Aktie im Fokus: Coca-Cola auf Erfolgskurs – Wachstum trotz schwierigen Marktumfelds

Coca-Cola erfindet sich neu: weg von der kapitalintensiven Produktion, hin zu einem hochprofitablen Lizenzgeschäft. Mit beeindruckender Preissetzungsmacht, disziplinierter Innovation und globaler Markenführung beweist der Getränkegigant, dass er auch in einem schwierigen Marktumfeld überdurchschnittlich wachsen kann. Trotz Risiken wie dem US-Steuerstreit bietet das Geschäftsmodell eine attraktive Mischung aus Stabilität und Wachstumsdynamik.

Coca-Cola Company, gegründet 1886 in Atlanta (USA), ist der weltweit führende Hersteller alkoholfreier Getränke. In den vergangenen Jahren war das Unternehmen erfolgreich dank organischem Umsatzwachstum und effizienter Kostenstruktur durch Reorganisation und Partnerschaften.

Für das Unternehmen sprechen unseres Erachtens:

  1. Große Marken als Basis eines diversifizierten Umsatzmixes. Coca-Cola verfügt über ein starkes Produktportfolio, bestehend aus über 30 »Billionaire Brands«, die jeweils 1 Milliarde US-Dollar Umsatz erzielen. Die breite Aufstellung (Marken, Produkte, Regionen) erlaubt es dem Unternehmen, in verschiedenen Marktsegmenten erfolgreich tätig zu sein.
  2. Organisches Wachstum durch innovative Produkte. Der Fokus liegt auf der Entwicklung und Kommerzialisierung kleinerer eigenentwickelter Marken anstatt auf größeren und potenziell risikobehafteten Übernahmen. Von den derzeit 32 »Billionaire Brands« wurden rund 15 intern entwickelt.
  3. Best-in-Class-Marketingansatz. Der datengetriebene Ansatz von Coca-Cola und regelmäßige sowie beim Kunden durchsetzbare Preiserhöhungen werden in Produktinnovationen und Marketingkampagnen reinvestiert. Resultat sind organische Umsatzwachstumsraten am oberen Ende des Branchendurchschnitts.
  4. Coca-Cola ist im Vergleich zur Konkurrenz geografisch breit aufgestellt. Über 60 Prozent des Umsatzes stammen aus dem internationalen Geschäft. Die Preisdynamik außerhalb der USA war in der Vergangenheit höher als im Heimatmarkt, was nach vorn blickend zusätzliche Chancen für weiteres Wachstum bietet.

Kernrisiken sind unseres Erachtens:

  1. Ein potenzielles Risiko stellt der seit 2015 anhängige Rechtsstreit mit der amerikanischen Steuerbehörde (IRS) dar, der sich nach Analystenschätzungen auf weitere Zahlungen von 14 Milliarden US-Dollar belaufen könnte. Unseres Erachtens sollte das Unternehmen jedoch in der Lage sein, eine einmalige Belastung aufgrund seiner soliden Bilanz und stabilen Cashflows zu bewältigen.
  2. Sich verändernde Verbraucherpräferenzen hin zu gesünderen Ernährungsoptionen könnten als Gegenwind wirken und das Umsatzwachstum negativ beeinflussen. Coca-Cola steuert diesem Trend mit Produktinnovation entgegen bzw. profitiert sogar davon.

Unsere Einschätzung: Die Kombination aus starker Marktpositionierung, überdurchschnittlichem Wachstum und einer schlankeren Kostenbasis rechtfertigt aus Sicht von Analysten eine höhere Bewertung als bei vielen Wettbewerbern. Im Sektorvergleich besteht deshalb positiver Bewertungsspielraum.

 

Coca-Cola Chart

 

 

Geschäftsmodell und Marktumfeld
Die Coca-Cola Company ist ein global führender Getränkehersteller, dessen Geschäftsmodell im Kern ein Lizenzmodell ist. Das Unternehmen fokussiert sich auf den hochprofitablen Verkauf von Konzentraten und Sirupen sowie auf die globale Markenführung, während es die kapitalintensive Produktion, den Vertrieb und die lokale Vermarktung an ein Netzwerk aus unabhängigen Abfüllpartnern auslagert. Dieses »Asset-light«-Modell (das heißt mit geringem Kapitaleinsatz) sichert hohe Margen und eine hohe Kapitalrendite.

Als »Total Beverage Company« deckt Coca-Cola ein breites Spektrum an Getränkekategorien ab. Das wirtschaftliche Fundament bleibt das Geschäft mit stark kohlensäurehaltigen Marken (Coca-Cola, Fanta, Sprite). Es wird strategisch ergänzt durch Beteiligungen und Marken, die wichtige Wachstumsmärkte adressieren. Besonders hervorzuheben sind die Beteiligung an Monster Beverage als zentraler »Energy-Drinks-Play« sowie die Marke Fairlife, die mit ihren hochproteinhaltigen Milchprodukten den Wachstumsmarkt für gesundheitsbewusste Konsumenten bedient.

Das Marktumfeld ist zweigeteilt: In den entwickelten Märkten liegt der Fokus auf Wertsteigerung durch Premiumisierung und Innovationen. In den Schwellenländern hingegen steht das Volumenwachstum durch den Ausbau der Verfügbarkeit im Vordergrund. Gleichzeitig bergen neue Gesundheitstrends, wie zum Beispiel die Verbreitung von GLP-1-Medikamenten, Risiken für das zukünftige Konsumverhalten.

Wettbewerbsumfeld
Das Wettbewerbsumfeld für Coca-Cola ist intensiv, jedoch profitiert das Unternehmen unseres Erachtens von signifikanten strukturellen Vorteilen.

Wettbewerbsrivalität: Coca-Cola konkurriert mit globalen (zum Beispiel PepsiCo, Nestlé, Keurig Dr Pepper) und lokalen Akteuren. Der Wettbewerb findet maßgeblich über Markenpräsenz, Marketing und Vertriebsstärke statt, wo Coca-Colas globales Netz eine hohe Eintrittsbarriere darstellt.

Bedrohung durch Substitute: Konsumenten haben eine breite Auswahl an Alternativen. Insbesondere der wachsende Fokus auf Gesundheit erhöht den Druck. Coca-Colas »Total Beverage Company«-Strategie ist die direkte Antwort darauf.

Verhandlungsmacht der Käufer: Große Einzelhändler und Restaurantketten (zum Beispiel McDonald’s) besitzen eine erhebliche Verhandlungsmacht, die jedoch durch die starke Markennachfrage nach den Kernprodukten von Coca-Cola gemindert wird.

Verhandlungsmacht der Lieferanten: Die meisten Rohstoffe sind breit verfügbar, und das große Einkaufsvolumen des Coca-Cola-Systems reduziert die Macht einzelner Lieferanten.

Bedrohung durch neue Marktteilnehmer: Die Barrieren für einen globalen Markterfolg (Markenaufbau, Vertriebsnetz, Marketingbudgets) sind für neue Wettbewerber extrem hoch und schwer zu replizieren.

Strategie
Die heutige »Asset-light«-Strategie ist das Ergebnis einer mehrstufigen Transformation, die von CEO Muhtar Kent initiiert und von seinem Nachfolger James Quincey finalisiert und global ausgebaut wurde. Dieser grundlegende Wandel vom kapitalintensiven Abfüller zum hochmargigen Marken- und Konzentrat-Unternehmen bildet das Fundament der derzeitigen, auf diszipliniertes und profitables Wachstum ausgerichteten Strategie.

Ein zentraler Schritt zur Effizienzsteigerung war dabei die operative Verschlankung von 17 auf 9 Geschäftseinheiten, was eine schnellere Entscheidungsfindung und eine bessere globale Skalierung von Innovationen ermöglicht. Die strategischen Säulen sind:

Diszipliniertes Umsatzwachstum: Aktive Steuerung des Umsatzes über Preisanpassungen, Verpackungsarchitektur und Kanalmanagement.

Digital-first-Marketing: Verlagerung des Budgets in digitale Kanäle, um jüngere Zielgruppen anzusprechen.

Selektive und skalierbare Innovation: Konzentration auf weniger, aber größere Innovationen mit globalem Potenzial (zum Beispiel Zero-Sugar-Plattform, alkoholhaltige Fertiggetränke).

Effiziente System-Exekution: Enge Zusammenarbeit mit Abfüllpartnern, um Verfügbarkeit und Vertrieb zu optimieren.

Digitale Transformation des Gesamtsystems: Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Langfristig plant das Management ein Umsatzwachstum auf vergleichbarer Basis von 4 bis 6 Prozent p.a. sowie eine überdurchschnittliche Gewinnentwicklung von 7 bis 9 Prozent p.a., untermauert durch eine verlässlich wachsende Dividende.

Management
Henrique Braun ist seit dem 31. März 2026 CEO von Coca-Cola. Er folgte auf James Quincey, der das Unternehmen seit Mai 2017 geleitet hatte. Braun genießt unseres Erachtens intern sowie im Abfüllsystem hohes Ansehen und bringt 29 Jahre Erfahrung aus globalen Führungspositionen mit, darunter seine vorherige Rolle als Chief Operating Officer (COO). John Murphy ist weiterhin als Präsident und Chief Financial Officer (CFO) im Amt, eine Doppelrolle, die er seit Oktober 2022 bekleidet (als CFO ist er bereits seit 2019 aktiv). Zuvor war Murphy in verschiedenen Führungspositionen bei Coca-Cola tätig, unter anderem in den Bereichen Mergers & Acquisitions, Investor Relations und globale Strategie.

Finanzkennzahlen
Basierend auf dem Geschäftsbericht für 2025 beträgt das organische Umsatzwachstum im Jahr 2025 etwa 5 Prozent. Die operative Marge lag im Jahr 2025 bei rund 28,7 Prozent. Die Nettoverschuldung belief sich zum Geschäftsjahresende 2025 auf ca. 31,6 Milliarden US-Dollar. Der Free Cashflow (FCF) lag für das Gesamtjahr 2025 bei rund 5,3 Milliarden US-Dollar, was einer FCF-Marge von etwa 11,0 Prozent entspricht. Das bereinigte Ergebnis pro Aktie stieg im Jahr 2025 um rund 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 3,00 US-Dollar. Die Dividende für das Jahr 2025 betrug 2,04 US-Dollar pro Aktie. Der Gesamtwert der im Jahr 2025 zurückgekauften Aktien belief sich auf 634 Millionen US-Dollar.

Quartalsberichterstattung: starkes erstes Quartal, Ausblick leicht angehoben
Coca-Cola meldete für das erste Quartal 2026 ein organisches Umsatzwachstum von +10 Prozent gegenüber dem Vorjahr und übertraf damit deutlich die Konsensschätzung von +6,5 Prozent. Das Wachstum wurde von einem Anstieg der Konzentratverkäufe um +8 Prozent und einem Preis-Mix-Effekt von +2 Prozent getragen. Die Bruttomarge fiel um 30 Basispunkte gegenüber dem Vorjahr auf 62,3 Prozent (–80 Basispunkte versus Konsens), was das Management größtenteils auf einen Einmaleffekt zurückführt, der sich normalisieren soll.

Die operative Marge konnte auf 34,5 Prozent gesteigert werden, angetrieben durch das organische Umsatzwachstum und geringere operative Kosten, was durch höhere Inputkosten teilweise wieder ausgeglichen wurde. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 0,86 US-Dollar klar über dem Konsens von 0,81 US-Dollar. Davon sind rund 4 US-Cent auf Posten unterhalb des operativen Ergebnisses (»Below-the-line«) wie ein besseres Zinsergebnis und eine niedrigere Steuerquote zurückzuführen.

Für das Geschäftsjahr 2026 bestätigte das Management den Ausblick für das organische Umsatzwachstum in einer Spanne von +4 bis +5 Prozent (Konsens: +4,6 Prozent). Gleichzeitig wurde die Prognose für das vergleichbare Ergebnis je Aktie von zuvor +7 bis +8 Prozent auf +8 bis +9 Prozent angehoben, was einer Spanne von 3,24 bis 3,27 US-Dollar entspricht (Konsens: 3,22 US-Dollar). Diese Anhebung ist laut Analystenmeinung überwiegend auf eine Senkung der erwarteten Steuerquote auf 19,9 Prozent zurückzuführen (zuvor 20,9 Prozent). Das währungsbereinigte EPS-Wachstum wird nun bei +6 bis +7 Prozent erwartet (zuvor: +5 bis +6 Prozent). Der Ausblick beinhaltet einen positiven Währungseffekt von +3 Prozent auf das EPS (Earnings per Share). Die Prognose für den Free Cashflow von ca. 12,2 Milliarden US-Dollar wurde bestätigt und liegt im Rahmen der Markterwartungen.

Unsere Einschätzung: Die Ergebnisse des ersten Quartals untermauern die Sicht vieler Broker, die Coca-Cola als strukturellen Outperformer mit verlässlichen Aussichten in einem anspruchsvollen Konsumklima sehen. Insbesondere die Rückkehr zu einem stärker volumengetriebenen Wachstum anstelle reiner Preiserhöhungen bestätigt unseres Erachtens die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells. In diesem Kontext wird ein leichter Margendruck in Kauf genommen, da der Fokus auf der Stärkung der Marke, der Nachfrage und der operativen Umsetzung liegt.

Obwohl die Anhebung der EPS-Prognose maßgeblich auf steuerliche Effekte zurückzuführen ist, dürfte der Markt das positiv werten – gerade im Vergleich zu vielen Wettbewerbern, die sich defensiver positionieren und ihre Ausblicke bisher maximal bestätigten.

Wechsel im Topmanagement und Fortgang des bekannten Steuerstreits
Bei Coca-Cola stehen zurzeit zwei wesentliche Entwicklungen im Fokus: Zum einen kündigte das Unternehmen am 25. Juni 2026 den Abgang von Jennifer Mann an, der bisherigen Präsidentin der Nordamerika-Einheit. Das betrifft das wichtigste Segment des Konzerns, da Nordamerika mit einem ausgewiesenen Umsatzanteil von rund 40 Prozent der größte Markt für Coca-Cola ist. Jennifer Mann wird zum 31. Juli 2026 von ihren Positionen zurücktreten und dem Konzern danach vom 1. August 2026 bis zum 30. April 2027 noch als Senior Advisor zur Verfügung stehen. Die Gründe für ihr Ausscheiden sind nicht bekannt; sie erhält jedoch eine Abfindung sowie ihren anteiligen Bonus.

Übergangsweise wird CFO John Murphy ab dem 1. August 2026 die Leitung der Nordamerika-Einheit zusätzlich übernehmen. Wir bewerten die temporäre Doppelbelastung für Murphy als negativ, bis eine dauerhafte Nachfolgeregelung gefunden ist. Zum anderen fand am 25. Juni 2026 eine entscheidende Anhörung im langjährigen Steuerverfahren mit der US-Finanzbehörde IRS bezüglich potenzieller Steuernachzahlungen von bis zu 20 Milliarden US-Dollar statt, wovon bereits 6 Milliarden US-Dollar gezahlt wurden. Dieses seit Jahren bekannte finanzielle Risiko erachten wir für den Konzern als tragbar. Coca-Cola verfügt über eine solide Finanzkraft, gestützt auf einen freien Cashflow (FCF) von zuletzt rund 5,3 Milliarden US-Dollar und erwartete FCF-Generierungen von kumuliert 12,3 bis 13,4 Milliarden US-Dollar in den kommenden zwei Jahren. Begünstigt wird dies durch ein starkes Investment-Grade-Rating (mit stabilem Ausblick), das dem Unternehmen weiterhin vorteilhafte Finanzierungskonditionen bei relativ geringen Risikoaufschlägen sichert.

 

 

Autor: Robert Räpple, Anlagestratege, Chief Investment Office, Commerzbank

Hinweis:
Offenlegung möglicher Interessenkonflikte:
Die Commerzbank hat innerhalb der letzten zwölf Monate Investmentbanking-Dienstleistungen für The Coca-Cola Co erbracht oder vereinbart, solche zu erbringen, für die sie Einkünfte erhalten hat bzw. wird.

Disclaimer & Risikohinweis

Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform. Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter www.sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.

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