Interview mit IG zur ESMA-Richtlinie und dem deutschen Brokerage-Markt

David Ernsting, Chefredakteur Broker-Test.de, sprach mit Marcel Ruth, Head of Sales and Trading bei IG, über die Umsetzung der ESMA-Richtline bei IG, das Feedback der Kunden und die Veränderung des Brokerage-Marktes. Außerdem wagte Marcel Ruth einen Ausblick auf künftige Änderungen am deutschen Brokerage-Markt.

Der Brokerage-Markt war 2018 vor allem durch die ESMA-Regulierung geprägt. Welche Änderungen haben sich durch die ESMA-Richtlinie ergeben?

Seit dem 1. August gelten CFDs neue ESMA-Richtlinien, mit denen insbesondere die Interessen von Privatanlegern geschützt werden sollen. Die ESMA nahm die erheblichen Bedenken in Bezug auf den Anlegerschutz gegenüber bei einigen Finanzinstrumenten zum Anlass, teilweise drastische Beschränkungen umzusetzen: Binäre Optionen wurden komplett verboten, der Handel mit Contracts for Difference (CFDs) beschränkt. Der Grund: Ein Großteil der Kleinanleger hatte in der Vergangenheit bei diesen Geschäften mit Hebel Geld verloren.

Diese Hebelsätze standen unter anderem auf der Agenda der ESMA, die bereits im März für die gesamte EU angekündigt worden war und nun in Kraft getreten ist. Unterschieden wird demnach künftig zwischen Profi- und Retail-Anlegern. Insbesondere für letztere gelten folgende Beschränkungen:

Die Hebelsätze werden limitiert auf

  • 1:30 für Forex Majors – Margin 3,33 Prozent
  • 1:20 für (Haupt-)Index-CFDs, Forex-Nebenwerte und Gold-CFDs – Margin 5 Prozent
  • 1:10 für andere Rohstoffe (außer Gold) – Margin 10 Prozent
  • 1:5 für Einzelwerte (Aktien-CFDs) und andere Basiswerte – Margin 20 Prozent
  • 1:2 für CFDs auf Kryptowährungen – Margin 50 Prozent Margin

Zudem hat wie erwartet die ESMA am 26. September beschlossen, dass die seit dem 1. August 2018 geltenden Beschränkungen im CFD- und Forexhandel für Privatkunden um weitere 3 Monate bis zum 31.01.2019 verlängern wird. Anschließend könnten die Regeln in nationales Recht umgesetzt werden.

 

Wie hat IG auf diese Richtlinie reagiert?

IG setzt einige der neuen Regelungen schon seit geraumer Zeit um, nicht erst seit dem 1. August 2018. Wir arbeiten beispielsweise schon lange mit einer Margin-Close-Out-Regel. Wenn das Eigenkapital eines Traders unter diesen Betrag rutscht (50 Prozent der Eröffnungsmargin), werden alle seine Positionen automatisch geschlossen.

Zudem verzichten wir, bereits seit langer Zeit freiwillig auf die Nachschusspflicht. Es war immer unser Ziel, unsere Kunden vor negativen Kontoständen zu schützen. Insofern sind auf unsere Kunden nun auch keine überraschenden Veränderungen zugekommen. Aber natürlich sind sie über die Hebelbeschränkungen nicht erfreut.

Und wie ist das Feedback Ihrer Kunden auf diese Änderungen?

Das Feedback ist sehr unterschiedlich von Abneigung bis hin zur totalen Verständnis. Natürlich sehen sich einige Anleger in ihrer Trading-Freiheit eingeschränkt. Dennoch haben sie Verständnis und wissen, dass dies von den Regulierungsbehörden festgeschrieben worden ist und nicht eine IG-Idee war.

 

 

Wie hat sich der deutsche Brokerage-Markt seitdem verändert?

Der Brokerage-Markt steht schon unabhängig von der ESMA Regulierung in einem dynamischen Wandel. Die ESMA-Verordnung könnte natürlich im weiteren Verlauf zu einer stärkeren Konzentration im europäischen CFD-Markt führen. Die ESMA könnte der erste Schritt für weitere Regulierungsvorhaben sein.

Welche Veränderungen erwarten Sie im deutschen Brokerage-Markt in den nächsten 12 Monaten?

CFD-Broker befinden sich derzeit im Anpassungsprozess und überdenken ihre Geschäftsmodelle, um sie für die Zukunft fit zu machen. In den nächsten 12 Monaten werden Anbieter, auch auf weitere ESMA-Vorhaben und ihre Implementierung blicken. Die Veränderungen in den nächsten 12 Monaten werden aber meiner Meinung nach, noch nicht signifikant sein.

Mit welchen Innovationen von IG können Trader für 2019 rechnen?

Das Jahr 2019 wird für IG und Trader ein sehr spannendes und interessantes Jahr werden. Es stehen innovative Produkterweiterungen im Raum, wobei momentan noch keine näheren Angaben gemacht werden können.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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