Erdölindustrie leidet

Hanseatic Brokerhouse: Die Entscheidung der OPEC die Förderquote nicht zu drosseln, hatte den Ölpreis vergangenen Donnerstag massiv belastet. Im Laufe des heutigen Handelstages sahen wir bereits Preise von unter 63 US-Dollar. Damit fällt der Kurs um rund 40 Prozent seit Mitte Juni 2014. Besonders Saudi Arabien, das mit 30 Prozent den größten Förderanteil der 12 OPEC Mitglieder stellt, hatte sich gegen eine Produktionsbegrenzung gestellt. Siehe Fördermengen ausgewählter Länder. Insgesamt hat die OPEC einen Marktanteil an der globalen Ölförderung von rund 40 Prozent.

 

Grund für die Haltung Saudi-Arabiens

Langsam verdichten sich die Indizien, die darauf hinweisen, was die Saudis mit Ihrer Haltung bezwecken. Als wahrscheinlich gilt, die Verteidigung des eigenen Marktanteils an der weltweiten Ölförderung. Der relativ neue Fracking-Boom in den USA, der das Land fast autark von zusätzlichen Importen macht, wird auf der arabischen Halbinseln nicht gern gesehen. Der dortige Ölförderboom lässt sich gut mit der Euphorie während der Dotcom Phase vergleichen. Derzeit werden Claims abgesteckt und Marktanteile erobert. Der Preiskampf ist hoch und schon bald werden sich Gewinner und Verlierer des Booms herausstellen. Hydraulic Fracturing genannt Fracking sowie horizontale Bohrungen sind relativ teuer. Unter einem Öl-Preis von 60 US-Dollar wird der Einsatz dieser Bohrmethoden unwirtschaftlich. Genau hier setzt die Strategie der Saudis an. Das Ziel dürfte die Senkung des Ölpreises auf unter 60 US-Dollar sein. Damit würde man sich viele Wettbewerber entledigen.

 

Saudi Arabien hat einen langen Atem

Nach Japan verfügt Saudi Arabien über die mit Abstand größten Devisenreserven der Welt. Im September 2014 betrugen diese Reserven 755,90 Milliarden US-Dollar. Nach dem US Department of Energy und der Deutschen Bank benötigt das Land einen Ölpreis von 99,20 US-Dollar für einen ausgeglichenen Haushalt. Demnach kann Saudi Arabien einen niedrigen Ölpreis zur Erreichung seiner Ziele für einen langen Zeitraum verkraften.

 

Erdölindustrie leidet

Bereits jetzt gibt es viele Verlierer des sinkenden Ölpreises. Ein Blick in Performance das US-Amerikanischen S & P 500 Index verschafft Gewissheit. So enthält die Liste auf Halbjahres-Sicht augenscheinlich viele Verlierer aus der Erdölindustrie (Siehe Vergleich aus der Wirtschaftswoche ). Werte wie Denbury, Transocean, Nabors Industries oder Halliburton mussten teilweise über 40 Prozent Wertverlust hinnehmen. Viele dieser Titel setzen teure Fracking- oder Offshore-Bohrmethoden ein, die mit hohen Krediten finanziert und sich über lange Sicht refinanzieren müssen. Ob sich deren Einsatz bei einer solchen Ölpreisentwicklung lohnt, bleibt abzuwarten.


Crude Oil, 1 Stunde, 18.11.14 – 28.11.14.

 

Schlumberger, 1 Tag, 09.1.14
 

Christoph Janß, Hanseatic Brokerhouse Hamburg, wünscht viel Erfolg beim Traden.

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