Interview mit FXCM zur ESMA-Regulierung & Trading Innovationen

FXCM Deutschland, Kourosh Khanloo
Kourosh Khanloo, FXCM Deutschland

Im Interview mit Kourosh Khanloo, Geschäftsführer von FXCM Deutschland, sprach David Ernsting, Chefredakteur Broker-Test.de, über die seit dem 1. August geltenden Regularien der ESMA und die sich daraus ergebenden Veränderungen für den CFD Handel sowie mögliche Auswirkungen auf die deutsche Broker-Landschaft. Außerdem gab Herr Khanloo einen Ausblick auf kommende Trading Innovationen von FXCM sowie der Bedeutung das Algo-Tradings.

FXCM ist ja bereits seit vielen Jahren in Deutschland ansässig und daher vielen Tradern bekannt. Trotzdem ändert sich über die Jahre oft das Leistungsspektrum von Brokern – oft genug wegen neuer Regularien von ESMA und BaFin. Wofür steht FXCM heute?

Unsere Kernkompetenz liegt nach wie vor im Devisen- und CFD Handel, da sind wir uns über die Jahre treu geblieben. Wir verfolgen seit jeher sehr genau die Wünsche und Bedürfnisse unserer momentan rund 110.000 Kunden weltweit. Das heißt, wir kümmern uns um innovative neue Trading-Tools und deren technische Umsetzung, die unseren Kunden das Handeln erleichtern.

Einen Schwerpunkt hat bei FXCM die Automatisierung des Tradings. Dafür haben wir vor kurzem eine neue Anwendung, die so genannte REST API, auf den Markt gebracht. Diese vereinfacht Automatisierungsprozesse beim Handeln noch einmal deutlich. Zudem arbeiten wir stetig daran, unseren Kunden eine schnelle und transparente Orderausführung zu möglichst vorteilhaften Kursen zu ermöglichen.

Gemeinsam mit unseren Liquiditätsanbietern haben wir daran gearbeitet, die Spreads zu senken und die Geschwindigkeit zu erhöhen. Orders werden bei uns nun in durchschnittlich 27 Millisekunden* ausgeführt. Zudem erheben und veröffentlichen wir auch monatlich Ausführungsstatistiken. Die aktuelle Untersuchung ergab, dass bei FXCM 89 Prozent aller Orders keine oder eine positive Slippage aufwiesen – das heißt, die Orders wurden zum gewünschten Kurs oder zu einem besseren Kurs ausgeführt**. Das sind aus unserer Sicht zentrale Punkte, an denen Anleger ihren Broker messen sollten.


Bitte erklären Sie unseren Lesern doch kurz, was es mit der aktuellen ESMA-Entscheidung in Bezug auf CFDs auf sich hat und welche Folgen sich hieraus ergeben.

Als direkte Folge daraus sind beispielsweise die möglichen Hebel deutlich begrenzt worden, beispielsweise auf 1:30 für Hauptwährungspaare oder 1:20 auf Aktienindizes. Auch die Nachschusspflicht wurde nun innerhalb der Europäischen Union abgeschafft. Bei FXCM Deutschland verzichteten wir auf eine Nachschusspflicht bereits lange bevor dies eine regulatorische Anforderung durch die ESMA oder auch die BaFin wurde.

Natürlich wird dies Veränderungen in den Tradingvolumina nach sich ziehen, wir sehen aber keinen dramatischen Einbruch am Markt kommen. Wir glauben vielmehr, dass die Regulierung das Produkt CFD aus Anlegersicht besser gemacht hat. Nach wie vor halten wir CFDs oder Micro-CFDs für interessante Instrumente zur Portfoliobeimischung oder etwa zum Hedging – daran ändern auch die neuen Regeln nichts.

Unsere Studie „Traits of Sucessful Traders“ hat ergeben, dass Trading mit geringeren Hebeln unter dem Strich sogar erfolgreicher ist. Insofern begrüßen wir die Maßnahmen der Bafin und der ESMA, die auch zur Vereinheitlichung der Spielregeln innerhalb der Europäischen Union beitragen. Allerdings hoffen wir, dass die strengere Regulierung auch die Reputation der Branche wieder stärkt, die vor allem von un- oder wenig regulierten Anbietern in Misskredit gebracht wurde.


Wie setzt FXCM die neuen ESMA-Regeln um?

FXCM setzt einige der neuen Regelungen schon seit geraumer Zeit um, nicht erst seit dem 1. August 2018. Wir arbeiten beispielsweise schon lange mit einer Liquidationsmargin; wenn das Eigenkapital eines Traders unter diesen Betrag rutscht (50 Prozent der Eröffnungsmargin), werden alle seine Positionen automatisch geschlossen. Zudem verzichten wir, wie zuvor angesprochen, bereits seit langer Zeit freiwillig auf die Nachschusspflicht.

Es war immer unser Ziel, unsere Kunden vor negativen Kontoständen zu schützen. Insofern sind auf unsere Kunden nun auch keine überraschenden Veränderungen zugekommen. Aber natürlich sind sie über die Hebelbeschränkungen nicht erfreut.

Wie sehen Sie die Zukunft von CFDs in Deutschland?

Wir glauben, dass CFDs weiterhin eine Daseinsberechtigung am Markt besitzen. Die neue Regulierung hat das Produkt aus der Sicherheitsperspektive gesehen noch attraktiver für die Kunden gemacht. Allerdings beobachten wir auch, dass die nun geltenden maximalen Hebel in der EU strenger begrenzt wurden als in anderen Jurisdiktionen.

Für erfahrene Trader, die hohe Hebel für sich einzusetzen wissen, ist das keine gute Nachricht. Wir hoffen, dass dies nicht zu einem Abwandern der Trader in Regionen mit geringer oder nicht vorhandener Finanzregulierung führt. Das wäre weder politisch gewollt noch im Sinne der Trader, die erhebliche Risiken in Kauf nehmen müssten.

Wie wird sich das auf die deutsche Broker-Landschaft auswirken?

Es wird wahrscheinlich so sein, dass die Handelsumsätze zunächst zurückgehen und wir eine Konsolidierung am Markt erleben werden. Möglicherweise könnten wir dann an einen Punkt kommen, an dem wir nur noch wenige große und stark regulierte Anbieter am Markt sehen. Das könnte das Wachstumspotenzial im Bereich CFD- und Devisenhandel deutlich erhöhen.

Von solch einer Entwicklung könnte FXCM als einer der führenden Anbieter für Devisen- und CFD-Handel profitieren – wir sind gut aufgestellt und vorbereitet auf eine solche Entwicklung.

Mit welchen Produktinnovationen seitens FXCM können deutsche Trader 2018 noch rechnen?

Wir werden demnächst eine neue HTML5- und Mobil-Plattform starten, um dem Wunsch unserer Kunden nach noch besserer Zugänglichkeit zu unserem Trading-Angebot zu entsprechen: die FXCM Trading Station Web 2.0. Diese Plattform ist einfacher und intuitiver für den Nutzer und beinhaltet viele unserer Trading-Tools.

Zudem ist die FXCM Cloud eingebunden, auf der unsere Kunden ihre Nutzerprofile und Charteinstellungen speichern können. Ein interessantes Instrument auf der neuen Plattform ist auch der FXCM Speculative Sentiment Indicator (SSI). Damit kann man das Tradingverhalten der Retailanleger beobachten. Darüber hinaus kann man auch auf interessante Lehrvideos zurückgreifen und sogar Benutzerprofile und Charteinstellungen in der FXCM Cloud speichern.

Unser beliebtes Charting-Paket wurde verbessert. Charts können nun im Vollbild angezeigt oder losgelöst werden, um sie für einen größeren Arbeitsbereich auf einem zweiten Bildschirm zu platzieren. Zudem gibt es eine Auswahl an 50 konfigurierbaren technischen Indikatoren und 20 fortgeschrittene Charting-Tools.

Zudem haben wir eine Newsrubrik sowie unseren Wirtschaftskalender direkt in die Plattform integriert. Im restlichen Jahr 2018 werden wir außerdem Webinare und Seminare in den großen Städten in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz im Rahmen unserer Trading Tour veranstalten. Hierzu lassen wir unter anderem auch Experten für Algo Trading zu Wort kommen und würden uns über eine rege Teilnahme freuen.

FXCM widmet sich neuerdings mehr dem Algo-Trading. Können Sie diese Initiative und kurz erläutern?

FXCM ist sehr darauf bedacht, Tools für Trader zu entwickeln und bereitzustellen, die Algo-Trading wünschen. Wir haben vor kurzem eine REST API mit einem Python-Paket gelauncht, die Algo-Trading deutlich erleichtert. FXCM bietet jetzt kostenfreien Zugang zu vier APIs, die direkt mit dem FXCM Trading-Server verbunden sind. Mit der neuen FXCM REST API können User einfach bekannte Programmiersprachen wie Python und JavaScript integrieren.

Mit der webbasierten API können Algo-Trader historische Chart-Daten abrufen und Trades platzieren sowie Echtzeit-Marktdaten und Updateinformationen über WebSocket erhalten. In Verbindung mit der REST API steht der FXCM Python Wrapper. Fxcmpy ist ein Python-Paket, das sich einfach in Jupyter Notebook integrieren lässt und durch verschiedene Python-Klassen alle Möglichkeiten der REST API eröffnet. Diese Klassen ermöglichen es, bequem über Python mit der REST API von FXCM auf einem hohen Niveau zu interagieren, ohne sich mit den untergeordneten technischen Aspekten auseinandersetzen zu müssen.

Trader, Datenwissenschaftler, Quants und Programmierer können das fxcmpy-Paket für Ihre Algo Trading-Strategie nutzen. Trader können die FXCM-Website auf GitHub besuchen, um alle vier APIs (Rest API, FIX API, Java API und eine ForexConnect API) einzusehen. Zusätzlich gibt es dort auch Mustercodes, Fallstudien und mehr. FXCM bietet eine Reihe von preisgekrönten Tools und Services für die FX-Community an, so zum Beispiel Premium-API-Dienste und Marktdaten sowie den FXCM App Store.

Aktuell gibt es eine ganze Reihe von Marktturbulenzen (Türkei, Brexit, Zinsen …) die Prognosen schwierig machen. Glauben Sie dennoch, dass wir den Dax zum Jahreswechsel bei über 13.000 sehen werden?

In der Tat sehen wir momentan große wirtschaftliche und politische Unsicherheiten, die Nachrichtenlage kann sich täglich ändern. Die Anleger sollten dies im Auge behalten und nötigenfalls ihre Positionen absichern, beispielsweise über CFD-Hedges. Mittelfristige Prognosen sind bei der momentanen Volatilität am Markt aus unserer Sicht jedoch kaum möglich und sinnvoll.


Vielen Dank für das Gespräch!

 

* Gemäß FXCM Statistik August
** Gemäß FXCM Slippage Statistik August

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