FXCM: China nimmt das Tempo raus – Aktienmarkt bleibt unter Druck

FXCM: Im Zusammenhang mit geöffneten Geldschleusen und einer aggressiven Notenbank-Politik fallen meist nur die Namen Mario Draghi (EZB), Ben Bernanke, bzw. Janet Yellen (Federal Reserve) und Haruhiko Kuroda (Bank of Japan). Dabei gibt es in Bezug auf geldpolitische Lockerungsmaßnahmen keinen aggressiveren als den Vorsitzenden der chinesischen Notenbank (PboC) Zhou Xiaochuan.
 

Chinesische Geldmenge hat sich vervierfacht
Die neuesten Zahlen zum Wirtschaftswachstum in China, die eine Wachstumsrate von 7,7% für das Jahr 2013 anzeigen, sind auch hinsichtlich des rapiden Wachstums der Geldmenge bezüglich ihrer Nachhaltigkeit zu hinterfragen. Viele Marktkommentatoren und Ökonomen prangern gerne die angebliche (oder tatsächliche) unseriöse Geldpolitik der Anleiheankäufe und extremen Niedrigzinsen in den westlichen Volkswirtschaften an, während sich die Geldmenge in der Volksrepublik China beinahe unbemerkt von 2006 bis 2014 vervierfachte.

Das Ziel der PBoC gleicht dem der westlichen Notenbanken: Niedrige Zinsen und damit ein vereinfachter Zugang zu Krediten, um das chinesische Wirtschaftswachstum, gestützt v.a. auf Anlageinvestitionen und Immobilienprojekte, auf dem gewohnt hohen Niveau zu halten. Dieses Unterfangen wurde umso wichtiger, als im Zuge der Finanz- und Eurokrise die zwei wichtigsten Absatzmärkte, die USA und die Eurozone, in große Schwierigkeiten gerieten. Anders als bei der Fed oder der BoJ war dieser Geldstimulus zunächst nicht in diesem Ausmaß geplant oder gar kommuniziert worden. Tatsache ist aber, dass die PBoC weiterhin massiv in den Devisenmarkt eingreift, um eine Aufwertung des Yuan und eine damit einhergehende Gefährdung der Exportwirtschaft zu verhindern. Sie bietet Yuan an und kauft im Gegenzug US-Dollar auf.


Blasenbildung am Immobilienmarkt
Dieses billige Geld, beziehungsweise die überbordende Menge an Yuan, macht sich inzwischen in allen Sektoren der chinesischen Wirtschaft bemerkbar. Die Immobilienpreise schossen in die Höhe und schüren damit das Risiko einer Blasenbildung. Paradoxerweise  lässt diese Immobilienpreisinflation viele chinesischen Bauern, die in die Metropolen ziehen wollen um am Aufschwung teilzuhaben, außen vor. Es ist ein erklärtes Ziel der chinesischen Regierung, den Anteil der Chinesen, die in Städten wohnen, von jetzt 51% auf 60% bis 2020 anzuheben. Dies entspricht immerhin einer Bevölkerung von 122 Millionen Menschen, oder anders ausgedrückt, 35 mal eine Stadt der Größe Berlins. Mit den hohen Immobilienpreisen ergibt sich allerdings eine riesige Hürde für die verarmte Landbevölkerung, in die urbanen Zentren zu ziehen.


Nächste Baustelle Bankensektor
Der andere Sektor, in dem das viele billige Geld seine negativen Auswirkungen zeigt, ist der Bankensektor. Viele Banken sind mittlerweile so mit „non-performing loans“, also notleidenden Krediten aufgebläht, dass ihr Überleben beinahe täglich am guten Willen der PBoC abhängt, weiterhin Übernachtkredite im gewohnten Umfang auszugeben. Der freie Kapitalmarkt ist für diese Banken beinahe verschlossen, da sich die Finanzinstitute mittlerweile untereinander kaum Vertrauen schenken. Was passiert, wenn die PBoC entscheidet, weniger Kredite über Nacht bereitzustellen, war in den mehrfachen Credit/ und Cash Crunches des vergangenen Jahres zu beobachten, dem letzten im Dezember. Der Wille der PBoC, den Schattenbankensektor und die Finanzindustrie allgemein in ihren Kreditvergabepraktiken zu disziplinieren, ist erkennbar. Allerdings schlittert China damit jedes Mal knapp an einer Bankenkrise vorbei, die selbst den Kollaps einer Großbank wie Lehman Brothers 2008 in den Schatten stellen würde.
 

Das große Thema der nächsten Dekade ist weiterhin eine Transformation der derzeitigen investitionsgetriebenen Konjunktur hinzu einer modernen Dienstleistungs- und Konsumgesellschaft. Diese Entwicklung wird allerdings unterlaufen von der Instabilität des Bankensektors und der problematischen Entwicklung auf dem Häusermarkt für die weitere Urbanisierung der Bevölkerung.
 

Die jüngsten BIP-Zahlen sind kein Garant dafür, dass die PBoC und die politische Führung Chinas das Wachstum auf diesem Niveau wird halten können. Wachstumsraten von 6,5 – 7 Prozent in den nächsten Jahren sind in diesem Zusammenhang realistischer und meine Prognose zum Wachstum in 2014 befindet sich eher im Bereich von 7,0%.


Deutliche Bremsspuren auch am Aktienmarkt
Der Shanghai Composite, der die größten börsengelisteten Unternehmen Chinas umfasst, verlor seit 2006 rund 67% seines Wertes. Ganz offensichtlich wird an den Aktienmärkten in China schon lange eine rückläufige Gewinnerwartung im Unternehmenssektor gespielt. Die makroökonomischen Rahmenbedingungen dürften sich als weitere Belastung erweisen.  Bemerkenswert ist diese Entwicklung insbesondere vor dem Hintergrund der weltweiten Rallye an den westlichen Aktienmärkten. Viele Anleger, die in chinesische Aktientitel in den Boom-Jahren 2006-2008 investierten, also zu einem Zeitpunkt als die chinesische Wirtschaft regelmäßig mehr als 12 Prozent wuchs, mussten einen massiven Verlust ihrer Anlagen verbuchen.
 

Meine Einschätzung zu chinesischen Anlageprodukten, insbesondere in Aktien chinesischer Unternehmen, bleibt trotz des Kursverfalls weiterhin stark negativ. Die steigenden Zinsen im Zuge der Verknappung der Liquidität dürften die Konsolidierung nochmal beschleunigen und existierende Überkapazitäten abbauen. Das große Ausfallrisiko von chinesischen Unternehmensanleihen spricht Bände, ebenso die Menge an notleidenden Krediten in den Büchern der Banken. Insgesamt kann vor einer Investitionsentscheidung in chinesische Aktien derzeit nur gewarnt werden.

Von Erik Welne

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