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Interview mit XTB zur ESMA-Entscheidung und Bedeutung für Trader

Broker-Test sprach mit Philipp von Breitenbach, Senior Account Manager beim CFD Broker XTB, über die ab dem 1. August durch die ESMA-Entscheidung in Kraft tretenden Regelungen für den CFD-Handel, die sich daraus ergebenden Änderungen für Anleger und unter welchen Voraussetzungen Trader zukünftig mit höheren Hebeln handeln können.

Können Sie unseren Lesern XTB kurz vorstellen – wofür steht XTB und an welche Trader richtet sich XTB?
Wie der Name XTB (ausgeschrieben „X-Trade Brokers“) bereits andeutet, wurde unser Unternehmen als Forex Broker im Jahre 2002 in Polen gegründet. Seitdem haben wir uns zu einem universalen und internationalen Brokerhaus entwickelt. Die rasante Wachstumsgeschichte führte 2016 zum Börsengang und machte XTB zum 4. größten Forex und CFD Broker weltweit, der öffentlich gelistet ist. In insgesamt 19 Ländern betreut die XTB-Gruppe Kunden aus aller Welt.

Mittlerweile bietet unser Produktspektrum von klassischen Aktien und ETFs bis hin zu CFDs auf über 3.000 Werte – alles, was ein qualitätsbewusster Trader sucht. Generell hatten wir vor, dieses Jahr unser 10-jähriges Deutschland-Jubiläum zu feiern. Stattdessen müssen wir nun jedwede Energie in die Umsetzung der sehr radikal ausgefallenen ESMA-Regulierung stecken.

 

Wie kam es zur ESMA-Entscheidung und was beinhaltet sie?
Das Hauptmotiv der EU-Regulierungsbehörde ist der Anlegerschutz. Die ab dem 01.08.2018 (bzw. bei XTB ab 28.07.2018) in Kraft tretenden neuen Regelungen für die CFD-Branche sind sehr vielschichtig und beinhalten auch sinnvolle Regelungen, die wir begrüßen.

So ist aggressives Online Marketing mit hoher Einzahlungsboni o.ä. untersagt worden. Auch das Produkt der „Binären Optionen“ darf nicht mehr in der EU angeboten werden. Gegen diese Regelung kann ein seriöses Brokerhaus auch nichts haben.

Als extrem radikal empfinden wir jedoch die Absenkung des Hebels auf z.B. 30:1 bei den Hauptwährungspaaren, wie z.B. Euro-Dollar, oder auch 20:1 auf Gold oder wichtige Indizes.

 

Was bedeutet das jetzt für Trader?
Erstmal ist es ein starkes Stück, dass die ESMA diese Hebelsenkung so durchzieht, obwohl sie schätzungsweise mehr als 15.000 ablehnende Zuschriften von Tradern hierzu bekommen hat. Grundsätzlich stellt diese Regelung einen Eingriff in die Bewegungsfreiheit an den Märkten dar. Praktisch müssen CFD-Trader nun eine höhere Sicherheitsleistung (Margin) in den Markt legen, um mit dem gleichen Pip-Wert wie bisher zu traden.

Konkret bedeutet dies für einen Trader, der bisher den deutschen Leitindex (DE30 bei XTB) mit einem Euro je Punkt getradet hat, dass er statt ca. 60 Euro nun 600 Euro geblockt bekommt. Zusammen mit der Erhöhung der automatischen Stop-Out Grenze auf 50% des freien Margin-Levels bedeutet dies, dass viele Trader womöglich nicht mehr in mehreren Märkten gleichzeitig unterwegs sein werden können.

 

Gibt es eine Möglichkeit den Hebel zu behalten, was würde sich ändern?
Die ESMA hat diese Ausnahme für Professionelle Kunden bewilligt. Die Einstufung erfolgt bei XTB durch das Erfüllen von zwei der drei genannten Bedingungen. Auch hier sorgt die ESMA für Stirnrunzeln. Dass jeder, der sich Trader nennt, im Quartal 10 Trades macht und dabei nominal 50.000 Euro bewegt, ist vollkommen in Ordnung (bei einem Hebel von 200:1 sind das z.B. 10 Trades im EURUSD zu je 0,05 Lot).

Die zweite Bedingung, dass man dazu eine Liquidität von 500.000 Euro nachweisen muss, erscheint dann doch im Vergleich unverhältnismäßig. Als drittes Kriterium muss ein Nachweis erbracht werden, dass mind. ein Jahr Berufserfahrung in der betroffenen Finanzbranche gesammelt wurde. Dies wirkt auf mich persönlich wie willkürlich ausgedacht.

Jeder, der zwei dieser drei Kriterien erfüllt, kann das Antragsformular bei uns ausfüllen und nicht nur den Hebel von 200:1, sondern auch den Schutz vor der Nachschusspflicht behalten. Dies bieten nicht alle Broker für Professionelle Kunden an.

 

Was bedeutet die ESMA für XTB?
Viel Arbeit, Energie und Kosten, die wir gerne anderweitig investiert hätten. Gemildert wird die ganze Angelegenheit für uns in Deutschland jedoch, dass wir viele Auflagen von Seiten der BaFin bereits erfüllen. Interessant ist übrigens, dass beim damaligen Entschluss die Nachschusspflicht abzuschaffen der Hebel für die BaFin überhaupt kein Thema war.

Auf der Tradingseite rechnen wir mit sinkenden Handelsumsätzen und einer Konsolidierung des Brokermarktes.


Mit welchen Produktinnovationen seitens XTB können deutsche Trader in den nächsten Monaten rechnen?

Es ist ganz klar, dass wir uns weiter breit aufstellen und neue Märkte erschließen wollen. Als erste Kampfansage bieten wir unseren Kunden fünf Aktientrades bis zum Nominalwert von 30.000 € im Monat ohne Kommission an. Den Markt für ETFs wollen wir mit einem eigenen Robo-Advisor-Service erweitern.

Im CFD- und FX-Bereich setzen wir auf umfangreiche Schulungen und Experten-Unterstützung, damit alle Trader so unproblematisch wie möglich die Umstellung schaffen.

Vielen Dank für das Gespräch.