30.09.2016

Die drei Topthemen für das 4. Quartal

FXCM: Am ersten Oktober ist das dritte Quartal zu Ende, und das vierte Quartal beginnt; und wenn sich die Trader am Montagmorgen an ihre Schreibtische setzen, werden alle Trades für das Q4 ausgelegt, und 2016 war bisher bereits ein ereignisreiches Jahr. Wir starteten mit einer bedrohlichen Risikoaversion, nachdem zwei Wochen zuvor die Zinssätze im Dezember angehoben worden waren. Dies war die erste Zinsanhebung der Federal Reserve nach mehr als neun Jahren; aber was eher für die Risikoaversion sprach war die Absicht der Fed, die Zinssätze in diesem Jahr nochmals ganze vier Mal zu erhöhen. In der Mitte des Q1 startete diese Risikoaversion eine starke Wende, nachdem sich die Vorsitzende Yellen zur Möglichkeit der Einführung von Negativzinsen oder zusätzlichen politischen Mitteln geäußert hatte, sollte die Fed erneut Maßnahmen ergreifen, um die Märkte zu stützen. Dies half, dass in den Bereichen wie Heizöl, Aktien und Fremdwährungen die Stärke zurückkehrte.


Im zweiten Quartal fand das Brexit-Referendum statt:

Im Vorfeld wurde viel über die geringen Chancen gesprochen, dass Großbritannien tatsächlich die EU verlassen würde, und falls sie es täten, wie katastrophal die Folgen davon werden könnten. Die britischen Stimmbürger gingen am Ende des Q2 an die Urnen und beschlossen, aus der EU auszutreten, und dann verbrachten wir einen Großteil des Q3 damit, über die Einzelheiten des eigentlichen Brexits zu diskutieren. Nun im Q4 ist dies immer noch ein Thema, und es sieht so aus, also ob der Artikel 50 in den kommenden Monaten ausgelöst wird.

Es gibt jedoch einige entscheidende Themen für die Märkte, während wir ins letzte Quartal von 2016 einsteigen, und in diesem Artikel werden wir drei der interessanteren Themen behandeln, die das größte Potential für "starke Bewegungen" mit sich bringen.

Der Stress der europäischen Banken
Die Deutsche Bank war in letzter Zeit ziemlich oft in den Schlagzeilen. Vor wenigen Tagen verfassten wir einen Artikel über den Hintergrund dieser Lage mit dem Titel "Zentralbanken laufen auf Hochtouren und die DB beginnt zu wanken". Aber die Deutsche ist nicht die einzige Bank in Europa, die vor harten Zeiten steht. Die zweitgrößte Bank in Deutschland, die Commerzbank, kündigte vor Kurzem an, dass sie fast 10.000 Mitarbeiter entlassen würde. Und wenn wir uns von der größten Volkswirtschaft der Eurozone entfernen, sieht die Situation nicht viel besser aus, den viele Großbanken in Italien und Spanien, kritische Volkswirtschaften in Europa, stehen ebenfalls unter Druck, auch wenn nicht so stark. Wir behandelten die Lage der italienischen Banken im Januar, also ist dies keine "neue" Entwicklung. Aber was sich seit Januar verändert hat sind die Zinssätze der EZB. D.h. sie wurden noch tiefer in den negativen Bereich gesenkt, und dies erhöht nur den Druck auf die europäischen Banken, weil ihr Standard-Geschäftsmodell der Kreditvergabe zu höheren Zinsen als sie selber als Darlehen nehmen, die Margen zusammendrückt und die Ertragskurve abflacht.

 

Ansteckungsgefahr:
Ein großer Anlass zur Sorge ist hier nicht nur der Schlag, der die Banken treffen könnte. Schlimmer ist die Ansteckungsgefahr, denn die Banken handeln untereinander, und wenn eine Großbank zusammenbricht, kann dies einen furchtbaren Dominoeffekt in allen Märkten auslösen, da die anderen Banken wegen des Gegenparteirisikos unter die Räder geraten. Wenn Bank A mit den Banken B-Z Geschäfte macht und Bank A kann plötzlich ihre Margen nicht mehr erreichen oder ihre Positionen finanzieren, dann stehen die Banken B-Z mit leeren Händen da. Die Banken B-Z sind wohl nicht ahnungslos, und sie werden bemerken, dass Bank A ihren Verpflichtungen nicht nachkommen kann, und die Banken B-Z werden somit ihr Risiko voraussichtlich straffen. Dies bedeutet weniger Leverage, und weniger Leverage bedeutet verkaufen.

Wir besprachen dieses Thema im März, als es so aussah, als ob der Zusammenbruch der Heizölpreise das Potential hätte, ein solches Umfeld zu schaffen, wenn die Verluste fortführen. Aber die Heizölpreise sanken nicht weiter ab sondern verzeichneten eine Rallye von fast 100% in einem Zeitraum von 4 Monaten. Die Bedrohung konnte somit einen Schritt vom Abrund zurücktreten. Aber vor Kurzem erteilte das Justizdepartement der USA der DB eine Buße von $14 Milliarden für Ungebühr während des Immobilienbooms / Weltwirtschaftskrise. Und dies wirft neue Fragen über die Nachhaltigkeit der Deutschen Bank und damit auch über die des gesamten europäischen Bankensektors auf.

Für das Q4 ist dies eins der Topthemen, die es zu beobachten gilt, denn ehrlich gesagt, kann es die stärkste Feuerkraft haben. Das wird auch eine der schwierigsten Zeiten sein, denn es handelt sich hier im Wesentlichen um ein Liquiditätsproblem, das sich weiterentwickeln wird, falls die EZB keine allgemein gültige Standardlösung findet, um solche Situationen zu bewältigen. Die zwei größten Banken Deutschlands stehen unter starkem Druck (DB und Commerzbank)



Die Präsidentschaftswahlen in den USA
Die Präsidentschaftswahlen in den USA sind in diesem Jahr ein Chaos. Wenn Sie in den letzten 16 Monaten Zugang zu amerikanischen Medien hatten, sind Sie sich dieser Tatsache wohl auch bewusst. Viele sagten, dass einer der Kandidaten viele Veränderungen mit sich bringen würde, die starke, negative Auswirkungen auf die Volkswirtschaft hätten, mit Handelsembargos und dem Aufbau von Mauern; während starke Zweifel an der Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Gesundheit der anderen Kandidatin aufgekommen sind.

Was hier aber vielleicht wichtiger ist, ist dass bei den Präsidentschaftswahlen in den USA ein ähnlicher Tonfall wie beim Brexit-Referendum angeschlagen wird; wenn so viele auf der Welt sicher sind, was passieren wird, dass sie ihre Annahmen nicht nur auf diese grundlosen Voraussagen basieren, sondern ihnen sogar erlauben, ihre gesamte Weltansicht zu formen. Viele scheinen zu vergessen, dass der Kongress eine ziemlich große Rolle in der politischen Struktur der USA spielt, und ein Präsident ist kein Diktator. Noch genauer, die Politik ist ein Haufen Gerede mit ziemlich wenigen "Veränderungen". Wie wir es beim Brexit-Referendum sahen: Es dauerte ungefähr 13 Stunden für die britischen Stimmbürger, um einen Austritt aus der EU zu beschließen, aber in den drei darauffolgenden Monaten ist nicht viel passiert, da die Politiker immer noch zu entscheiden versuchen, wie mit den Verhandlungen überhaupt erst begonnen werden sollte.

Die Bedenken in Bezug auf die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA scheint eher das Resultat der sozialen Medien, Echos, sicheren Räumen und kontrollierten News Feeds zu sein - und alle bilden eine soziale Stimme und Meinung um ein Hauptproblem (wie der Brexit). Während also die Weltuntergangsstimmung sicherlich unterhaltsam zu lesen ist, so etwas wie eine nicht fiktive Version des Filmes Mad Max, gibt es kaum eine realistische Grundlage, um solche Behauptungen aufzustellen; und für die Realität eines Traders ist das von Bedeutung, denn das ist das, was die Kurse zu Ihrem Stop bewegt, oder noch schlimmer, einen Margin Call auslöst.

Im Q4 werden wir also gegen Mitte des Quartals eine gewisse Volatilität um die US-Präsidentschaftswahl erwarten können (am 8. November); aber damit dies wirklich eine "alles verändernde" Bewegung wird, bräuchten wir noch weitere Themen, die sich weiterentwickeln, um die Konsequenzen für das, was passieren könnte, zu verschlimmern.

Sollten die Aktien um die Präsidentschaftswahlen der USA abverkauft werden, könnte dies ein "Kauf den Dip"-Setup bieten, ähnlich wie um das Brexit-Referendum herum; die Zentralbanken werden nämlich kaum ihre Unterstützung anbieten, nur weil sie nicht glücklich mit der Person sind, die die amerikanischen Stimmbürger im November ins Amt gewählt haben. Auf dem nächsten Chart sehen wir, wie sich das Brexit-Referendum auf den S&P 500 auswirkte, und wir vergleichen damit zwei der früheren "sorgenschweren" Zeiten in den vierzehn Monaten zuvor.



Die Fed - Erhalten wir eine Zinsanhebung im Dezember?
Ein Faktor, der die Märkte in diesem Jahr immer wieder und stark bewegte, waren die Erwartungen gegenüber den Zinsanhebungsplänen der Federal Reserve. Anfang Jahr beabsichtigte die Fed noch ganze vier Zinsanhebungen für 2016. Dies wurde nicht besonders begeistert aufgenommen, und bis März hatte die Fed ihre Erwartung auf zwei Anhebungen in diesem Jahr gesenkt.

Im Juni wurde diese Zahl wieder deutlich heruntergestuft, diesmal aber für die Zeit nach 2016; und im September geschah dasselbe, und die Fed reduzierte ihre Zinserwartungen nach diesem Jahr noch einmal. Auch wenn also die Bank Anfang Jahr super-aggressiv war, verbrachte sie den Rest der Zeit damit, passiv zu sein und eine lockere Geldpolitik in Aussicht zu stellen. Obwohl die Bank sagte, dass die Sitzung im November eine "Live-Sitzung" sei, d.h. sie könnte tatsächlich die Zinsen erhöhen, so macht die Tatsache, dass diese Sitzung eine Woche vor den Präsidentschaftswahlen stattfindet, eine Zinsanhebung unwahrscheinlich.

Im Dezember wird die Bank aber eine neue Dot Plot Matrix veröffentlichen, und es gibt eine Pressekonferenz. Dann wäre ein viel geeigneterer Zeitpunkt für die nächste Zinsanhebung der Fed; und sie könnte dies tatsächlich so beibehalten, damit die Marktteilnehmer weiterhin an ihre Prognosen und Orientierung glauben.

Aber wie wir in letzter Zeit bereits sahen, ist das Problem wohl nicht unbedingt eine einzige Zinsanhebung von 25 Basispunkten. Dringlicher ist der Ausblick der Bank für die Zukunft, und ob sie das letzte Jahr wiederholen wird, indem sie sich gegenüber einem Weltmarkt übertrieben restriktiv gibt, der noch nicht für eine stärkere Straffung bereit ist.

Autor: James Stanley



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