Endlich die Erholung – Chef der New Yorker Fed spricht Klartext in Sachen Niedrigzins

Bernstein Bank: Na also, geht doch. Der Chef der New Yorker Fed hat Klartext in Sachen Niedrigzins gesprochen. Und der weltweite Handel applaudiert. Auch der DAX will nach oben. Wenn auch nur moderat.

New Yorker Fed entzückt Frankfurt
Wer hätte das gedacht: Ein Notenbanker der Federal Reserve nimmt kein Blatt vor den Mund. Und die Börsianer sind entzückt. Der Chef der New Yorker Fed, John Williams, sagte gestern unter anderem dieses: „First, take swift action when faced with adverse economic conditions. Second, keep interest rates lower for longer.“ Also: Schnell handeln, falls sich eine Krise anbahnt. Dann niedrigere Zinsen für einen längeren Zeitraum.

Treibstoff für die Börse. Applaus, Applaus. Ergo zog der DAX am Freitagmorgen bis an die 12.340 Zähler an, bevor er wieder bröckelte. Zuletzt hielt er sich 0,3 Prozent im Plus. Kleiner Hinweis zum Thema Chartanalyse: Der deutsche Leitindex hatte gestern genau auf der 50-Tage-Linie geschlossen und ist nun wieder nach oben abgeprallt.

 

Asien freut sich über billiges Geld
Die Worte von Williams hallten auch in Asien nach. Wenn auch ein Sprecher der Fed versuchte, diese als akademisch und theoretisch zu relativieren. Der Zudem verhalfen am Morgen Inflationsdaten aus Japan den Anlegern zu neuem Schwung. Die geringe Preissteigerung in der Kernrate könnte die Bank of Japan zu weiteren Lockerungen veranlassen. Noch mehr billiges Geld überall. Und der Nikkei gewann 2 Prozent auf 21.467 Zähler. Der CSI-300 kletterte um 1,1 Prozent auf 3.808 Stellen.

 

 

Böses Erwachen für Peking
Derweil machte eine Meldung die Runde, die Peking zu zusätzlichen Konjunkturstützen zwingen und in deutschen Redaktionsstuben böses Bauchweh hervorrufen dürfte: Donald Trump rollt im Handelsstreit mit China offenbar doch auf der Gewinnerstraße. Laut „Nikkei“ ziehen derzeit über 50 internationale Konzerne ihre Produktion aus China gen Südostasien ab. Darunter Apple, Nintendo, Dell oder HP. Selbst der chinesische Elektronik-Konzern TCL überlege, nach Vietnam zu gehen. Und der chinesische Reifenhersteller Sailun Tire produziere bald in Thailand. Ergo: CFD-Trader sollten sich vielleicht einmal die Börsen in Indien, Vietnam und Thailand genauer anschauen.

 

Ist das alles?
Ach ja, Trump. Aktuell besteht für CFD-Trader an der Wall Street kein Grund, im Zuge der Sex-Affäre um Jeffrey Epstein einen Absturz der Börse wegen einer Amtsenthebung einzupreisen. Jetzt hat NBC einen Schnipsel von 1992 aus den Archiven gekramt. Und hier spricht Trump tatsächlich auf einer Party mit dem Pädophilen-Zuhälter Jeffrey Epstein. Offenbar sagt Trump über eine Cheerleaderin „She is hot“. Wir sagen: Shocking! Zur Erinnerung: Die Ermittlungen gegen Epstein begannen 2005. Damit stellt sich die Frage, ob die Demokraten keine schärferen Pfeile im Köcher haben.

 

Obwohl doch Maurene Comey laut dem „Washington Examiner“ zu den Ermittlern in der New Yorker Staatsanwaltschaft gegen Epstein gehört. Und die ist nicht irgendwer. Sondern die Tochter von James Comey, der im September 2013 von Barack Obama als Chef des FBI eingesetzt wurde.

Als solcher untersuchte Comey die E-Mail-Affäre von Hillary Clinton, schrieb aber schon an Hillarys Entlastung, bevor die Untersuchung über den schlampigen Gebrauch von Staatsgeheimnissen abgeschlossen war. Trump feuerte Comey im Mai 2017, die US-Medien vermuteten einen Zusammenhang mit den Untersuchungen über angebliche Unterstützung im Wahlkampf aus Russland.

Nebenbei:
Trump wurde seinerseits von Sonderermittler Robert Mueller im März 2019 deswegen entlastet. Comey hat aber noch eine Rechnung mit Trump offen. Ob ihm sein Töchterlein bei der Begleichung hilft?

 

 

Leichtes Plus New York
Wie auch immer. Die Wall Street ignorierte gestern diesen Schmutz und konzentrierte sich auf die New Yorker Fed. Der Dow Jones Industrial schloss am Donnerstag mit einem minimalen Plus von 0,01 Prozent bei 27.223 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 gewann 0,4 Prozent auf 2.995 Stellen. Und der Nasdaq 100 kletterte stieg um 0,19 Prozent auf 7904,13 Punkte. Und auch der Abschuss einer mutmaßlich iranischen Drohne im Persischen Golf durch die US-Navy ließ die Broker kalt.

 

Iran lenkt ein
Ansonsten scheint der Iran im Atomstreit substanziell einzulenken, was die Ölpreise gen Süden schickte. Laut „Guardian“ hat Außenminister Mohammad Javad Zarif dauerhaft Inspektionen im Atomprogramm angeboten, falls die USA ihre Sanktionen aufheben. Fragt sich, ob Zarif nicht von den Hardlinern in Teheran zur Seite geschoben wird, weil er sich dem Druck von Washington beugt. Warten wir es ab.

 

Das bringt der Tag
Zum Wochenschluss sollten Sie Ihre Handelsplattform und die einlaufenden News vor allem um 16.00 Uhr screenen. Dann meldet die Uni Michigan das Verbrauchervertrauen im Juli.

Ab 17.00 Uhr tritt James Bullard ans Rednerpult, seines Zeichens Chef der Fed von St. Louis. Um
22.30 Uhr deutscher Zeit folgt auf ihn Eric S. Rosengren, er ist der Präsident der Boston Fed. Beide sind stimmberechtigt im FOMC, beide sprechen auf dem Jahrestreffen der Central Bank Research Association in New York.

 

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