Aktienmärkte 2026: Kurspotenziale begrenzt, langfristige Anlagechancen bestehen

Mit dem Jahreswechsel verbinden viele Menschen den Wunsch nach einem Neuanfang. Alte Bräuche wie das Feuerwerk an Silvester sollten ursprünglich dazu dienen, böse Geister zu vertreiben. Mit Blick auf die beherrschenden Themen des noch jungen neuen Jahres scheint dies aber nicht wirklich gelungen zu sein.

Dennoch starteten die Aktienindizes rund um den Globus zumeist positiv ins neue Jahr – ein gutes Omen? Was ist für die Aktienmärkte 2026 zu erwarten und wie sollte man sein Anlageverhalten ausrichten?

 

Ein kurzer Blick in den Rückspiegel

Wirtschaftlich und politisch gesehen hat uns 2025 nicht wirklich verwöhnt. Ganz oben auf der Liste von Belastungsfaktoren standen die Zollpolitik der USA, der anhaltende Krieg in der Ukraine sowie der Konflikt im Nahen Osten. Geopolitik wurde zum Synonym für eine Welt, in der die Karten neu gemischt werden.

Es gab zahlreiche Gelegenheiten, Aktien auf Talfahrt zu schicken. Stattdessen erwiesen sich die meisten Indizes als ausgesprochen robust. Korrekturen waren nur von kurzer Dauer und viele Börsenbarometer markierten immer neue Höchststände. 2025 ging als das dritte Jahr in Folge mit überdurchschnittlichen Kurszuwächsen in die Annalen ein.

 

Neues Jahr, alte Themen

Die Themen Geopolitik und Unsicherheit beherrschen auch im neuen Jahr die Nachrichten. Die Militäroperationen der USA in Venezuela und die Inhaftierung des dortigen Staatspräsidenten Maduro hat international ein ausgesprochen geteiltes Echo gefunden.

An den Aktienmärkten war dies allerdings kaum ein Thema. Vielmehr konnte der DAX die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten überspringen und damit einen neuen Rekordverbuchen.

 

 

Der Trend, dass Verunsicherung der Öffentlichkeit nicht dasselbe ist wie Verunsicherung der Anleger, zeichnet sich bereits seit einigen Jahren ab. Über die Ursachen dieser Divergenz kann nur spekuliert werden.

Auffällig ist jedoch, dass Aktien eine zunehmende Resilienz entwickeln. Die alte Börsenregel „Unsicherheit ist Gift für die Börse“, scheint zumindest auf den ersten Blick an Bedeutung zu verlieren.

 

Sind aller guten Dinge jetzt vier?

Dem Jahresauftakt wird von vielen Marktteilnehmern eine Indikatorfunktion für das Gesamtjahr zugeschrieben. Demzufolge könnte 2026 erneut ein gutes Aktienjahr werden. Derartige Heuristiken sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Letztendlich sind sie nur eine Spielart der alten Börsenweisheit „The trend is your friend“.

Trends können sich aber auch umkehren und daher ist es wichtig, stehts die fundamentalen Werttreiber für den Aktienmarkt – an vorderster Stelle die Gewinnentwicklung der Unternehmen – im Blick zu behalten.

 

 

Der aktuelle Haussezyklus startete im Oktober 2022 und kann eine beeindruckende Performance vorweisen. Eine Komponentenzerlegung zeigt allerdings, dass überwiegende Teile des Kursanstiegs bei Börsenbarometern wie dem DAX oder dem S&P 500 bislang durch eine Ausweitung der Bewertung erkauft waren.

Da die Notenbanken gleichzeitig die Leitzinsen reduziert haben bzw. im Falle der Fed dies immer noch tun, ist dies zumindest teilweise gerechtfertigt. Anders als in früheren Zyklen hat die Lockerung der Geldpolitik bislang aber noch nicht für eine spürbare Wachstumsbeschleunigung gesorgt. Daher konnten die Unternehmensgewinne bislang lediglich unterproportional zulegen.

 

 

Viele Indizes haben dadurch Bewertungsniveaus erreicht, die außerhalb des historischen Normalbandes liegen. Die meisten Indizes sind damit teuer. Künftige Kursanstiege müssen somit durch entsprechende Verbesserungen der Gewinnperspektiven untermauert werden. Andernfalls würden die Aktienmärkte über kurz oder lang vermutlich wie ein Kartenhaus zusammenfallen.

Daher wird die in den USA bereits angelaufene Berichtssaison der Unternehmen besondere Aufmerksamkeit erfahren. Hierzulande legen die ersten DAX Unternehmen Ende Januar ihre Ergebnisse vor. Derzeit ist bereits sehr viel Positives vorweggenommen – deutlich mehr, als durch die verhaltene Entwicklung der konjunkturellen Frühindikatoren zu rechtfertigen ist.

 

 

Für weitere Kursanstiege müssen die Gewinnerwartungen sogar übertroffen werden. Dass bei den Ergebnisschätzungen für den DAX bislang die negativen Revisionen überwiegen, stimmt allerdings eher skeptisch. Bei EURO STOXX 50 und S&P 500 ist nur ein kleines Übergewicht an positiven Revisionen zu beobachten.

Insgesamt reicht dies nicht aus, um auf Sicht der kommenden Monate nachhaltig höhere Notierungen zu rechtfertigen. Wir rechnen daher für 2026 lediglich mit einer Seitwärtsbewegung. Unter taktisch zyklischen Gesichtspunkten sind breit angelegte Neuengagements derzeit nicht angezeigt.

 

Die Aktie – das Anlageinstrument für eine Welt im Wandel

Gerade für Privatanleger dienen Aktien weniger der kurzfristigen Gewinnerzielung als vielmehr dem langfristigen Vermögensaufbau. Daher ist die Frage, wo der DAX in fünf bis zehn Jahren notiert, für diese Investorengruppe wichtiger als die Frage nach den nächsten Quartalsendständen.

In der subjektiven Wahrnehmung haben Krisen und verstörende Ereignisse in den letzten Jahren zugenommen. Ein Blick in die Historie zeigt jedoch, dass es auch früher schon eine Reihe von Krisen gab, die mitunter zwischenzeitlich zu massiven Kursverlusten an den Aktienmärkten führten.

Wer breit gestreut und die Nerven behalten hat, konnte die Verluste wieder aufholen und langfristig deutliche Gewinne erzielen.

 

 

Auch in der aktuell in einer von geopolitischen Umwälzungen und Strukturwandel geprägten Welt bringen Aktien eine Reihe von Eigenschaften mit, die sie für den langfristigen Investor ausgesprochen interessant machen.

Angesichts einer zunehmenden Beschränkung des freien Handels ist davon auszugehen, dass ein Teil der Exporte von Waren und Dienstleistungen durch Standortverlagerungen von Unternehmen ersetzt wird.

Die Flexibilität von international aufgestellten Unternehmen, neue Märkte zu erschließen bzw. bei veränderten Bedingungen Standorte verlagern zu können, dürfte ein Grund dafür sein, dass sich Aktien resilient gegenüber einer deutlichen Verschlechterung der globalen Handelsbedingungen erweisen.

Unternehmen und damit Aktien profitieren perspektivisch von den Anstrengungen vieler Wirtschaftsräume zur Re-Industrialisierung. Dieser Wettbewerb um die Ansiedlung von Produktionsstätten erhöht den Druck auf die Regierungen, die Standortbedingungen zu verbessern, was mittelbis längerfristig auch die vielerorts überbordende Regulierung in die Schranken weisen könnte.

Weil der Faktor Zeit in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle spielt, sind Aktien gerade für Menschen mit einem langen Anlagehorizont interessant. So hat hierzulande in den letzten Jahren die Aktie als Anlageinstrument in der Altersgruppe der unter 40jährigen – auch angesichts der immer offener zutage tretenden Probleme der gesetzlichen Rentenversicherung –enormen Zulauf erfahren. Da diese Alterskohorte langfristigen Vermögensaufbau betreibt, dürfte ihre Risikotoleranz höher ausgeprägt sein als bei der rentennahen Generation.

Hier stellt sich im Übrigen die Frage, ob mit Rentenbeginn Aktienbestände abgebaut werden, um den Lebensunterhalt zu bestreiten oder ob nicht vielmehr ein Großteil des Aktienvermögens an die nächste Generation vererbt wird.

 

 

Kein leichtes Spiel in 2026

Aktien bleiben aus strukturell langfristigen Erwägungen zwar die interessanteste Assetklasse. Unter zyklischen Aspekten ist das Potenzial für 2026 aber ausgesprochen überschaubar, da eine Wachstumsbeschleunigung größtenteils vorweggenommen wurde.

Langfristig orientierte Investoren sollten die Aktienquote in einem gut diversifizierten Portfolio unverändert lassen. Für Investoren mit einem kürzeren Anlagehorizont von bis zu einem Jahr lohnt es sich aus unserer Sicht nicht mehr, noch auf den fahrenden Zug aufzuspringen.

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