05.12.2017

2018 wird der geldpolitische Gegenwind an den Finanzmärkten auffrischen

Nordea Asset Management
Die Geldpolitik der US-Notenbank bremst nach Ansicht des Vermögensverwalters Nordea Asset Management das Wachstum der Weltkonjunktur. Aktien könnten in diesem spätzyklischen Umfeld noch solide Erträge erzielen, aber bei einer weiteren Verflachung der US-Zinskurve drohe ein Ende des mehrjährigen Aufschwungs.
 
Der gegenwärtige konjunkturelle Aufschwung wird sich nach Einschätzung von Witold Bahrke, Senior-Stratege bei Nordea Asset Management, in das kommende Jahr hinein fortsetzen.

Allerdings gebe es deutliche Anzeichen dafür, dass sich der Konjunkturzyklus bereits in einer späten Phase befinde. Dazu dürfte der von der US-Notenbank Fed vorangetriebene Kurswechsel in der Geldpolitik zu einem Bremsklotz für die Weltwirtschaft werden.

„Noch schätzen wir das Gesamtbild als positiv ein. Doch die Fed wird in den kommenden Monaten den Märkten zunehmend Liquidität entziehen, indem sie nicht nur ganz konventionell ihre Zinsen anheben, sondern auch unkonventionell ihre Bilanz zurückführen wird“, prognostiziert Bahrke. „Das wird das globale Wachstum in den kommenden Quartalen dämpfen und gleichzeitig den Außenwert des US-Dollar stärken, was vor allem Länder mit hohem US-Dollar-Finanzierungsbedarf zu spüren bekommen werden.“
 
Zusätzlichen Auftrieb bekommt die US-Währung Bahrke zufolge dadurch, dass die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank von Japan (BoJ) die Zügel in ihrer Geldpolitik weiter relativ locker halten werden.

„Auf mittlere Sicht ist die US-Konjunktur immer noch stärker als die der anderen G7-Staaten. Dies spricht traditionell für einen stärkeren US-Dollar – erst Recht, wenn die Fed ihre Geldpolitik weiter strafft“, sagt Bahrke. „Ich halte es unter diesem Gesichtspunkt für zu früh, von einem Abwärtstrend bei der US-Währung auszugehen. Im Gegenteil scheint mir die Schwächephase in 2017 übertrieben zu sein. Für Investoren ist das wahrscheinlich ein guter Zeitpunkt, um mittelfristig auf ein Comeback des Dollar zu setzen, obwohl ein enttäuschendes US-Steuerpaket kurzfristigen Abwärtsdruck bedeuten würde.“ 
 
Politische Themen werden 2018 an den Börsen eine eher untergeordnete Rolle spielen im Vergleich zum laufenden Jahr. Allerdings warnt Bahrke davor, ihren dauerhaften Einfluss zu unterschätzen.

„Von dieser Seite gehen kurzfristig nicht unmittelbar entscheidende Effekte aus und sicherlich sind es am Ende immer die Fundamentaldaten, die zählen“, so der Anlagestratege.

Allerdings sei es wichtig zu verstehen, dass es vor allem das schwache makroökonomische Umfeld gewesen sei, das in den zurückliegenden Jahren zu politischen Unsicherheiten und einem rasanten Anstieg von Risiken geführt habe.

„Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind immer noch geprägt von strukturell schwachem Wachstum und geringen Lohnzuwächsen. Zusammen mit den Vermögenseffekten einer ultra-lockeren Geldpolitik durch die großen Notenbanken hat das Populisten rund um den Globus Rückenwind verschafft“, führt Bahrke aus. „Keine dieser Entwicklungen wird sich auf absehbare Zeit umkehren. Also sollten wir uns auf das derzeit herrschende politische Klima auf Dauer einstellen.“

Bahrke geht davon aus, dass im kommenden Jahr die Entwicklung der Zinskurve in den USA bei den Investoren im Mittelpunkt stehen wird. 

„Wenn sich der Unterschied zwischen lang- und kurzfristigen Zinsen ins Negative verkehrt, signalisiert das unter normalen Umständen eine nahende Rezession und wir wären damit am Ende des Bullenmarktes bei Aktien“, so der Nordea-Experte. „An diesem Punkt sind wir zwar noch nicht. Aber die Differenz zwischen den Renditen zehnjähriger und zweijähriger US Treasuries ist auf dem niedrigsten Stand seit über 10 Jahren und die Fed muss wahrscheinlich nur zwei- oder dreimal die Zinsen anheben, damit die Zinskurve invers wird.“ 

Für Bahrke ist daher die Abflachung der Zinskurve eine wirksame Erinnerung daran, wie weit der Aufschwung in den USA vorangeschritten ist. 

„Noch ist die Wahrscheinlichkeit einer Rezession gering und sowohl die US-Wirtschaft als auch die Finanzmärkte kommen mit einer sich verflachenden Zinskurve gut zurecht. Aber wenn sie nahezu eben wird, sollten die Investoren das als Warnsignal begreifen“, empfiehlt er.
 
Es spricht daher viel dafür, die Entwicklung der Zinskurve laufend zu verfolgen. „Sie ist ein guter Konjunkturindikator, denn ökonomisch gesehen bedeutet eine Verflachung, dass die Finanzierungskosten stärker steigen als die – erwarteten – Erträge. Das macht Investitionen im Einzelfall weniger attraktiv und beeinflusst so das allgemeine Wachstum negativ“, erläutert er. „Das sollten Investoren zur Kenntnis nehmen.“ 

In diesem späten Stadium lieferten Aktien typischerweise solide Erträge. „Für Hochzinsanleihen dagegen wird die Luft dünn. Sie sind die ersten unter den Risikoanlagen, die schwächer laufen, wenn dem Aufschwung die Luft ausgeht“, sagt der Nordea-Experte. 

Vor dem Hintergrund einer von ihm für 2018 erwarteten Verflachung der Zinskurve, bevorzugt er Investment-Grade-Anleihen gegenüber Hochzinspapieren. „Die Investoren sollten sich in Erinnerung rufen, dass es die Hochzinspapiere waren, die die Hauptprofiteure der geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen und des schwankungsarmen Umfeldes an den Finanzmärkten waren.“

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