SNB zieht Notbremse: Mindestkurs von 1,20 Schweizer Franken je Euro

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) will mit sofortiger Wirkung einen Euro-Franken-Mindestkurs von 1,20 verteidigen und strebt eine "deutliche und dauerhafte Abschwächung des Frankens" an. Das Vorhaben dürfte gelingen.

Die Zentralbank begründet die Entscheidung vom 6. September mit der massiven Überbewertung des Frankens, die zu einer akuten Bedrohung für die Wirtschaft geworden ist. Nach der Bekanntmachung verlor der Franken massiv an Wert und handelte zeitweise über zehn Prozent schwächer gegenüber dem Euro. Er hält sich weiterhin knapp über der 1,20 Marke je Euro.

Vontobel geht davon aus, dass die Verteidigung des neuen Wechselkursziels gelingen wird. Dies aus drei Gründen:

  • Erstens hat die SNB durch die gewählte Formulierung ihre gesamte Reputation in die Waagschale geworfen.
  • Zweitens dürfte sie das Einverständnis der Politik zu diesem ungewöhnlichen Schritt mit allen Konsequenzen eingeholt haben.
  • Und drittens gehen alle ernstzunehmenden Analysen selbst bei einem Kurs von 1,20 von einem überbewerteten Franken aus. Wir selbst halten einen Kurs von rund 1,28 für angemessen.

Wie hoch sind die Kosten dieser Interventionen? Devisenmarktinterventionen zur Schwächung der eigenen Währung, sofern nicht sterilisiert, führen zu einer Erhöhung der Geldmenge und somit zu einer potentiell steigenden Inflation in der Zukunft. Sollte sich die Eurokrise wieder verschärfen, könnten die nötigen Interventionsbeträge extrem ansteigen. Im derzeitigen deflationären Umfeld mit sich stark abkühlender Konjunktur stellt dies aber noch keine große Bedrohung dar. Vontobel erwartet, dass es der SNB gelingen wird, bei steigender Inflationsgefahr auch wieder angemessen Gegensteuer zu geben.

Frankenprognose bei 1,20 in zwölf Monaten

Unsere Euro-Franken-Prognose in den kommenden Monaten bleibt unverändert bei 1,21. Allerdings erhöhen wir die Zwölfmonatsprognose auf 1,20. Einen starken Anstieg des Euros gegenüber dem Schweizer Franken halten wir in unserem Basisszenario "muddling through" oder "Durchwursteln" noch für eher unwahrscheinlich. Denn die Europrobleme dürften nicht rasch gelöst werden.

Die potentiell anhaltenden Kapitalzuflüsse in den Schweizer Franken werden die SNB zu einer weiteren Erhöhung der Geldmenge veranlassen und die kurzfristigen Zinsen entsprechend sehr niedrig halten. Im Extremfall werden auch Negativzinsen in Betracht gezogen werden. Bei den längeren Laufzeiten im Anleihenbereich ist hingegen von einem Anstieg auszugehen, sodass wir eine steilere Zinskurve erwarten. Denn das Wechselkursrisiko für Anleihen in Euro ist für Schweizer-Franken-Investoren deutlich geringer geworden. Allerdings gibt es weiterhin Gründe, warum sich die Anleihenrenditen nicht vollständig dem Euroniveau annähern werden. Die Solidität der Staatsfinanzen ist in der Schweiz nach wie vor deutlich höher und die Inflation niedriger.

Der Schweizer Aktienmarkt hat deutlich fester notiert. Vieles von der Wechselkursbewegung ist in den gestiegenen Preisen enthalten. Zudem sind die Probleme in der Eurozone nach wie vor ungelöst, sodass wir zunächst von keinen weiteren namhaften Kursanstiegen ausgehen. Wichtiger für die Aktienmärkte wird sein, wie die Politiker in Europa die anstehenden Meilensteine im September angehen. Wir bleiben somit bei Aktien unverändert untergewichtet.

Unterstützung für Gold und Immobilien

Während die kurzen Zinsen weiterhin extrem niedrig bleiben, dürften die längeren Laufzeiten höher notieren. Der Nettoeffekt auf die Immobilienpreise ist leicht positiv. Auch der Goldpreis dürfte per saldo leicht profitieren, da der Schweizer Franken als "sicherer Hafen" nun weniger in Frage kommen sollte. Das Gold wird dadurch noch mehr zum "safe haven" in unsicheren Zeiten.

Insgesamt behalten wir unsere neutralen Fremdwährungspositionierungen in Euro und US-Dollar bei. Entsprechend empfehlen wir, Wetten gegen den Euro und für den Franken bei aktuellen Kursen um 1,20 aufgrund der klaren Äußerungen der SNB aufzulösen.

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