Die Hoffnung stirbt zuletzt – Nervenflattern wegen Rom

Bernstein Bank: Nach dem Blutbad der vergangenen Tage blicken die verwundeten Bullen hoffnungsvoll auf die Charttechnik. Denn der DAX hat in dieser turbulenten Woche einige Kurslücken gerissen. Und die wollen geschlossen werden. Der Rebound vom gestrigen Donnerstag macht jedenfalls Laune.

Wenn da nicht am Freitagmittag wieder Skepsis an der deutschen Börse eingekehrt wäre. Italien und China drücken die Kurse.

 

DAX hängt über der 200-Tage-Linie
Wer hat nur die Broker am Frankfurter Aktienmarkt geschult? Als ob sie alle die gleiche Uni besucht hätten, blickten sie zuletzt auf die Charttechnik. Schulbuchmäßig ist der DAX gestern mit einem satten Plus von 1,7 Prozent von der 200-Tage-Linie zurückgeprallt. Das Sicherheitsnetz des gleitenden Durchschnittes sollte besser halten – südlich der 11.640 Zähler lauert der Abgrund. Genau diese Marke hatte der DAX am Mittwoch getestet und darauf geschlossen.

 

Am Freitagmittag bewegte sich der deutsche Leitindex immerhin knapp darüber. Zuletzt notierte der Kursindikator bei 11.750 Zählern, wenn auch mit einem Minus von 0,8 Prozent. Für Unterstützung sorgte die Bayer-Aktie, die zeitweilig zweistellig nach oben schoss.

Der Konzern strebt einen Vergleich mit tausenden Glyphosat-Klägern an, womit das Dauerthema dann hoffentlich vom Tisch wäre.

 

 

Flucht in die sicheren Häfen
Gefragt waren am Freitag Münzen und Barren. Der Goldpreis pendelte sich bei der Marke von 1.500 Dollar je Unze ein. Auch deutsche Staatsanleihen standen auf der Einkaufliste. Der Euro-Bund-Future kletterte zwischenzeitlich auf 177,40 Punkte, die Rendite zehnjähriger deutscher Staatsanleihen rutschte auf minus 0,592 Prozent.

Investoren zahlen also der Bundesbank Geld dafür, dass ihr Kapital in Sicherheit ist. Befürchtet da jemand einen Banken-Crash? Etwa bei südeuropäischen Geschäftsbanken, die auf Geheiß ihrer Regierungen eigene Staatsanleihen gekauft haben?

Vielleicht sogar italienische Bonds?

Nicht gut…

 

Nervenflattern wegen Rom
Die Nervosität ist verständlich, denn für Aufregung sorgte weiter die Staatskrise in Italien. In Rom ist nach nur 14 Monaten die rechte Allianz aus Lega und Fünf-Sterne-Bewegung gescheitert. Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini forderte am Donnerstag eine Neuwahl. Natürlich spekuliert die Lega auf einen Mega-Erfolg bei einem neuen Urnengang. Denn die Italiener wollen in Sachen Flüchtlingskrise nicht die Suppe auslöffeln, die ihnen grünlinke Gutmenschen hierzulande eingebrockt haben.

Offene Grenzen werden in Italien seltsamerweise gar nicht als Bereicherung gesehen, was vielleicht an der sinkenden inneren Sicherheit liegen könnte. So kommt der harte Abschottungskurs der Lega gut an. Ist das nun rechts oder vernünftig?

Hier lohnt es sich, in unserem Special Report in Sachen Europawahl nachzulesen:
Der politische Riss, der durch Europa verläuft, hat eben auch Auswirkungen am Finanzmarkt.

 

 

Devisen-Trader im Euro sollten die Angelegenheit jedenfalls unbedingt im Auge behalten: Italien könnte versuchen, aus dem Euro auszusteigen und sich über eine Parallelwährung elegant zu entschulden.

Sie erinnern sich vielleicht an einen weiteren Special Report, diesmal in Sachen Mini-Bot:
Rom könnte diese Schuldverschreibungen, die zufällig in kleiner Stückelung genau wie Euro-Scheine angeboten werden, landesweit und verpflichtend einführen. Wenn Rom dazu kurzerhand den Default auf seine Euro-Schulden erklärt, dann wackelt die Gemeinschaftswährung – und die Europa-Börsen mit dazu.

Italienische Staatsanleihen werden dann gen Zero abtauchen und Short-Tradern ein Fest bereiten.

Sie sehen also, lieber Leser:
Told you so.

Wir hatten Sie vor beiden Entwicklungen frühzeitig gewarnt.

 

 

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