XTB: Die Schlinge um Griechenland zieht sich weiter zu

Nachdem die Hoffnung auf Notenbankaktionen die Stimmung der Investoren in den vergangenen Tagen aufgehellt hatte, zeigt die Euro-Krise heute wieder ihr hässliches Gesicht.

 

Zwar sinken die Renditen für spanische und italienische Anleihen seitdem Mario Draghi angekündigt hat Staatsanleihen kaufen zu wollen, wenn eines der Länder unter die europäischen Rettungsschirme schlüpfen sollte, bei Griechenland sind die Märkte allerdings nicht so freundlich eingestellt.

 

Im Gegenteil: S&P hat den Ausblick für Griechenland auf negativ gesenkt. Das eigentliche Rating wurde unverändert bei CCC/C belassen. Das bedeutet, dass S&P Investitionen in griechische Staatsschulden für äußerst spekulativ hält. Sollte sich die Agentur dazu entscheiden das Land noch eine Stufe abzustufen hieße das, dass ein Zahlungsausfall für sehr wahrscheinlich gehalten wird. Grund für die Änderung des Ausblicks sei ein pessimistischer Ausblick der Ratingagentur für die griechische Wirtschaft, die statt vier bis fünf Prozent, wie von der Troika erwartet, nach Ansicht der Amerikaner um zehn bis elf Prozent schrumpfen soll.

 

Belastet durch eine tiefe Rezession, äußerst ehrgeizige Sparziele, desaströse Ratings und eine Rekord-Staatsverschuldung ist es dem Land aktuell unmöglich sich mit langfristigem Kapital an den Märkten zu versorgen. Laufzeiten bis zu einem halben Jahr sind aktuell das höchste der Gefühle und selbst dafür muss das Land 4,68% Zinsen bezahlen. Dadurch hängt Griechenland von Hilfszahlungen seiner Kreditgeber EU und IWF ab. Die wollen aber mit weiteren Auszahlungen bis zum Bericht der Troika warten, der aufdecken soll, wie es um die griechischen Sparbemühungen steht. Die Lage hat sich mittlerweile derart verschlechtert, dass sich die EZB gezwungen sah den griechischen Banken über sogenannte „Emergency Liquidity Assistance“ (ELA) Vehikel unter die Arme zu greifen. Die dortigen Kreditinstitute leiden ebenfalls unter der Krise. Damit finanziert die Europäische Zentralbank indirekt den Staat, der ansonsten einspringen müsste, um seine Banken zu retten. Das bedeutet, dass die EZB auch das Ausfallrisiko dieser Kredite trägt, was dem Geschäftsgebaren einer Privatbank gleichkommt. Diese Risiken müssen baldmöglichst zurückgefahren werden.

 

Aktuell scheint es Uneinigkeit über die Verschuldungsziele für Griechenland unter den Gläubigern EU und IWF zu geben. Die EU-Kommission geht nach wie vor von einer Reduzierung der Staatsschulden auf 120% des Bruttoinlandsprodukts innerhalb der nächsten acht Jahre aus. Gerüchten zufolge möchte der IWF die Kennzahl im gleichen Zeitraum bis auf 100% reduzieren. Dazu solle es einen weiteren Schuldenschnitt geben, an dem auch die Euro-Staaten beteiligt werden sollen. Ziel sei es die Zinslast für Griechenland zu verringern.

 

In Summe betrachtet ist die Lage in Griechenland nach wie vor extrem angespannt. Das Land kämpft mit einem Mix aus anspruchsvollen Sparzielen bei gleichzeitig scharfer Rezession. Das Land liegt weit hinter seinen Sparzielen und vor allem wichtige Privatisierungen von Staatsunternehmen kommen nicht voran. Der Chef der zuständigen Behörde wurde kürzlich ausgetauscht und gestern gab es bereits Meldungen, dass man Interessenten für zwei staatliche Erdgasversorger gefunden hätte. Das Land braucht mehr Zeit, um sich selbst gesundschrumpfen zu können. Diese Zeit müssen, so schwer es ist, EU und IWF erkaufen.

 

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten derzeit nicht investiert.


von: Nikolas Mauder

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