Flatex: Deutsche Anleger stellen sich im Juli gegen den Markt

Dass der Tech-Sektor die Schlagzeilen an den Börsen dominiert, ist nichts Ungewöhnliches. Doch so viel Bewegung wie im Juli war sogar dort nur selten zu sehen. Ergebnisveröffentlichungen, KI-Sorgen und die Auflösung gehebelter Positionen sind nur ein paar von wohl vielen Faktoren, die für teils gewaltige Kurskapriolen sorgten. Während die internationalen Märkte diejenigen Werte scharf abstraften, die unmittelbar am KI-Ausbau beteiligt sind, ließen sie hingegen defensivere Tech-Schwergewichte profitieren. Und die deutschen Anleger? Machten genau das Gegenteil, wie der Blick in die Depots von 450.000 flatex-Anlegern in Deutschland verrät.

Zwar schrumpfte das in Tech-Werten gebundene Depotvermögen im Juli um 4,8 Prozent, doch die deutschen Anleger blieben sichtlich entspannt. Prominent gewordenes Beispiel: SK Hynix. Der Kurs des südkoreanischen Halbleiterherstellers sank um über 40 Prozent, demgegenüber steht eine Abnahme des investierten Vermögens um nur knapp 31 Prozent. Heißt: Die deutschen flatex-Anleger haben sogar zugekauft. Die entsprechende Größe ist die kursbereinigte Veränderung des in einer Aktie gebundenen Depotvermögens, oder auch „Net Flow“. Im Falle SK Hynix beträgt dieser Wert knapp 10 Prozent.

Ähnliches hat sich bei vielen anderen Aktien des engeren KI-Kreises abgespielt. AMD büßte an der Börse über 17 Prozent ein. Doch anstatt von Nettoverkäufen steht Ende Juli bei den flatex-Anlegern ein leicht positiver Net Flow von rund 0,5 Prozent. Der Kurs des weltweit größten Halbleiterproduzenten, TSMC aus Taiwan, gab um rund 16 Prozent nach, die deutschen Anleger kauften um fast 3 Prozent zu.

Die Oracle-Aktie sank zwar „nur“ um rund 13 Prozent, hier wurde der Preisabfall der Aktie allerdings besonders intensiv für Zukäufe genutzt – am Ende des Monats stand ein Plus von rund 28 Prozent im kursbereinigten investierten Vermögen zu Buche, dementsprechend stieg hier auch das investierte Gesamtvermögen in den Depots trotz der Kursverluste um knapp 15 Prozent.

 

Oracle Chart

Anders verhielt es sich mit den etablierten und etwas defensiveren Tech-Titel der Magnificent-7. Die Kurse von Microsoft (+23,1 %), Amazon (+13,1 %) und Apple (+12,0 %) stiegen allesamt im zweistelligen Bereich, wobei die Kursentwicklungen aufgrund der Quartalsergebnisse stark von den letzten Juli-Tagen geprägt waren. Nichtsdestotrotz standen dem auf Monatssicht Gewinnmitnahmen der flatex-Anleger gegenüber. Dabei galt: je größer der Kursanstieg, desto gewichtiger die Verkäufe – Microsoft verzeichnete einen negativen Net Flow von über 5 Prozent.

Insgesamt hielten sich die Verkäufe jedoch in Grenzen, alle drei Titel konnten durch die Kurssteigerungen ihre Positionen unter den Top-10 nach investiertem Vermögen ausbauen und gehören damit nach wie vor zu den Lieblings-Aktien der Deutschen. Innerhalb dieser Gruppierung gab es nur bei Nvidia und Alphabet sehr leichte Kursverluste, die anderen konnten einen erfolgreichen Börsenmonat feiern. Auffällig war, dass die flatex-Anleger alle Top-10-Aktien mit Kursanstiegen für Gewinnmitnahmen nutzten, das galt auch für die deutschen Stabilitäts-Anker und Dauerbrenner Allianz, Munich Re und SAP.

Tobias Spreiter, Head of flatex, kommentiert: „Die zahlreichen Neu- und Wiedereinstiege bei Unternehmen der KI-Infrastruktur nach teils deutlichen Kursrückgängen sprechen dafür, dass viele unserer Anleger kurzfristige Rücksetzer als Einstiegschance betrachten. Die Überzeugung von den langfristigen Perspektiven der künstlichen Intelligenz ist nach wie vor groß. Gleichzeitig sehen wir bei den Gewinnern des Monats gezielte Gewinnmitnahmen. Damit zeigen die Daten für Juli ein insgesamt eher antizyklisches Verhalten unserer Anleger.“

Auf Sektorebene waren es neben Tech allen voran Rohstoffe, deren Aktienanlagen in den flatex-Depots schrumpften (-5,9 %), am meisten zulegen konnte im Juli der Einzelhandel mit 8,2 Prozent. Dennoch bleibt der Technologiesektor in den deutschen Portfolios tonangebend, auch Ende Juli war nahezu ein Viertel aller Aktien-Engagements diesem Sektor zuzuordnen. Der Aktienanteil an den gesamten Vermögenswerten in den flatex-Depots war leicht rückläufig (-3,1 %), während ETFs (+0,4 %), Anleihen (+2,3 %) und Kryptowährungen (+7,8 %) anteilig Zugewinne vermelden konnten.

 

Flatex Depotkennzahlen

 

 

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