Aktienmarkt Aktuell – Zeit für Antizykliker

Helaba: An den Aktienmärkten herrscht derzeit die blanke Panik. Die Notierungen befinden sich im freien Fall. Nach Rückgängen von mehr als 20 % gegenüber ihren Höchstständen befinden sich viele der international führenden Indizes nun in einem Bärenmarkt.

Dabei ist es erst wenige Wochen her, dass S&P 500 oder auch DAX neue Allzeithochs markierten. Damals gingen die Marktteilnehmer noch davon aus, dass Corona ein auf China und dessen Nachbarn begrenztes Problem sei. Inzwischen stuft die Weltgesundheitsorganisation COVID-19 als Pandemie ein.

 

Übertreibung nach unten

Während in China die Anzahl der Neuerkrankungen bereits seit Wochen abnimmt, steigt sie im Rest der Welt noch. Die Länder mit den meisten bestätigten Coronafällen außerhalb Chinas sind derzeit Italien, Iran und Südkorea. Die Einschränkungen für das öffentliche Leben im Euroraum, aber auch hierzulande, sind enorm.

An den Finanzmärkten zeigt sich die Verunsicherung unter anderem an der impliziten Aktienmarktvolatilität. Der VDAX für den DAX und der VIX für den S&P 500 haben mit Werten über 70 ein Niveau erreicht, das bislang nur zum Höhepunkt der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise übertroffen wurde. Dies ist ein klares Indiz dafür, dass die Märkte derzeit nach unten übertreiben.

Es liegt in der Natur von Übertreibungen, dass kaum abschätzbar ist, wie lange diese Phase anhält und auf welchem Niveau der Kursverfall stoppen wird. Aufgrund der enormen Abwärtsdynamik müssen wir unsere Kursprognosen nochmals reduzieren.

 


 

Attraktives Chance-Risiko-Verhältnis

Da sich nach Ausverkaufsphasen die Notierungen wieder in Richtung ihres fairen Wertes bewegen, liefert die Bewertung eine wertvolle Orientierungshilfe. Für den DAX verläuft die Mitte des fairen Bewertungsbandes derzeit bei 11.700 Punkten, der untere Rand bei rund 10.000 Punkten, der obere Rand bei 13.400 Punkten.

Auf dem aktuellen Niveau sind deutsche Standardwerte derzeit klar unterbewertet, auch wenn es zu berücksichtigen gilt, dass die Schätzungen für die Unternehmensgewinne der kommenden 12 Monate derzeit vermutlich zu hoch angesetzt sind. Selbst der S&P 500, der vor knapp einem Monat auf Basis der wichtigsten Kennziffern (KGV, KCV, KBV und Dividendenrendite) noch sehr teuer war, ist inzwischen moderat bewertet.

Die Kombination aus niedriger Bewertung und ausgeprägter Angst hat sich in der Vergangenheit meist als günstiger Einstiegszeitpunkt erwiesen. Wir rechnen weiterhin damit, dass die Konjunktur nach einem schwachen ersten Halbjahr kräftig anzieht. Trotz gegebener kurzfristiger Unsicherheiten ist das Chance-Risiko-Verhältnis bei Aktien attraktiv. Da es allerdings kaum gelingt, das Tief zu erwischen, bietet es sich an, etappenweise einzusteigen.

 

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