Keine Liquiditätsflut, sondern Dürreperiode an den Märkten

Beim jährlichen Treffen der führenden Notenbanker in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming bekräftigte der Chef der US-Notenbank Ben Bernanke seine Bereitschaft, der lahmenden Wirtschaft wenn nötig weiter unter die Arme zu greifen. Dies ist eine gute Nachricht. Zunehmend stellt sich aber auch die Frage, wie lange der Staat die Wirtschaft ohne ernsthafte Nebenwirkungen stimulieren kann und soll.

Die Rolle des Antreibers fällt immer mehr den Zentralbanken zu, denn den Regierungen sind in Zeiten von immensen Schuldenbergen und weltweiten Sparanstrengungen die Hände gebunden. Das ist zwar nachvollziehbar, birgt aber das Risiko, dass die sogenannten "automatischen Stabilisatoren" – höhere Staatsausgaben in schlechten Zeiten und Sparmaßnahmen in guten Zeiten – wegfallen. Dadurch wird der Wirtschaftsabschwung verstärkt, wie sich an der massiven Rezession in Griechenland deutlich zeigt. Außerdem ist das ohnehin kaum vorhandene Wachstum in Italien und Spanien gefährdet.

Auch aus einem weiteren Grund sollte die Geldpolitik in den USA und vor allem in Europa expansiv bleiben: Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung ist die Welt nicht mit Liquidität überflutet. Das Gegenteil ist der Fall: Wir gehen geradezu einer "Austrocknung" der Wirtschaft und der Märkte, quasi einer Dürreperiode, entgegen. Grund dafür ist, dass das viele Geld, das gedruckt wurde, nach wie vor nicht in die Wirtschaft fließt. Dies lässt sich an zwei Indikatoren zweifelsfrei ablesen: Erstens wird die Zinskurve in Europa immer inverser – die kurzfristigen Zinsen sind höher als die langfristigen – was eine dringende Zinssenkung der Europäischen Zentralbank oder weitere Käufe von Staatsanleihen aus den peripheren Ländern der Eurozone nahelegt. Zweitens zeigt der fallende Geldmengenmultiplikator, dass das neu geschaffene Geld der Notenbanken nicht in den Wirtschaftskreislauf gelangt. Es bleibt vielmehr auf den Girokonten der Geschäftsbanken bei den Zentralbanken liegen. Die vorübergehend etwas höheren Inflationsraten sind keine Folge einer zu expansiven Geldpolitik, sondern das Resultat der sich seit 2009 verbesserten Auslastung der Wirtschaft.

Man kann sich nun fragen, worin der Sinn einer großzügigen Geldpolitik besteht, wenn das Geld gar nicht in der Wirtschaft ankommt. Der Nutzen liegt zum einen darin, dass das Geld jederzeit griffbereit ist und schnell in die Wirtschaft fließen kann. Zum anderen – und das ist der wichtigere Effekt – wird das Zinsniveau niedrig gehalten. Dies ist insbesondere für die USA mit Blick auf die Hypotheken und damit für die Stabilisierung der Häuserpreise entscheidend. Sobald die Wirtschaft wieder nachhaltig Tritt gefasst hat, wird es allerdings wichtig sein, die Liquidität wieder rasch abzuschöpfen, um eine Inflation zu verhindern.

Der Eindruck ist wohl richtig, dass die Zentralbanken zurzeit an zu vielen Fronten kämpfen. Es bleibt zu hoffen, dass dabei die Übersicht nicht verloren geht.

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