionelle Trader arbeiten daher meist mit Stopp-Kursen, die eine Kalkulation des Risikos ermöglichen. CFD-Handel ist reine Spekulation, reines Trading.


Totalverlust mit CFDs?

Der Eintritt des Totalverlust wird als Margin Call bezeichnet. Dies tritt dann auf, wenn durch Verluste in der offenen Position die Hinterlegte Margin aufgebraucht ist. Wenn im obigen Beispiel der DAX 60 Punkte fallen sollte, dann fallen bei fünf CFDs 300 Euro an Verlust an. Von der Margin blieben in diesem Falle nur noch 22,30 Euro übrig. Bevor diese Summe jedoch ganz aufgezehrt ist, führt der Broker automatisch einen Margin Call durch und schließt die Position mit 90 bis 100 Prozent im Verlust.

 

Wer nun sein ganzes Konto in eine CFD-Position legt, der riskiert eben, sein ganzes eingezahltes Vermögen zu verlieren. Im Trading gilt: Keine Chance ohne Risiko. Wer 10 DAX-Punkte gewinnen will, muss auch 10 DAX-Punkte verlieren können. Wenn dabei dann jedoch gleich das ganze Konto dran glauben muss, dann hat sich da wer verspekuliert, wie es so schön heißt.

 

Beleuchten wir nun zur weiteren Verdeutlichung ein weiteres Beispiel, hier nun einen Aktien-CFD. Zugrunde liegt die Aktie der SAP AG aus dem DAX, die bei etwa 40 Euro notiert. Hier ist die Anzahl der gekauften Aktien gleichzusetzen mit der Anzahl der CFDs, sprich ein CFD macht hier jeweils nur 1 Cent Gewinn. Der Vorteil liegt wie immer in der geringen Positionsgröße, die nötig ist.

 

 SAP-CFD Stand: 40,20/40,28 Euro

 Position: short (Verkauf)

 Bewegung: -1,30 Euro auf 38,90/38,98 Euro

 Anzahl CFDs: 500

 Margin: 5 Prozent

 

 Umfang der Transaktion zum Verkauf: 40,20 x 500 = 20.100 Euro

 Umfang der Transaktion zum Kauf: 38,98 x 500 = 19.490 Euro

 Gewinn (Differenz): 500 x 1,22 Euro = 610 Euro

 Hinterlegte Margin: 20.100 x 5% = 1.005 Euro

 Rendite: 60 Prozent

 

Sie könnten diese Transaktion genauso gut mit echten SAP-Aktien abwickeln. Hierbei wäre jedoch der Kapitaleinsatz 20-mal so hoch und damit die Rendite geringer. Außerdem stünden Sie vor dem Problem, eine Aktie leerzuverkaufen, was nicht unbedingt jede Bank ohne weiteres anbietet.

 

Der Einsatz von CFDs macht es jedoch problemlos möglich, eine Aktie auch short zu gehen. Wie im Beispiel ersichtlich, verbleibt die erzielte Kursdifferenz als Gewinn. Ganz realistisch wurde hier ein Spread von 0,08 berechnet und die Margin auf die eher typischen 5 Prozent bei Einzelwerten angehoben. Dennoch zeigt sich, wie einfach und transparent CFDs tatsächlich funktionieren.

 

Auch im Bereich der Aktien werden CFDs für kurzfristige Trades eingesetzt. Hielte man eine Position über längere Zeit, so schlügen mit der Zeit auch die Finanzierungskosten entscheidend zu Buche. Das wird zwar von einigen Akteuren angewandt, da der geringe Kapitaleinsatz der CFDs als Vorteil geschätzt wird, treibt jedoch auch die Kosten in die Höhe.

 

Fazit

CFDs sind hochspekulative Instrumente. Wer jedoch als Trader das Handwerk der Spekulation gelernt hat, der wird an CFDs großen Nutzen finden. Auch in Deutschland setzen sich CFDs immer weiter durch, da sie sehr einfach und transparent handelbar sind. Allerdings sollte sich jeder auch der Risiken dieser Handelsinstrumente bewusst sein und sich auch einmal mit dem Szenario des Totalverlustes befasst haben.

 

Nächster Teil: Was Sie zu CFDs und zum CFD-Handel wissen sollten!


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