Das sind die Arsenale im Wirtschaftskrieg

Bernstein Bank: China und die USA schlittern offenbar in eine historische Konfrontation. Im Zollstreit hat China nun Gegenzölle angekündigt. Eine weitere Eskalation droht, die Wall Street und der weltweite Handel stehen Kopf. Trader brauchen nun den Überblick, wer in der epischen Auseinandersetzung mehr Munition in seinem Arsenal gebunkert hat. Und welche Assets im Getümmel der Schlacht erfolgreiche Investments versprechen.

Wer gewinnt, wer verliert?
Unübersichtliche Gemengelage im Zollstreit: Die Fronten zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt haben sich verhärtet. Die erste Reaktion der Finanzmärkte vom Montag auf die über das Weekend verschärfte Lage weist den Weg für die weitere Entwicklung am Finanzmarkt. Chinesische Aktien gaben nach, dito die Futures auf die US-Indizes und der DAX. Die Anleger flohen in US-Staatsanleihen und den Yen – beide Assets gelten in Krisenzeiten als sichere Häfen. Außerhalb der Volksrepublik stieg der Dollar zeitweise auf ein Vier-Monats-Hoch gegen den Yuan.

Bleibt auf mittlere Sicht zu ergänzen, dass US-Landwirtschaftsprodukte, die stark nach China exportiert werden – also vor allem Soja – unter einem offenen Handelskrieg leiden würden. Dito der Welthandel, was den Ölpreis mittelfristig kräftig belasten dürfte.

 

 

Der Gesprächsfaden ist gekappt
Was zuletzt besonders für Nervosität auf dem Parkett sorgte: Es gibt kein konkretes Datum für eine neue Verhandlungsrunde. US-Wirtschaftsberater Larry Kudlow sagte Fox News, China habe den Handelsbeauftragten Robert Lighthizer und Finanzminister Steven Mnuchin zwar wieder nach Peking eingeladen – allerdings ohne Termin. Kudlow ergänzte, US-Präsident Donald Trump werde sich wohl Ende Juni mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping auf dem G20-Gipfel im japanischen Osaka treffen.

 

Trump gibt sich gelassen
Trump gab dem chinesischen Chef-Unterhändler, Vizepremier Liu He, bei dessen Heimflug am Freitag via Twitter einen Rempler mit auf den Weg: Die Gespräche seien zwar „sehr angenehm“ verlaufen. Doch es bestehe „absolut keine Eile“, sie zu beenden. Inzwischen habe der „Prozess begonnen, zusätzliche 25 Prozent Zölle auf die übrigen 325 Milliarden Dollar zu erheben“. Trump ergänzte, ein Abkommen werde „viel schlimmer“ ausfallen, wenn es in seiner zweiten Amtszeit verhandelt werde.

Trump setzte Peking laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg außerdem eine Frist von einem Monat, ein Abkommen zu besiegeln, sonst sollen auch die neuen Sonderzölle final in Kraft treten.

 

 

China schlägt zurück
Liu He, schlug am Freitag neue Töne an, als er sagte, „jede Nation hat ihre Würde“ und betonte, China könne in Grundsatzfragen „absolut keine Zugeständnisse“ machen. Hm, wie will ein Diplomat hinter solche roten Linien zurückweichen?! Er kündigte Gegenmaßnahmen an. Am Montag dann die Bestätigung: Ab 01. Juni will China Zölle für US-Waren im Wert von 60 Milliarden Dollar von 10 auf 25 Prozent anheben.
He hatte am Freitag außerdem erstmals drei chinesische Kernforderungen aufgestellt: Erstens müssten alle US-Zusatzzölle beseitigt werden. Zweitens müssten die Quoten für geplante chinesische Käufe von US-Waren mit der realen Nachfrage übereinstimmen. Drittens müsse der Text des Abkommens die „Würde“ beider Länder wahren.

Was genau stellt er sich darunter vor?

Vielleicht dies:
Washington erwartet von China, dass Peking die Verhandlungsergebnisse in Gesetzesform packt – und nicht nur in Regierungsdekrete. Washington will also absolut verbindliche Zusagen, aus denen sich China nicht herauswindet. Für Peking wohl eine unerhörte Neuerung.

China schlug am Sonntag auch über die staatlich gelenkten chinesischen Medien wenig versöhnliche Töne an. So twitterte der Chefredakteur der „Global Times“, Hu Xijin, aus der Perspektive der chinesischen Politik gebe es kaum Spielraum für Kompromisse. Der Journalist gilt unter Experten als Insider der chinesischen Führung und Sprachrohr der Kommunisten.

Am Montag legte er über Twitter nach: China könne den Kauf von US-Agrarprodukten stoppen, weniger Jets bei Boeing kaufen, den Service-Handel einschränken. Zudem diskutierten chinesische Gelehrte die Möglichkeit, US-Staatsanleihen auf den Markt zu werfen. Peking hat Washington also seine Folterinstrumente gezeigt.

 

 

Amerika sitzt am längeren Hebel
Doch wie genau will das Reich der Mitte wirklich zurückschlagen? Die USA verschifften laut Statista im Jahr 2018 nur Waren im Wert von 120 Milliarden Dollar nach China – diese Güter sind heute schon weitgehend mit chinesischen „Gegenzöllen“ belegt. Der Rote Drache dagegen exportierte Produkte im Wert von rund 540 Milliarden US-Dollar in die USA. Da ist also noch Luft nach oben. In relativen Zahlen gehen satte 19 Prozent der chinesischen Ausfuhren in die USA. Dagegen sind es nur sieben Prozent der US-Exporte, die nach China verschifft werden.

Die USA haben zudem eine traditionell starke Binnenwirtschaft. Wenn importierte chinesische Güter zu teuer werden, werden sich umgehend heimische Firmen finden, die den Job übernehmen – oder Hersteller in Indien oder Südkorea, die in die Lücke springen. Umgekehrt hoffen natürlich auch die Hardliner in China darauf, dass künftig heimische Firmen die Produkte anbieten, die jetzt noch von den Amerikanern geliefert werden.

Und wenn China Stimuli einführt, kann Amerika das auch; zudem könnte die Federal Reserve nun doch die Zinsen senken.

 

Drohende Yuan-Abwertung
Vielleicht wird Peking den Yuan gezielt abwerten, um die Exporte im Welthandel zu verbilligen. Das erodiert zwar die Kaufkraft der chinesischen Mittelschicht. Was von Peking durchaus gewollt sein könnte – denn viele Chuppies – Chinese Urban Professionals – würden aus Angst vor dem Yuan-Crash wohl ihr Geld in Immobilien anlegen, was den Kollaps des von hohem Leerstand geplagten Marktes verhindern könnte.

Ansonsten dürfte auch der chinesische Appetit auf Gold angefacht werden.

 

 

US-Bonds als Machtmittel
Bleibt die nukleare Option: China ist der größte Halter von amerikanischen Bonds und könnte als Vergeltung US-Staatsanleihen auf den Markt werfen. Die Volksrepublik hält noch rund 1.200 Milliarden US-Dollar, Japan als Nummer Zwei etwa 1.000 Milliarden. Das würde die auf Pump laufende US-Wirtschaft erheblich treffen. Die erste Reaktion der Anleger belegt, dass noch niemand an diese Möglichkeit glaubt – doch Trader sollten sie im Hinterkopf behalten.

Fazit: Wie immer, wenn sich die Politik im Markt einmischt, ist Vieles ungewiss. Klar ist nur, dass die Volatilität anziehen dürfte, wenn die Lage eskaliert. Die Bernstein Bank wünscht Ihnen viel Erfolg bei Ihren Investments!

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