Silbermarkt im Fokus: Warum das Ende des ersten Quartals besondere Aufmerksamkeit verdient

Der Silbermarkt tritt in eine Phase ein, die viele Marktbeobachter als besonders sensibel einschätzen. Im Zentrum steht die bevorstehende Abrechnung der März-Kontrakte an der US-Terminbörse COMEX – und damit die Frage, wie stabil das Zusammenspiel zwischen Terminmarkt und physischem Silber tatsächlich ist.

 

Ein strukturelles Ungleichgewicht rückt erneut in den Fokus

Die Ausgangslage ist bekannt, gewinnt jedoch in diesem Umfeld an Bedeutung. Dem offenen Interesse am COMEX-Silbermarkt, das derzeit rund 524 Millionen Unzen entspricht, stehen etwa 123 Millionen Unzen in der Kategorie Registered gegenüber – also jenem Bestand, der unmittelbar für physische Lieferung zur Verfügung steht.

Dieses strukturelle Ungleichgewicht besteht seit Jahren, rückt jedoch immer dann verstärkt in den Fokus, wenn größere Kontrakte zur Abrechnung anstehen.

 

Neue Kontrakte, veränderte Marktmechanik

Zusätzlich verändert sich das Marktumfeld. Die CME Group hat angekündigt, ab dem kommenden Monat neue Nano-Silber-Futures einzuführen. Diese werden ausschließlich bar abgerechnet und richten sich insbesondere an private Marktteilnehmer. Ziel ist es, den Zugang zum Markt zu erleichtern und zugleich den Druck auf physische Lieferkontrakte zu reduzieren.

Für den Terminmarkt bedeutet dies eine weitere Differenzierung zwischen papierbasierter Preisbildung und physischer Verfügbarkeit.

 

Das wahrscheinlichste Szenario: Roll-Over statt Lieferung

Vor diesem Hintergrund stellt sich weniger die Frage, ob der Markt funktioniert, sondern unter welchen Voraussetzungen. Im derzeit wahrscheinlichsten Szenario rollen die meisten Marktteilnehmer ihre auslaufenden März-Kontrakte in den nächsten Liefermonat weiter.

Schätzungen gehen davon aus, dass rund 90 bis 95 Prozent der Positionen auf diese Weise verlängert werden. Der Lieferdruck bliebe gering, die physischen Bestände würden nur leicht reduziert, und der bestehende Marktmechanismus bliebe weitgehend intakt.

 

Wenn physische Nachfrage spürbar zunimmt

Doch bereits moderate Abweichungen von diesem Muster könnten sichtbare Effekte haben. Sollten größere Marktteilnehmer – etwa industrielle Abnehmer, institutionelle Investoren oder staatliche Käufer – beginnen, einen Teil ihrer Positionen physisch erfüllen zu wollen, würde dies schnell relevante Größenordnungen erreichen.

Eine Liefernachfrage im Bereich von zehn bis fünfzehn Prozent entspräche rund 50 Millionen Unzen. In einem solchen Umfeld könnten logistische Engpässe, Umlagerungen von Eligible- zu Registered-Beständen sowie eine erhöhte Volatilität auftreten. Auch eine Phase der Backwardation, bei der der Spotpreis über den Terminpreisen liegt, wäre ein mögliches Marktsignal.

 

Ein seltenes, aber strukturell relevantes Extremszenario

Ein drittes Szenario gilt als weniger wahrscheinlich, ist rechnerisch jedoch nicht ausgeschlossen. Sollte etwa ein Viertel der Marktteilnehmer physische Lieferung verlangen, würde die potenzielle Nachfrage von rund 131 Millionen Unzen die aktuell verfügbaren Registered-Bestände übersteigen.

In einer solchen Situation wären außergewöhnliche Maßnahmen denkbar – etwa verstärkte Barabwicklungen oder administrative Eingriffe in den Abrechnungsprozess. Für den Markt ginge es dann weniger um kurzfristige Preisbewegungen als um Vertrauen in den Terminmarkt als Referenz für die Preisbildung von Silber.

Insgesamt zeigt sich: Die Stabilität des Systems hängt maßgeblich davon ab, dass die physische Liefernachfrage niedrig bleibt. Bereits moderate Veränderungen können bestehende Ungleichgewichte sichtbar machen und die Volatilität erhöhen.

Das Risikoprofil bleibt asymmetrisch – begrenzten Bewegungen auf der Unterseite stehen potenziell stärkere Ausschläge gegenüber, sollte die Nachfrage nach physischem Silber zunehmen.

 

Silber Chart

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