Value Investing als Anlagestrategie

Value Investing ist ein Begriff aus dem Englischen und heißt wertorientiertes Anlegen. Es handelt sich um eine Anlagestrategie, bei der bewusst Wertpapiere zu niedrigeren Preisen, als deren innerer Wert (intrinsic value) gekauft werden. Sowohl Kauf- und Verkaufsentscheidungen werden also auf Basis des realwirtschaftlichen Gegenwerts gefällt.

Investoren suchen gezielt nach Aktien von Unternehmen, von denen sie glauben, dass sie vom Markt unterbewertet wurden. Grundlage dieser Strategie ist die Annahme, dass der Markt sowohl auf gute als auch auf schlechte Neuigkeiten heftig reagiert, was in Preisschwankungen der Aktien resultiert.

Diese Preisschwankungen sind allerdings unabhängig von den langfristigen Fundamentaldaten des Unternehmens. Dadurch entsteht die Chance, von einem Kauf zu deflationierten Preisen, zu profitieren.

Fundamentalanalyse

Bei der Value Investing Anlagestrategie muss zunächst einmal der innere Wert des Wertpapiers bestimmt werden. Dazu wird meist die Fundamentalanalyse genutzt.

Anders als bei der Chartanalyse, bei der nur die Börsenkurse betrachtet werden, basiert die Fundamentalanalyse auf der Betrachtung des gesamten wirtschaftlichen Umfelds und den betriebswirtschaftlichen Daten eines Unternehmens, den sogenannten Fundamentaldaten.

Hierfür werden Methoden der Bilanzanalyse und aktienkursbezogene Kenngrößen herangezogen. Ergebnis dieser Analyse ist ein Kursziel, das Aufschluss über die Über- und Unterbewertung der Aktie gibt.

Dieses Ergebnis kann dann zur Entscheidungsfindung einer Strategie für das Value Investing herangezogen werden.

Value Investing - der innere Wert einer Aktie

Als Vorgabe für den inneren Wert einer Aktie können, abhängig von Anlageklasse und Situation, dienen:
• Substanzwert
• Liquidationswert
• Ertragswert
• Realwirtschaftliches Wachstum

Jedoch nicht die Anlagekategorie ist hier das entscheidende, sondern, dass die Unternehmen und deren Bewertung richtig beurteilt werden.

Es wird also in die wirtschaftliche Perspektive eines Unternehmens investiert, es ist das sogenannte System des Business Perspective Investing.

Bestimmung des inneren Wertes

Die wohl größte Schwierigkeit des Value Investing besteht darin, den inneren Wert eines Wertpapiers herauszufinden. Das ist deshalb so schwierig, da es kein richtig oder falsch gibt.

Werden die exakt gleichen Informationen an zwei Investoren weitergegeben, kann es trotzdem passieren, dass sie das Unternehmen unterschiedlich bewerten.

Dies hat zur Folge, dass der innere Wert einer Aktie nur geschätzt werden kann, wodurch Ungenauigkeiten erzeugt werden können.

Deshalb möchte der Value Investor einen möglichst großen Abstand zwischen Kaufpreis und geschätztem inneren Wert, eine sogenannte Sicherheitsmarge.

Je tiefer der Kaufpreis zum geschätzten inneren Wert ist, desto geringer ist das Risiko, Geld durch diese Beteiligung zu verlieren. Die Sicherheitsmarge ist ein weiterer Hauptbestandteil dieser Anlagestrategie.

Verschiedene Grundlagen des Value Investings

Neben dieser Problematik sollte nicht außer Acht gelassen werden, dass die exakte Definition des Value Investings immer von den Value Investoren persönlich abhängt. Von Person zu Person variiert die Wertbasis.

Die einen kalkulieren den Wert auf Basis aktueller Vermögenswerte und nicht auf zukünftigem Wachstum, während andere ihre Strategie ausschließlich auf die zukünftige Erwartung von Wachstum und Cashflows gründen.

Ungeachtet welche Methode nun als Basis verwendet wird, letztendlich läuft es immer darauf hinaus, dass die Anleger versuchen, etwas unter Wert zu kaufen.