Kapitalmarktanalyse Aktien, DAX, Bitcoin & Co: Erwartungen dominieren den Markt, selbst gute Zahlen enttäuschen

Nach einem positiven Jahresauftakt haben Aktien zuletzt deutlich an Schwung verloren. An der US-Leitbörse sind es insbesondere Technologiewerte, die gegenüber dem Jahresultimo in die Verlustzone gerutscht sind. Anleger hinterfragen inzwischen zunehmend, ob die mit dem Thema „Künstliche Intelligenz“ verbundene Wachstums- und Gewinnfantasie etwas überzogen war.

Auch angesichts zuletzt starker Indikatoren wie dem ISM-Index des Verarbeitenden Gewerbes ist derzeit eine Rotation aus allem, was mit KI verbunden ist, in zyklische Werte zu beobachten.

 

Erwartungen dominieren den Markt, selbst gute Zahlen enttäuschen

Wie hoch die Erwartungshaltung der Anleger gewesen sein muss, zeigt ein Blick auf die laufende US-Berichtssaison. Inzwischen haben 57% der Unternehmen aus dem S&P 500 ihre Zahlen vorgelegt. Rund 79% davon konnten die Konsensschätzungen übertreffen. Aus dem Technologiesektor berichteten bislang 55%. Hier übertrafen sogar 97% die Gewinnschätzungen.

Dass die Anleger damit dennoch nicht zufrieden sind und umschichten, zeigt, wie hoch die tatsächlichen Erwartungen waren.

Wir hatten in den vergangenen Monaten stets auf die schon sehr hohe Bewertung gerade bei den US-Indizes hingewiesen und darauf, dass bereits sehr viel Positives vorweggenommen wurde.

Gute Makrodaten reichen daher ebenso wenig wie gute Unternehmensdaten aus, um den Markt weiter nach oben zu treiben. Vielmehr müssten dazu die schon sehr positiven Erwartungen noch übertroffen werden. Dies fällt augenscheinlich zunehmend schwer.

 

 

DAX Bewertung läuft der Konjunktur seit Monaten deutlich voraus

Hierzulande ist das Bild ähnlich, auch wenn der DAX weniger teuer ist als sein großer US-Bruder. So hat sich zwischen der Bewertung und dem Konjunkturverlauf seit geraumer Zeit eine enorme Lücke aufgetan.

Dies ist nicht allein damit zu rechtfertigen, dass DAX-Unternehmen den Großteil ihrer Umsätze und Gewinne außerhalb Deutschlands generieren. Auch hier wurde zu viel Positives bereits vorweggenommen.

Sich verbessernde Konjunkturdaten würden somit lediglich das nachvollziehen, was Aktien bereits seit Monaten eingepreist haben. Die verhaltene Reaktion auf die zuletzt starken Daten zu den deutschen Auftragseingängen ist ein Beleg dafür.

 

 

Hohe Bewertungen dämpfen die Aussichten für die kommenden Monate

Gut ist nicht mehr genug – es muss schon deutlich besser kommen als erwartet! Die Messlatte hängt sehr hoch und es wird zunehmend schwer, sie zu überspringen.

Wahrscheinlicher als eine Fortsetzung der Rekordjagd ist ein Konsolidierungskurs. Dies würde es Aktien ermöglichen, durch starke Fundamentaldaten die hohe Bewertung abzubauen, ohne korrigieren zu müssen.

Angesichts des überschaubaren Potenzials – zum Jahresende sehen wir den DAX bei 25.000 Punkten – ist das Chance-Risiko-Profil für die kommenden Monate nicht attraktiv.

 

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