„AI-Scare-Trades“ treiben Edelmetall-Welle in deutschen Portfolios

Vom KI-Hype am Aktienmarkt ist im bisherigen Jahr nicht mehr viel zu sehen. Die großen KI-Treiber aus den USA haben bei Anlegern Sorgen ausgelöst, aber nicht, weil der Glaube an die Technologie fehlt.

Im Gegenteil – anscheinend schätzt man das Disruptionspotenzial so groß ein, dass die Überlebensfähigkeit von vielen Geschäftsmodellen aus anderen Sektoren angezweifelt wird. Ein Trend, der als „KI-Scare-Trades“ in die Februar-Schlagzeilen einging, und auch im Anlegerverhalten der 450.000 deutschen flatex-Kunden nachverfolgbar war.

Das Kernergebnis der Februar-Auswertung: Gleich mehrere Sektoren lassen in den deutschen Aktien-Portfolios Federn, davon profitiert einmal mehr vor allem der Rohstoff-Sektor. Insbesondere Edelmetall-Aktien kommt frisches, teilweise umgeschichtetes Kapital zugute.

 

flatex Anleger stocken Rohstoffaktien deutlich auf

Die sektorale Zusammensetzung des in Einzelaktien angelegten Vermögens der flatex-Anleger zeigte sich im Februar sehr dynamisch. Rückgänge im Vergleich zum Januar erstreckten sich über den Finanzsektor (-6%), den Einzelhandel (-6%), das Gesundheitswesen (-4%) und auch den Tech-Sektor (-3%), der allerdings immer noch ca. 21 Prozent aller Aktienanlagen für sich einnimmt. Dem gegenüber stand der Rohstoffsektor, der um 15 Prozent zunahm; zu erwähnen sind außerdem Industriewerte (+5%) und Versicherungen (+5%).

 

First Majestic Silver Aktie Chart

 

Dass die Zuwächse im Rohstoffsektor nicht nur auf passive Kurssprünge, sondern auch auf aktive Zukäufe zurückzuführen ist, wird vor allem beim Blick auf die großen Minen- und Förderunternehmen von Edelmetallen deutlich. Der Zuwachs der deutschen Investments geht hier teils klar über die Kursgewinne hinaus, wie etwa First Majestic Silver (+44%) und Pan American Silver (+30%) aufzeigen.

 

 

Die Gewinner unter den Einzelaktien abseits des Rohstoff-Sektors kommen allesamt aus dem DAX und aus unterschiedlichen Sektoren, angeführt von Siemens Energy (+19%) und der Deutschen Telekom (+16%).

Die größten Rückläufer in den Portfolios waren abgesehen von zwei Ausnahmen im Tech-Sektor zu verorten. Bemerkenswert ist, dass außer Apple alle Aktien der Magnificent-7 den Februar mit weniger gebundenem Kapital der Anleger als zu Monatsbeginn beendeten.

„Die im bisherigen Jahr omnipräsente KI-Zurückhaltung hinterließ auch im Februar ihre Spuren – das hat die Tech-Branche zu spüren bekommen, aber auch andere Sektoren blieben nicht verschont. Zwar sind die großen US-Tech-Konzerne an sich keine klassischen Scare-Trading-Opfer, aber insbesondere die wechselseitigen Abhängigkeiten scheinen dafür zu sorgen, dass unsere Anleger trotz überwiegend solider Geschäftszahlen zumindest kein frisches Kapital nachschießen. Einmal mehr haben stattdessen Edelmetall-Werte das Rennen gemacht.“
– Tobias Spreiter, Head of flatex

 

Anleger reagieren auf Nahostkonflikt mit Umschichtungen

Nach der kometenhaften Rally im Januar sei der Rücksetzer mit Gewinnmitnahmen eine natürliche Kapitalmarktreaktion, die daraufhin von vielen als Wiedereinstiegsmöglichkeit genutzt wurde. Auch die Präferenz für gestandene DAX-Unternehmen folgt laut Spreiter einem Muster: „Wenn es Anlegern darum geht, in Substanz und Stabilität umzuschichten, gerät zuallererst der heimische Markt ins Blickfeld.

Abschließend blickt Spreiter gespannt darauf, inwiefern sich diese Entwicklungen in den März-Daten noch niederschlagen werden. „Anleger reagieren natürlich auf die Konfliktsituation im Nahen Osten und ein Blick auf die Preistafeln der Tankstellen zeigt eindrücklich, wie unmittelbar die Auswirkungen für jeden von uns sind. Insofern erwarten wir auch in den Portfolien der deutschen Anleger eine signifikante Bewegung im März.“

 

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