Ende der restriktiven Geldpolitik könnte eine Kehrtwende für die Finanzmärkte bedeuten 

T. Rowe Price: Werden die großen Zentralbanken ihre restriktiven Geldpolitiken beenden und was bedeutet das für Investoren? Mit dieser Frage beschäftigt sich Arif Husain, Head of International Fixed Income bei T. Rowe Price. „In einer Zeit, in der das Weltwirtschaftswachstum bereits unter großer Beobachtung steht, drohen nun auch noch Handelszölle. Hält dieser bedrohliche Zustand an, könnten Zentralbanken dieses Jahr noch vorsichtiger werden.“

Es gibt Zeichen einer signifikanten Kehrtwende
Im bisherigen Verlauf des aktuellen Jahres hätten bereits einige Zentralbanken – unter anderem die Federal Reserve (Fed) – aufgehört die Leitzinsen anzuheben. Andere hätten gar neue wirtschaftliche Stimulationspolitiken gestartet – beispielsweise Malaysia und Neuseeland. Hinzu komme, dass Handelszölle die Geldmenge weiter verengten.

Denn auch wenn die geldpolitische Entwicklung laut Husain schon frühzeitig zu sehen gewesen sei – „Eine Rückkehr zu einer expansiveren Geldpolitik deutete sich bereits an, als die Handelsgespräche noch nicht ins negative umgeschlagen waren“ – könnten die bestehenden Zölle die Zentralbanken auf ihrem Weg zu einer akkommodierenden Geldpolitik zusätzlich bestärken.

„Das wäre eine signifikante Kehrtwende für die Finanzmärkte“, meint Husain. Für den Fixed Income-Bereich würde dies beispielsweise bedeuten, dass Core Government Bonds mit höherer Wahrscheinlichkeit positive Returns erzeugen und somit erneut als sicherer Hafen dienen könnten.

 

 

Bedeutung für die Portfoliokonstruktion
Angesichts der neujustierten Geldpolitiken könnte Duration erneut eine gute Möglichkeit der Diversifikation bieten und das Risiko von Aktieninvestments eindämmen. „Das ist für die Portfoliokonstruktion sehr wichtig, weil Investoren dann im Kreditmarkt nicht mehr so defensiv sein müssen, um sich gegen Aktienrisiken abzusichern“, sagt Husain. Eine attraktive Opportunität sei, das Duration-Risiko bei jenen Ländern zu erhöhen, die Anfang des Jahres mögliche Kandidaten für Zinsanstiege gewesen seien – beispielsweise Südkorea oder Schweden. Ebenfalls interessant seien Zentralbanken, die ihre Geldpolitiken unverändert gelassen hatten, nun aber die Zinsen senken könnten.

Ein Beispiel hierfür sei die Zentralbank Australiens.

Allerdings würden nicht alle Länder eine expansivere Geldpolitik wählen. „Länder wie Norwegen oder das Vereinigte Königreich könnten ihre Zinsen aufgrund des lokalen Inflationsdrucks erhöhen“, sagt Husain.

US-Anleihen werden attraktiver
Die Wahrnehmung eines möglichen Endes der restriktiven Geldpolitik könnte ebenfalls starken Einfluss auf die Devisenmärkte nehmen – auch wenn es erwähnenswert sei, wie stark der US-Dollar trotz der expansiveren Geldpolitik der Fed gestützt worden sei. „Entgegen der Erwartungen hat die Unterbrechung der Zinserhöhungen durch die US-amerikanische Zentralbank nicht zu einer Rally in fremdländischen Währungen geführt“, sagt Husain.

 

 

Das Wirtschaftswachstum – auch wenn es sich insgesamt verlangsamt habe – begünstige die USA noch immer gegenüber anderen Industriestaaten und damit auch den US-Dollar.

„Es besteht eine gewisse Ironie darin, dass die Unterbrechung der Geldmengenverknappung durch die Fed den US-Fixed Income-Bereich attraktiver gemacht hat“, meint Husain und ergänzt, dass die zusätzlichen Kosten für die Absicherung des Währungsrisikos von US-Vermögenswerten weniger belastend seien, da die Märkte die Zinserhöhungen ausgepreist hätten.

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