Das 1x1 der Optionen: Entstehung und Geschichte der Optionen

Nachdem wir uns in den ersten Teilen unserer Optionenserie damit beschäftigt haben was Optionen sind und welche Arten von Optionen es gibt wollen wir heute einmal schauen wie die Optionen entstanden sind.

Wir gehen in der Geschichte einige Jahre zurück und befinden uns in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit machte eine Pflanze von sich reden die beinahe ein ganzes Land in den Ruin getrieben hätte. Beginnen wir jedoch von vorne.

Etwa um die Jahrhundertwende vom 16. zum 17. Jahrhundert wurde die Tulpe aus der Türkei in die Niederlande eingeführt. Die ersten Jahre wurde diese Pflanze nicht weiter beachtet und galt für die Reichen des Landes als schönes Accessoire welches den eigenen Garten verschönerte.

Tulpenwahn in den Niederlanden um das Kultobjekt

Die Tulpe wird zum Kultobjekt

Doch Anfang des 17. Jahrhunderts begannen niederländische Züchter die bis dahin einfarbigen Pflanzen zu kreuzen. Die daraus entstehenden Neuzüchtungen riefen bei der niederländischen Bevölkerung und besonders in den wohlhabenden Kreisen eine wahre Begeisterung hervor.

Es entwickelte sich ein Wetteifern der Züchter um die schönsten und seltensten Exemplare und da das Angebot begrenzt war und die Nachfrage nach diesen exklusiven Pflanzen immer weiter wuchs stiegen dementsprechend die Preise.

Plötzlich entstand eine Situation in der man mit der Anpflanzung und dem Handel von Tulpen sehr viel Geld verdienen konnte. Die Nachfrage wurde immer größer und es war kein Ende in Sicht.

Entstehung der OptionenHandwerker, die mit ihrer ursprünglichen Arbeit kaum ihre Familien ernähren konnten, sprangen auf diesen Zug auf, legten ihre Arbeit nieder, verkauften ihr Werkzeug und investierten den Erlös in Tulpen.

Um genau zu sein müsste man sagen in Tulpenzwiebeln, den es wurden nicht mehr nur die reinen Pflanzen gehandelt, sondern mittlerweile auch die Tulpenzwiebeln. Die Spirale drehte sich weiter und so war der Schritt nicht mehr weit, dass Zwiebeln gehandelt wurden, die sich noch im Boden befanden.

Es musste also ein Handelsinstrument her, mit dem eine Ware gehandelt werden konnte, die es erst in der Zukunft geben wird.

Die Option entsteht

Der Verkäufer der Tulpenzwiebeln versprach dem Käufer zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Menge an Zwiebeln zu einem bestimmten Preis zu verkaufen. Der Käufer wiederum verpflichtete sich diese Zwiebeln zu dem vereinbarten Preis zu kaufen - und so waren Optionen geboren.

Wenn Sie den ersten Teilen unserer Optionenserie gelesen haben, so wird Ihnen sofort ein gravierender Unterschied aufgefallen sein. Im Fall unserer Vereinbarung des 17. Jahrhunderts hatte der Käufer eine Ausübungspflicht. Er durfte sich also nicht aussuchen ob er zum Ausübungszeitpunkt die Zwiebeln kaufen möchte oder nicht. Er musste sie kaufen. Und zwar zu dem Preis und in der Menge die vorher vereinbart waren.

Ein Unterschied zu heutigen Optionen
Dieser Unterschied zur heutigen Ausübung der Option hatte damals gravierende Folgen. Viele der Handwerker setzten ihr komplettes Vermögen in ein solches Geschäft in der Erwartung, dass die Preise für die Tulpenzwiebeln immer weiter steigen werden. Angenommen ein Handwerker hatte 100 Gulden gespart und kaufte damit die Option in sechs Monaten Tulpenzwiebeln im Wert von 1000 Gulden zu erwerben.

Dies tat der in dem Glauben, dass in einem halben Jahr die Tulpenzwiebeln die heute 1000 Gulden wert sind bis dahin im Wert gestiegen sind. Nehmen wir an er geht von einer Wertsteigerung auf 1500 Gulden aus. So konnte der Handwerker die Tulpenzwiebeln für 1000 Gulden kaufen und im gleichen Zuge wieder verkaufen und würde somit 500 Gulden Gewinn machen. Er hätte also seinen Einsatz verfünffacht.

Geschichte und Entwicklung der Optionen im 17. JahrhundertDies funktionierte in der Form auch für eine ganze Zeit. 1637 war es dann jedoch soweit. Die Entwicklung, die nicht nur im Nachhinein betrachtet nicht gesund sein konnte, kam ins Stocken. Die Nachfrage brach ein.
Plötzlich gab es kaum noch Käufer die glaubten, dass diese Zunahme fortzuführen war.

Nun schauen wir noch einmal auf unseren Handwerker. Die Preise für seine Tulpenzwiebeln stiegen nicht wie erwartet auf 1500 Gulden sondern fielen innerhalb kürzester Zeit auf 100 Gulden. Jetzt stand er plötzlich vor der Situation für 1000 Gulden Tulpenzwiebeln kaufen zu müssen, die nur noch 100 Gulden wert waren.

Die Niederlande am Abgrund
Es ist relativ einfach nachvollziehbar in welch schwierige Situation ein Land gebracht wurde deren Bevölkerung größtenteils am Handel mit Tulpenzwiebeln beteiligt war.

Die beschriebene Entwicklung in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts lag natürlich nicht an der Funktion der Optionen. Hier wurde von einem Großteil der Marktteilnehmer die Situation einfach falsch eingeschätzt. Niemand konnte sich vorstellen, dass die Preise für Tulpenzwiebeln irgendwann wieder fallen können.

Die sogenannte Tulpenmanie oder auch Tulpenwahn wird als die erste Spekulationsblase in der Wirtschaftsgeschichte angesehen.

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