Wall Street: Was ist von der US-Berichtssaison zu erwarten?

XTB: Wir sind bereits mehr als zwei Wochen im neuen Quartal und die Berichtssaison der Wall Street hat gerade erst begonnen. Große US-Banken, wie JP Morgan (JPM.US / ISIN: US46625H1005) oder Wells Fargo (WFC.US / ISIN: US9497461015), starteten den Marathon am Freitag mit der Veröffentlichung ihrer Berichte. Die Gewinnschätzungen sind diesmal jedoch deutlich negativer als in den Vorquartalen.

In dieser kurzen Analyse werden wir einen Blick darauf werfen, welche Erwartungen die Märkte an die Berichtssaison der Wall Street im ersten Quartal 2019 stellen.

 

Der US-Aktienmarkt erholt sich weiter. Der S&P 500 (US500) ist 2019 bereits um mehr als 15% gestiegen und nähert sich seinem Allzeithoch. Die Ergebnisse zur Ertragslage dürften einen großen Einfluss auf die Bewertungen haben. Positiv ist jedoch, dass die meisten der bereits veröffentlichten Berichte über den Erwartungen lagen. Quelle: xStation 5

 

 

 

 

GUTES QUARTAL FÜR DEN US-AKTIENMARKT
Es ist schon eine Weile her, dass an der US-Börse ein so starkes erstes Quartal des Jahres verbucht wurde. Der S&P 500 (US500) stieg im Zeitraum von Januar bis März um 13,07% – das war das beste erste Quartal für diesen Index seit 1998 (+13,53%). Wurde dies jedoch durch die Verbesserung der Geschäftstätigkeit der Unternehmen getrieben oder war es nur eine lange Korrektur nach starken Rückgängen im Schlussquartal 2018? Leider scheinen die Ansichten der Analysten die letztgenannte Option zu unterstützen.

Die Schätzung für den S&P 500, die sich aus Medianschätzungen der einzelnen Unternehmen zusammensetzt, deutet auf einen Gewinnrückgang von 4,3% im Jahresvergleich auf Indexebene hin. Beachten Sie, dass Analysten Ende 2018 erwarteten, dass das Ergebnis des S&P 500 im ersten Quartal 2019 um 2,8% gegenüber dem Vorjahr steigen würde.

Sollten sich die aktuellen Schätzungen bestätigen, wird es der größte jährliche Ergebnisrückgang seit dem ersten Quartal 2016 und der erste seit dem zweiten Quartal 2016 sein.

Auf Indexebene wird erwartet, dass der S&P 500 in Bezug auf das Ertragswachstum das schlechteste erste Quartal seit 2016 verzeichnet. Quelle: Bloomberg, XTB Research

 

 

 

NACHLASSENDE WIRKUNGEN DER STEUERREFORM
Anleger, die die oben genannten Schätzungen mit den tatsächlichen Ertragssteigerungsraten im Jahr 2018 (>10% im Jahresvergleich in jedem Quartal) vergleichen, könnten zu dem Schluss kommen, dass in den letzten drei Monaten etwas Schreckliches passiert sein muss. Während die geopolitische Entwicklung im ersten Quartal 2019 die Ergebnisse der US-Gesellschaften hätte belasten können, ist eine solche Umkehrung der Ertragsdynamik eigentlich auf mehr inländische Faktoren zurückzuführen. Nämlich, dass ein Schub durch die Steuerreform 2017 in den USA mit Ende 2018 nachließ.

Allerdings wird die Ertragssteigerungsrate von nun an eher der operativen Realität des Unternehmens als günstigen Änderungen im Steuerrecht entsprechen. Unter den Branchen, für die ein zweistelliger Ergebnisrückgang erwartet wird, befinden sich die Sektoren Energie, Rohstoffe und IT.

Andererseits wird nur für vier Branchen mit einer Gewinnsteigerung gerechnet, wobei die Versorgungsunternehmen führend sind (+4,7% im Jahresvergleich).

Das Umsatzwachstum im ersten Quartal war in den vergangenen beiden Jahren außergewöhnlich hoch. Für das erste Quartal 2019 wird jedoch eine Verlangsamung auf ein moderates Tempo erwartet. Quelle: XTB Research, Bloomberg

 

 

LANGSAMES UMSATZWACHSTUM SEIT Q3 2016
Da eine Trendwende in der Ertragsdynamik vor allem auf den ungünstigen Basiseffekt zurückzuführen ist, könnte es sinnvoller sein, sich auf das Umsatzwachstum zu konzentrieren. In diesem Fall sieht dies etwas optimistischer aus, da der Umsatz des S&P 500 auf Indexebene um 4,8% im Jahresvergleich wachsen sollte. In Bezug auf das Umsatzwachstum wäre ein solches Ergebnis das schlechteste Quartal seit dem dritten Quartal 2016 (2,7% im Jahresvergleich).

Es ist jedoch zu beachten, dass das Wachstum von 4,8% im Jahresvergleich mit den durchschnittlichen und medianen Wachstumsraten dieses Jahrzehnts übereinstimmen würde (Durchschnitt: 4,57% im Jahresvergleich / Median: 5,02% im Jahresvergleich).

Unter zwei Branchen, die voraussichtlich einen Umsatzrückgang verzeichnen werden, befinden sich die Energie- und IT-Branche. Erstere wird voraussichtlich den größten Umsatzrückgang aufweisen (-2,5% im Jahresvergleich).

Es sollte jedoch nicht überraschen, da der volumengewichtete Quartalspreis von WTI um 13,4% niedriger war (54,47 USD gegenüber 62,93 USD) und der Preis von Brent um 5,24% niedriger war (63,51 USD gegenüber 67,02 USD).

 

 

 

SOLIDE ERGEBNISSE VON US-BANKEN
JP Morgan (JPM.US / ISIN: US46625H1005) und Wells Fargo (WFX.US / ISIN: US9497461015), die als erste große US-Banken ihre Berichte vorgelegt haben, zeigten beide einen über den Erwartungen liegenden Umsatz, verfehlten aber die Gewinnprognosen. Heute wurden den Anlegern Finanzberichte von zwei weiteren Banken, Citigroup (C.US / ISIN: US1729674242) und Goldman Sachs (GS.US / ISIN: US38141G1040), angeboten. Die Ergebnisse der Citigroup konnten den Marktkonsens übertreffen, während der Umsatz den Erwartungen entsprach.

Der Großteil des Wachstums beim Gewinn je Aktie war jedoch auf eine geringere Anzahl ausstehender Aktien zurückzuführen.

Auch bei den Ergebnissen von Goldman Sachs konnten die Prognosen übertroffen werden, während der Umsatz enttäuschte. Goldman ließ verlauten, dass sein Aktienhandelssegment enttäuschte und warnte zudem davor, dass der Rest des Jahres schwach sein könnte.

 

 

 

 

Während eine Reihe von Faktoren den Konsens der Analysten überbieten oder verfehlen könnte, ist zu beachten, dass ein allgemeines Motto in den bereits veröffentlichten Berichten zu finden ist. Mehr als die Hälfte der rund 30 Unternehmen, die bereits ihre Berichte veröffentlicht haben, wiesen auf den Gegenwind bei der Erläuterung der negativen Auswirkungen auf die Ergebnisse im Vorquartal hin.

Zuallerletzt stellen wir Ihnen im Folgenden einen Kalender mit den wichtigsten Ergebnismeldungen für die nächsten zwei Wochen zur Verfügung.

 

Große US-Unternehmen berichten in den nächsten zwei Wochen über ihre Ergebnis. Beachten Sie, dass bis Ende April 26 der 30 Dow-Jones-Aktien ihre Berichte veröffentlicht haben werden. Quelle: Bloomberg, XTB Research

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