EUR/USD: Ungleichgewicht zwischen den EU-Volkswirtschaften

Admiral Markets: Die heute erschienenen Daten zeugten einmal mehr von einem Ungleichgewicht zwischen den Volkswirtschaften des Euro-Raumes. Während der Dienstleistungssektor in der gesamten EU etwas besser als erwartet abgeschnitten hat, lag der Einkaufsmanagerindex der Branche in Deutschland und Spanien unter den Erwartungen. Eine positive Stimmung war dagegen in Frankreich und Italien zu spüren. Im Laufe des Tages folgen die Daten aus den USA, die möglicherweise eine klare Richtung für den Wechselkurs EUR USD  vorgeben werden. Vor allem die Veränderung der ADP non-farm payrolls, der ISM-Dienstleistungsindex und der Erdöllagerbestand könnten für hohe Volatilität sorgen. Die Stürme im Hafen auszusitzen, wäre nicht verkehrt.

 

Technischen Analyse:

Chart

 

Rückblick

Der EUR/USD pendelte am Mittwoch, zu Beginn unseres Betrachtungszeitraums, in einer engen Box im Bereich 1,1000 und damit unter dem Niveau von einer Woche zuvor. Am Abend kam es dann zu einem dynamischen Aufwärtsimpuls, der das Währungspaar deutlich über die 1,1050 brachte. Hier konnte es sich festsetzen und am Donnerstag lief es sogar kurzfristig über die 1,1100. Allerdings war dies zunächst nur eine Duftmarke, denn der EUR/USD gab im Anschluss nach und rutschte wieder unter die 1,1100. Er stabilisierte sich aber bei 1,1070 und nutzte dieses Niveau, um am Freitagnachmittag wieder dynamisch über die 1,1100 zu steigen und sich dort auch festzusetzen. Im Rahmen dieses Moves konnte er sich über die 1,1160 schieben und dort auch etablieren. Am Montag schwankte er zunächst in einer sehr engen Box von nur 24 Pips.

 

Am Dienstag verließ er diese Box nach oben. Er stieg kontinuierlich an, überwand mit einigem Aufwand die 1,1200 und konnte sich am Dienstagnachmittag über dieser Marke halten. Das Hoch des Betrachtungszeitraums lag zum ersten Mal seit Wochen wieder über dem Hoch der vorherigen Betrachtungsperiode. Der EUR/USD hat es am Dienstag geschafft, sich über die 1,1200 zu schieben. Damit hat er sein Chartbild etwas aufgehellt. Das Tief lag etwa auf dem Niveau des vorletzten Betrachtungszeitraums, hat es jedoch nicht unterschritten. Es lag aber auch unter der 1,1000. Die Range war mit 276 Pips deutlich größer als im letzten Betrachtungszeitraum und in den Vorwochen. Der EUR/USD hat damit wieder etwas Fahrt in Richtung Norden aufgenommen. Ob diese Tendenz einen substanziellen Charakter hat, bleibt abzuwarten.

 

Wir hatten in unserem Setup auf der Oberseite erwartet, dass der EUR/USD bis maximal in den Bereich 1,1167/72 laufen könnte. Hier spätestens hatten wir mit Rücksetzern gerechnet. Dieser Bereich wurde am Freitag angelaufen und am Montag konsolidiert. Das Währungspaar hat dieses Niveau genutzt, um am Dienstag deutlich weiter zu laufen. Wir waren nicht davon ausgegangen, dass es zu nachhaltigen Notierungen über der 1,1200 kommen würde. Diese Einschätzung war nicht richtig. Der EUR/USD war insbesondere am Dienstag sehr robust. Die Rücksetzer gingen knapp bis an unser erstes Anlaufziel bei 1,0951. Diese Marke wurde um 6 Pips verfehlt. Damit hat das Setup auf der Unterseite deutlich besser gepasst als auf der Oberseite.

  •  
  • Wochenhoch*: 1,1233
  • Vorwoche 1,1060
  • Wochentief*: 1,0957
  • Vorwoche 1,0951
  • Wochen-Range*: 276 Pips
  • Vorwoche 109 Pips

*Betrachtungszeitraum 27.07.2016 bis 02.08.2016

 

Wie könnte es weitergehen?

  • Euro-Widerstände: 1,12374/67…..1,1330/81….1,1447/82….1,1562
  • Euro-Unterstützungen: 1,1185/51….1,1096/67/41/07….1,0964/11……1,0885/55

Weitere Widerstände/Unterstützungen können dem Chart entnommen werden

 

  • Box-Bereich: 1,1824 bis 1,0602
  • Tagesschlusskurs-Marken: 1,1292 und 1,0979
  • Intraday-Marken: 1,1142 und 1,1038
  • Range: 1,2355 bis 1,0223

 

Euro-Chart

Der EUR/USD hat sich in den vergangenen fünf Handelstagen deutlich erholt. Er hat sich mit der Aufwärtsbewegung insbesondere der letzten drei Handelstage über die 1,1180/1,1200 geschoben. Dieser Bereich hat ihn in den letzten Wochen immer wieder daran gehindert, nach oben auszubrechen. Das Chartbild hat sich zwar aufgehellt, allerdings ist der EUR/USD alles andere als aus dem Schneider. Die aktuelle Stärke ist eher der schwächeren US-Konjunktur geschuldet als der besseren Verfassung des Euro. Die politischen Probleme sind nach wie vor ungelöst. Bankenkrise, Flüchtlingskrise, Brexit, Terrorgefahr – die Liste ist lang, die Belastungen für den Euro sind offensichtlich.

 

Charttechnisch befindet sich der EUR/USD nach wie vor in seinem Abwärtskanal. Er hat sich in den vergangenen Handelstagen wieder in Richtung der Oberkante bewegt, die aktuell bei 1,1280/1,1300 liegt. Diese Marke kurzfristig zu überwinden, dürfte ausgesprochen schwer werden. Einen nachhaltigen Einfluss dürft e n die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag haben. Entsprechen diese nicht den Erwartungen, könnte es schnell nach unten, aber auch nach oben gehen. Die 1,1300 könnten damit im Rahmen eines Spikes einfach übersprungen werden.

 

Zum Markt in den kommenden fünf Handelstagen:

Sollte es der EUR/USD schaffen, sich über der 1,1200 zu stabilisieren, so hätte er das Potenzial, zunächst die 1,1230/34 und dann die 1,1248/51 anzulaufen. Kommt es hier nicht zu Rücksetzern, wären weitere Kursgewinne denkbar, die bis 1,1267/72 und dann bis 1,1285/88 gehen könnten. Bei dynamischen Aufwärtsbewegungen könnte der EUR/USD auch die 1,1292/95 und die 1,1300/03 erreichen. Spätestens hier sollten sich Rücksetzer einstellen. Wir gehen nicht davon aus, dass es das Währungspaar schafft, im ersten Anlauf über die 1,1300 zu kommen. Dieser Widerstand könnte es auch dazu veranlassen, sich wieder in Richtung 1,1050/1,0950 zu bewegen. Ob sich dies in den kommenden fünf Handelstagen schon einstellt, muss abgewartet werden und kann anhand der Kursmuster besser interpretiert werden.

 

Wir erwarten aber nicht, dass es in den kommenden fünf Handelstagen zügig und nachhaltig über die 1,1300 geht und dass sich der EUR/USD hier festsetzen kann. Sollte sich der EUR/USD nicht über der 1,1200 etablieren können, so könnten sich weitere Abgaben einstellen, die zunächst bis 1,1186/83 und dann bis 1,1167/64 gehen könnten. Wird die 1,1164 unterschritten, wären weitere Verluste denkbar, die bis 1,1148/44 und 1,1130/25 führen könnten. Im Bereich 1,1130/25 bestehen vergleichsweise gute Chancen auf Stabilisierung und Erholung. Wenn diese Marke jedoch nicht dazu genutzt wird, wieder nach Norden zu drehen, könnte der EUR/USD weiter absacken. Anlaufmarken wären dann die 1,1118/15, die 1,1105/03 und die 1,1096/90. Darunter kämen noch die 1,1076/72, die 1,1048/45 und die 1,1015/12 als Anlaufziele in Betracht. Wir gehen nicht davon aus, dass der EUR/USD in den kommenden fünf Handelstagen deutlich unter die 1,1000 fällt.

 

Übergeordnete erwartete Tendenz im Betrachtungszeitraum: seitwärts

 

Die wichtigen Veröffentlichungen der nächsten sieben Tage:

  • 05.08.2016 – USA: Non-farm payrolls (Juli)
  • 05.08.2016 – USA: Arbeitslosenquote (Juli)
  • 08.08.2016 – DE: Industrieproduktion (Juni)
  • 09.08.2016 – DE: Handelsbilanz (Juni)


Autor: Jens Chrzanowski

 

 

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