Geldanlage: 87% der aktiven Fonds-Manager schlagen den Markt nicht
Quirin Privatbank: „Rauchen ist schädlich“ – das ist allgemein bekannt, unabhängig davon, ob man wie ich nie geraucht hat oder wie ein guter Freund schon seit vielen Jahren gerne und regelmäßig zur Zigarette greift.
Die Beweislage ist eindeutig, die wissenschaftlichen Untersuchungen und die empirische Datenlage rund um das Rauchen zeigen zweifelsfrei, dass ein Zusammenhang zwischen regelmäßigem Nikotinkonsum und einer überdurchschnittlichen Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, besteht.
So haben Raucher gegenüber Nichtrauchern ein doppelt so hohes Risiko, an Krebs nicht nur zu erkranken, sondern auch daran zu sterben.
Das Deutsche Krebsforschungszentrum erklärt dazu: „Der Zigarettenkonsum ist in den Industrieländern das bedeutendste einzelne Gesundheitsrisiko und die führende Ursache frühzeitiger Sterblichkeit.“
Die WHO schätzt, dass im Jahr 2030 weltweit jährlich acht Millionen Menschen vorzeitig an den Folgen des Zigarettenkonsums sterben werden.
Niemand stellt heute mehr in Frage, dass Rauchen schädlich ist, weil die Zahlen eine klare Sprache sprechen.
Finanzbranche ignoriert oft klare wissenschaftliche Fakten
Diese immer wieder durch empirische Untersuchungen wissenschaftlich belegten Erkenntnisse werden gehört und ernst genommen.
Es bildet sich ein Konsens, der in aller Regel dann nicht mehr grundsätzlich hinterfragt, sondern durch immer neue Untersuchungen wissenschaftlich bestätigt wird.
Ganz anders hingegen in der Finanzindustrie:
Hier gilt unter Experten seit Jahren ein Fakt als wissenschaftlich bewiesen – und trotzdem wird er von bestimmten Marktteilnehmern ignoriert und immer wieder negiert.
Dabei sprechen auch hier die Zahlen – ähnlich wie beim Rauchen – eine eindeutige Sprache.
Sie könnten für Anleger eine wichtige Hilfestellung sein, im Dschungel der vielen Anlagemöglichkeiten den richtigen Weg zu finden.
Doch das ist nicht gewollt, zumindest nicht von den Marktteilnehmern, die davon profitieren, wenn diese finanzwissenschaftlichen Erkenntnisse ignoriert werden.
Erkenntnisse wie zum Beispiel die der neuesten SPIVA-Auswertung, die die FAZ letzte Woche aufgegriffen hat.
87% der aktiven Manager schlagen den Markt nicht
SPIVA steht für „S&P Indices versus active“. In dieser Auswertung wird seit zehn Jahren die Performance von aktiven Fonds neben die des jeweiligen Vergleichsindex gelegt.
Dabei schneiden regelmäßig die aktiv gemanagten Fonds denkbar schlecht ab.
So auch im aktuellen Report:
87% der aktiv verwalteten Fonds mit Sitz in Deutschland haben im letzten Jahr schlechter performt als ihr Vergleichsindex.
87 Prozent!
Und auch wenn wir den Blick weiten und auf die letzten zehn Jahre schauen, bleiben die Zahlen erschütternd:
85% der aktiven Fonds haben es in diesem Zeitraum nicht geschafft, den Index zu schlagen.
„Wir können den Markt schlagen. Durch geschicktes Timing und entsprechende Marktkenntnis ist das möglich.“
Tatsächlich gelingt es ihnen aber – wie die Zahlen zeigen – nur sehr selten.
Von einer systematischen Überlegenheit des aktiven Managements gegenüber dem indexbasierten Anlegen ist dagegen nichts zu spüren.
Die bei SPIVA wie bei allen anderen Untersuchungen verbleibenden „Outperformer“ (es schaffen ja im Umkehrschluss der obigen Zahlen eben doch 13 bzw. 15 %, den Markt zu schlagen) sind zudem nicht verlässlich.
Es ist reiner Zufall, ob ein Top-Performer aus diesem Jahr oder den letzten 10 Jahren auch im nächsten Jahr wieder top performen wird – da könnte man genauso gut eine Münze werfen.
Andere Länder, andere Erfolge?
Und auch in anderen Ländern sieht es nicht besser aus, im Gegenteil: In Frankreich und Italien schneidet das aktive Management auf Jahressicht noch schlechter ab, die Franzosen schaffen es zu 90 Prozent nicht, eine Outperformance zu erzielen, in Italien sind es sogar 98 Prozent der aktiven Manager, die den Index nicht schlagen konnten.
Anders scheint es in der Schweiz und in Großbritannien zu laufen: 42 Prozent der britischen Fondsmanager haben den Index geschlagen, in der Schweiz sind es sogar 51 Prozent.
Allerdings eben auch nur auf Sicht eines Jahres.
Bei der 10-Jahres-Betrachtung fallen die Werte ähnlich ernüchternd aus wie in Deutschland: 80 Prozent der aktiven Fonds schnitten schlechter ab als ihr Vergleichsindex.
Die Zahlen zeigen also immer und immer wieder, dass aktive Fondsmanager auf Dauer und systematisch den Markt nicht schlagen – also keine höhere Rendite als ein Vergleichsindex erzielen – können.
Das spiegelt sich auch darin wider, dass die Gruppe der Manager, die den Markt schlagen, ständig wechselt.
Es sind nie dieselben Manager und nie dieselben Fonds, zumindest nicht langfristig.
Und es liegt ja in der Natur der Sache, dass es unter hundert Managern welche geben muss, die gute Entscheidungen treffen – diese sind aber nicht systematisch wiederholbar, sondern vom reinen Zufall kaum zu unterscheiden.
Bei diesem Befund ist übrigens noch nicht berücksichtigt, dass ständig aktive Fonds geschlossen werden, die nicht so gut laufen.
So wurde laut SPIVA knapp jeder zweite aktive Fonds in den letzten zehn Jahren fusioniert oder eingestellt.
Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen – 50 Prozent der aktiven Fonds, die es vor zehn Jahren noch gab, gibt es nicht mehr, weil sie in aller Regel wegen Misserfolg eingestellt wurden.
Und wenn diese besonders schlecht gelaufenen Fonds noch in der Statistik wären, würden die eingangs genannten SPIVA-Zahlen noch deutlich verheerender ausfallen – aus den 85 bzw. 87% in Deutschland würden bei einer 50% größeren Grundgesamtheit an Fonds knapp 93 bis 94% werden, die es nicht schaffen, höhere Renditen als die Indexrenditen zu erwirtschaften.
Aktives Management versagt laut Studien, doch hohe Gebühren halten es am Leben
Warum sie das tun?
Weil sich mit aktivem Management gut Geld verdienen lässt, allerdings nicht für Anleger, sondern für die Fondsgesellschaften und das Fondsmanagement durch hohe Gebühren sowie für die Banken, die entsprechende Provisionen bekommen.
Deshalb wird weiterhin so getan, als könne man den Markt schlagen, obwohl die Zahlen klipp und klar sagen: Aktives Management kann nicht verlässlich funktionieren.
Dabei hat doch jeder von uns die ganz persönliche Freiheit, selbst zu entscheiden, was er oder sie mit einer wissenschaftlich belegten Information – sei es „Rauchen ist schädlich“ oder „Aktives Management funktioniert höchstens zufällig und nie langfristig“ – anstellt.
Wenn ein leidenschaftlicher Genussraucher weiterhin dem Nikotin frönt, tut er das eben trotz des Wissens, dass es ungesund ist.
Trotzdem wird sich heute kaum ein Raucher hinstellen und behaupten, Rauchen sei ungefährlich.
Und wenn ein Fan des aktiven Managements ganz bewusst auf den Versuch setzt, trotz des Wissens, dass die Rendite mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht über der des Marktes liegen wird, sondern die Versprechen aktiver Manager in Schall und Rauch aufgehen, dann steht das jedem frei.
Der Unterschied ist eben nur, dass im aktiven Management die empirischen Belege („Aktives Management funktioniert nicht.“) wegdiskutiert werden.
Und das kann Anleger in die Irre führen.
Ich würde es begrüßen, wenn hier ehrlicher kommuniziert werden würde.
So können Anleger sich selbst eine Meinung bilden und laufen nicht Gefahr, dass die eigene Rendite in Schall und Rauch aufgeht.
Autor: Karl Matthäus Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Quirin Privatbank und Gründer von quirion
Disclaimer & Risikohinweis
Themen im Artikel
Infos über Quirin Privatbank
Die Quirin Privatbank AG wurde 2006 als erste Honorarberaterbank in Deutschland gegründet – mit der Mission, die Menschen in Deutschland zu besseren Anlegern zu machen. Die Bank ist Spezialist für professionelle, individuelle Vermögensverwaltung und einen langfristigen Vermögensaufbau.
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