Analyse von flatexDEGIRO-Daten zeigt: Starmer-Rücktritt löst Verkaufswelle bei britischen Privatanlegern aus

Der angekündigte Rücktritt des britischen Premierministers Keir Starmer hat laut einer Analyse von flatexDEGIRO zu einer deutlichen Reaktion britischer Privatanleger geführt. Untersucht wurden rund 75.000 im Vereinigtem Königreich ansässige DEGIRO-Kunden. Die Daten zeigen unmittelbar nach der Ankündigung eine klar defensivere Positionierung und eine erhöhte Verkaufsaktivität bei britischen Aktien.

Während britische Aktien im Juni bis dato etwa 14% des Handelsvolumens der britischen DEGIRO-Kunden ausmachen, stieg dieser Anteil am Montag auf 26%. Anleger richteten ihren Fokus verstärkt auf den Heimatmarkt, getrieben von wachsender politischer Unsicherheit.

Gleichzeitig sank das Verhältnis von Käufen zu Verkäufen beim Handelsvolumen in UK-Aktien von 47% m Monatsdurchschnitt (1. bis 21. Juni) auf nur noch 41% am Tag der Rücktrittsankündigung. Das deutet darauf hin, dass Investoren vor allem Positionen abbauten, statt gezielt auf Einstiegschancen zu setzen.

Auch die Intensität der Handelsentscheidungen nahm deutlich zu. Das durchschnittliche Transaktionsvolumen bei britischen Aktien erhöhte sich von rund 1.700 GBP im Juni auf 3.700 GBP am Montag. Anleger nahmen damit spürbar größere Anpassungen in ihren Portfolios vor. Insgesamt zeichnen die Daten ein Bild einer marktseitigen Reaktion, die von Vorsicht geprägt ist.

 

Britische Anleger schichten gezielt in defensive Sektoren um

Zu den am aktivsten gehandelten britischen Aktien an diesem Tag gehörten JET2, United Utilities, Pan African Resources, easyJet, BAE Systems, Scottish Mortgage Investment Trust, London Stock Exchange Group, Legal & General, Rio Tinto und Barclays. Versorger wie United Utilities und National Grid zählten zu den meistgekauften Titeln. Das spricht dafür, dass ein Teil der Anleger gezielt in defensivere Sektoren umschichtete. Auf der Verkaufsseite dominierten große Finanzwerte und zyklische Unternehmen.

Am Dienstag ging die erhöhte Aktivität etwas zurück: Britische Aktien machten 17 % des Handelsvolumens britischer DEGIRO-Kunden aus. Damit lag der Wert unter dem Montagsniveau, blieb aber über dem Juni-Durchschnitt. Die Anlegerstimmung verschlechterte sich allerdings weiter. Rund zwei Drittel des Handelsvolumens in britischen Aktien entfielen auf Verkäufe, begleitet von einem insgesamt schwächeren Marktumfeld. Zu den am stärksten verkauften Titeln gehörten Barclays, Shell, Rio Tinto, NatWest und Lloyds Banking Group.

 

Privatanleger bewerten politische Risiken über Ländergrenzen hinweg neu

Die Analyse zeigt zudem, dass die Reaktion nicht auf britische Anleger beschränkt blieb. Während flatexDEGIRO-Kunden in anderen Teilen Europas am Montag zunächst kaum reagierten, drehte die Stimmung gegenüber britischen Aktien am Dienstag deutlich ins Negative. Das Kaufverhältnis beim Handelsvolumen in UK-Aktien unter nicht-britischen Kunden sank von 49 % im bisherigen Verlauf des Juni auf 42% am Dienstag. Die politischen Risiken im Vereinigten Königreich wurden damit zeitversetzt auch von europäischen Privatanlegern eingepreist.

„Politische Unsicherheit spiegelt sich oft sehr schnell im Verhalten von Privatanlegern wider. Unsere Daten zeigen, dass britische Investoren unmittelbar reagierten, indem sie ihre Aktivität in heimischen Aktien erhöhten und gleichzeitig Risiken reduzierten“, sagte Oliver Behrens, CEO von flatexDEGIRO. „Die Reaktion von Anlegern in Kontinentaleuropa verdeutlicht, wie aufmerksam private Investoren politische Entwicklungen verfolgen und Risiken über Ländergrenzen hinweg neu bewerten.“

Mit mehr als drei Millionen Kunden in Europa liefert flatexDEGIRO Einblicke in das Verhalten von Privatanlegern bei wichtigen politischen und marktbezogenen Ereignissen. Die Ergebnisse zeigen, wie schnell private Investoren ihre Portfolios anpassen, wenn Unsicherheit zunimmt und das Vertrauen in die politische Entwicklung sinkt. Solche Marktsituationen bieten neben Chancen auch Risiken.

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