Unzufriedenheit wegen neuer EU-Regeln zur Anlageberatung nimmt zu

Bankenverband: Die Kritik an den seit mehr als einem Jahr geltenden neuen EU-Regeln für Wertpapiergeschäfte wächst weiter. Das Bestreben, Käufer von Finanzprodukten besser zu schützen und sie zu mehr Anlagen am Kapitalmarkt zu ermutigen (MiFID II), ist nach Ansicht vieler Banker nicht erreicht worden. Auch Verbraucherschützer halten nicht viel davon.

“Wir brauchen einen Neustart, denn es wurde zu viel versprochen und zu wenig gehalten”, sagte der Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), Klaus Müller, dem “Handelsblatt”. Sein Ziel: gleiche Regeln für vergleichbare Produkte, bessere Informationen und “vor allem klare und verlässliche Qualitätsstandards in der Beratung”.

Auch Bankenverbands-Präsident Hans-Walter Peters zeigte sich unzufrieden. “Das Ziel, mehr und besseren Anlegerschutz zu liefern, hat die Richtlinie verfehlt”, sagte er der Zeitung. Gute und verständliche Anlegerinformationen seien unabdingbar, dürften aber den Anleger nicht entmündigen, forderte er.

Bei den neuen EU-Regeln zur Anlageberatung gebe es noch viel Verbesserungspotenzial. Die strengen Informations- und Aufklärungspflichten, die etwa die Aufzeichnung von Beratungsgesprächen vorsehen oder die Prüfung, ob für bestimmten Kunden die Wertpapiere auch geeignet sind, müssen nach einem jüngsten Revisionsurteil des Bundesgerichtshofes (BGH) unbedingt eingehalten werden.

Dies gilt auch dann, wenn der Kunde die ihm vorgelegten umfrangreichen Anlagen-Informationen nicht lesen will, weil es ihm zu schwer fällt oder er diese nur als “Papierkram” abtut.

Freie Finanzberater, die nicht einer Bank oder Versicherung angehören, befürchten, dass für sie diese strengen Regeln bald ebenfalls gelten sollen. Das sehen viele als existenzbedrohend an.

 

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