35 Milliarden Euro auf dem Tisch: UniCredit legt offizielles Übernahmeangebot für Commerzbank vor

Es ist der Paukenschlag, auf den die Märkte seit Monaten gewartet haben – und der am Montagmorgen dann doch überraschend kam. Die italienische UniCredit hat am 16. März 2026 ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für alle ausstehenden Aktien der Commerzbank vorgelegt. Das Tauschangebot bewertet die zweitgrößte deutsche Privatbank mit rund 35 Milliarden Euro. Damit eskaliert der seit Herbst 2024 schwelende Übernahmekrimi auf eine neue Stufe – und stellt Commerzbank-Management, Bundesregierung und Aktionäre vor fundamentale Entscheidungen.

UniCredit hält bereits direkt rund 26% an der Commerzbank. Über zusätzliche Finanzinstrumente kommt der Mailänder Konzern auf insgesamt 29,9% – knapp unter der gesetzlichen Pflichtangebotsschwelle von 30%.

Genau diese soll das heutige Angebot überwinden… aber eben ohne die Kontrolle zu erlangen.

Eine bemerkenswert taktische Formulierung aus Mailand.

 

Tauschverhältnis von 0,485 – ein Aufschlag von 4% auf den Freitagskurs

Das Angebot ist als reines Aktientauschangebot strukturiert. Je Commerzbank-Aktie erhalten Aktionäre 0,485 neue UniCredit-Papiere. Auf Basis des Schlusskurses vom vergangenen Freitag (13. März 2026) von 29,59 Euro entspricht das einem impliziten Angebotspreis von 30,80 Euro je Commerzbank-Aktie – ein Aufschlag von 4%.

Die Gesamtbewertung liegt damit bei rund 35 Milliarden Euro.

Das Tauschverhältnis soll in den kommenden Tagen formal festgelegt werden. Die eigentliche Angebotsunterlage wird Anfang Mai vorgelegt, die Angebotsfrist beträgt vier Wochen.

Parallel dazu will UniCredit bis spätestens 4. Mai 2026 eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, die die für das Angebot notwendige Kapitalerhöhung genehmigen soll.

 

Kennzahl Wert
Tauschverhältnis 0,485 UniCredit-Aktien je CBK-Aktie
Impliziter Angebotspreis 30,80 Euro
Aufschlag auf Freitagskurs 4%
Gesamtbewertung Commerzbank ~35 Mrd. Euro
Aktuelle UniCredit-Beteiligung (direkt) ~26%
inkl. Finanzinstrumente ~29,9%
Bundesregierung hält ~12%

Der Übernahmekampf: Eine Chronologie

Die Geschichte begann im September 2024, als der Bund einen Teil seiner Commerzbank-Beteiligung veräußerte. UniCredit nutzte diesen Moment blitzschnell und stieg im großen Stil ein – ein Vorgang, der im politischen Berlin für erhebliche Verstimmung sorgte. In den Wochen und Monaten darauf baute die Mailänder Bank ihre Position sukzessive aus und löste schließlich den deutschen Staat als größten Einzelaktionär ab.

Im März 2025 erteilte die Bankenaufsicht der EZB die Erlaubnis, den Anteil auf bis zu 29,9% aufzustocken. Auch das Bundeskartellamt gab grünes Licht. Damit waren die formellen regulatorischen Hürden für das heutige Angebot bereits seit einem Jahr aus dem Weg geräumt.

Dass UniCredit dennoch so lange zögerte, lag wohl auch an der Kursentwicklung: Die Commerzbank-Aktie hatte sich seit dem ersten Einstieg der Italiener im Herbst 2024 zeitweise um rund 90% verteuert – was ein Übernahmeangebot zunehmend teurer machte.

Besonders pikant:

Noch am 14. März 2026 hatte UniCredit-Chef Andrea Orcel Signale ausgesandt, die Entscheidung zu verschieben. Zwei Tage später kommt das offizielle Angebot.

Ob das Kalkül war – ein letztes Dämpfen der Erwartungen, bevor man die Karten auf den Tisch legt – oder ob sich die Lage tatsächlich so schnell verändert hat, darüber lässt sich nur spekulieren.

 

Datum Ereignis
September 2024 Bund verkauft Teilpaket; UniCredit steigt groß ein
Herbst/Winter 2024 UniCredit baut Beteiligung sukzessive aus, wird größter Aktionär
März 2025 EZB genehmigt Aufstockung auf bis zu 29,9%
2025 Bundeskartellamt gibt grünes Licht
11. Feb. 2026 Commerzbank meldet Rekordergebnis 2025; Kurs bei 34,55 Euro
5. März 2026 Jefferies überschreitet 10%-Schwelle bei CBK
14. März 2026 Orcel signalisiert Verschiebung der Entscheidung
16. März 2026 Offizielles Übernahmeangebot von UniCredit (35 Mrd. Euro)

Orcels Argument: Europa braucht größere Banken

UniCredit-Chef Andrea Orcel hat sein Interesse an der Commerzbank stets strategisch begründet: Europa brauche im Wettbewerb mit den übermächtigen US-Geldhäusern deutlich schlagkräftigere Banken.

Ein kombiniertes Institut aus UniCredit, der deutschen Tochter HypoVereinsbank (HVB) und der Commerzbank wäre ein echter paneuropäischer Champion – mit starker Verankerung im deutschen Privat- und Mittelstandsgeschäft.

Die Logik ist nicht unplausibel. JPMorgan, Bank of America oder Goldman Sachs agieren in Dimensionen, die europäischen Häusern schlicht fehlen. Und UniCredit selbst hat zuletzt starke Zahlen geliefert. Dass Orcel dennoch betont, mit dem aktuellen Angebot keine Kontrolle über die Commerzbank anzustreben, klingt nach dem Versuch, die politischen Wogen zu glätten – zumindest vorerst. Aus dem Umfeld des Instituts verlautete, man sei „bereit, Brücken zu bauen“.

Widerstand bleibt: Management, Gewerkschaft, Bundesregierung

Die Front gegen die Übernahme ist breit. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat die Eigenständigkeit ihres Hauses seit Monaten mit Nachdruck verteidigt – und verweist auf die starken operativen Ergebnisse. Für das Geschäftsjahr 2025 meldete die Bank einen Nettogewinn von rund 2,6 Milliarden Euro, die Dividende wurde von 0,65 Euro auf 1,10 Euro je Aktie fast verdoppelt.

Für 2026 plant das Institut, 100% des Nettoergebnisses über Dividenden und Rückkäufe auszuschütten – ein klares Signal: Wir schaffen das auch alleine.

Die Gewerkschaft Verdi sieht vor allem ein historisches Warnsignal. Die Übernahme der HVB durch UniCredit im Jahr 2005 führte bei der Münchner Bank zu einem massiven Schrumpfkurs. Diese Geschichte klebt an Orcels Plänen wie Kaugummi am Schuh – und sie mobilisiert die Belegschaft der Commerzbank.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich klar positioniert: Die Bundesregierung stehe für eine „starke und unabhängige Commerzbank“. Der Bund hält gut 12% der Anteile und hat signalisiert, diese nicht anzudienen.

 

Commerzbank-Fundamentaldaten: Was die Aktie wirklich wert ist

Abseits des Übernahmepokers lohnt ein Blick auf die nackten Zahlen. Die Commerzbank hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Sanierung vollzogen.

Nach der verlorenen Dekade der 2010er Jahre ist das Frankfurter Institut heute ein profitables Haus mit solider Kapitalausstattung – CET1-Ratio über 14%, Kosten-Ertrags-Quote unter 65%.

 

Kennzahl Wert
Umsatz 2025 13,31 Mrd. Euro
Nettogewinn 2025 ~2,6 Mrd. Euro
Gewinnziel 2026 3,2 Mrd. Euro
KGV (2026e) ~9,66
Dividende 2025 1,10 Euro (+69% ggü. Vorjahr)
Nettozinsüberschuss 2026e 8,5 Mrd. Euro
Schlusskurs Fr., 13. März 2026 29,59 Euro
200-Tage-Linie 32,72 Euro

Commerzbank Aktie Chart

 

Fazit: Das Spiel hat gerade erst begonnen

UniCredit hat mit dem heutigen Angebot eine neue Phase eingeläutet – aber noch lange nicht gewonnen. Das Tauschangebot ist ein erster Zug auf dem Brett, nicht das Schachmatt.

Ein Aufschlag von 4% auf einen deprimierten Kurs wird weder das Commerzbank-Management noch die Bundesregierung überzeugen.

Und ob die freien Aktionäre mitziehen, hängt wohl entscheidend davon ab, ob UniCredit bereit ist, nachzubessern.

Was bleibt, ist die strategische Substanz hinter dem Angebot. Europa braucht eben auch im Bankensektor wettbewerbsfähige Häuser, die mit den US-Giganten mithalten können.

Ob die Antwort darauf eine Fusion auf Druck heißen muss oder ob ein eigenständige, starke Commerzbank das ebenso gut kann – das ist die eigentliche Frage hinter diesem Übernahmekrimi.

Der nächste Zug liegt bei Bettina Orlopp und Friedrich Merz. Mailand wartet.

 

 

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