Anleihen: Zinsgipfel jetzt da?

Börse FrankfurtTrotz zunehmend schlechter Konjunkturdaten – die EZB setzt ihren Kampf gegen die Inflation entschieden fort.

Am Donnerstag erhöhte sie den Einlagensatz auf jetzt 4 Prozent, den Hauptrefinanzierungssatz auf 4,5 Prozent, jeweils um 25 Basispunkte.

Laut Notenbankchefin Christine Lagarde haben die Leitzinsen nun aber ein Niveau erreicht, dass wesentlich zum Rückgang der Inflation auf den Zielwert beitragen werde.

„Nach unserer Lesart hat Lagarde damit die Latte für weitere Zinserhöhungen ziemlich hochgelegt“, erklärt Anleiheanalyst Marco Wagner von der Commerzbank.

„Es verfestigt sich die Ansicht, dass es der letzte Zinsschritt in der Eurozone gewesen sein könnte“, bemerkt Tim Oechsner, Senior Trader und Kapitalmarktstratege bei der Steubing AG.

Allerdings habe sich Lagarde auch die Tür für weitere Erhöhungen offengelassen. „Eine Garantie für ein Ende der Zinserhöhungen gibt es also nicht.“

 

Renditen leicht nach oben

Bis zum Donnerstag ging es im Rentenhandel ruhig zu: „Das Warten auf den EZB-Zinsentscheid hat den Handel geprägt und zu Zurückhaltung geführt“, berichtet Beate Mägerle von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.

„Es war eine typische Notenbankwoche, vor der Sitzung fehlten die Impulse“, erklärt auch Oechsner. „Alle warteten auf die Ergebnisse, die ja so unklar wie lange nicht waren.“

Große Bewegungen löste der Entscheid dann aber nicht aus. Im Wochenvergleich stiegen die Renditen leicht an. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren am Freitagmorgen mit 2,62 Prozent nach 2,58 Prozent vor einer Woche.

Nun geht der Blick gen USA: Für die kommende Woche anstehende Fed-Sitzung gehen die Märkte weiterhin von einer Pause aus, wie die Deutsche Bank erklärt. „Die implizite Wahrscheinlichkeit dafür lag am Freitag unverändert bei knapp 98 Prozent.“

 

Sixt, Porsche, Eon – bekannte Namen ziehen

Zu den umsatzstärkeren Unternehmensanleihen gehören, wie schon vergangene Woche, Papiere des Autovermieters Sixt mit Fälligkeit 2027 und aktueller Rendite von 4,15 Prozent (DE000A351WB9), wie Mägerle meldet.

Vermehrte Nachfrage sieht sie auch für Bonds von VW (XS1893631769), Porsche Automobil Holding (XS2643320018) und RWE (XS2584685031) mit Fälligkeit 2026, 2027 und 2029 und aktuellen Renditen von 3,73 Prozent, 4,03 Prozent und 3,90 Prozent.

Gesucht ist zudem die Ende August emittierte Eon-Anleihe mit Kupon von 3,75 Prozent bis 2029 (XS2673536541), berichtet Oechsner, ebenso der im Juli auf den Markt gebrachte Bond der Porsche Automobil Holding mit 4,25 Prozent bis 2030 (XS2643320109) sowie ältere Anleihen von Siemens (DE000A1UDWN5).

Etwas Ruhe eingekehrt ist im Mittelstandssegment. „Neue schlechte Nachrichten gibt es nicht“, erklärt Marcus Mielert von Oddo BHF. Derzeit schaue alles auf Chinas Immobilienmarkt, der weiter stark unter Druck steht.

 

Weiterhin Umsätze um 66 zu 69 Prozent verzeichnete Oechsner zufolge der im August stark unter Abgabedruck geratene Bond des niederländischen Solarkonzerns Photon Energy (DE000A3KWKY4).

 

Nicht nur für Süßmäuler: Katjes überzeugt und legt nach

Richtig gut an kam die neue fünfjährige Unternehmensanleihe des Süßwarenherstellers Katjes (NO0012888769), die noch von 100 auf 115 Millionen Euro aufgestockt wurde. Der Zinssatz wurde abschließend bei 6,75 Prozent festgelegt – im unteren Bereich der zu Beginn genannten Zinsspanne.

Die Gesellschaft plant die vorzeitige Kündigung und Rückzahlung der alten, nicht im Rahmen des Umtauschangebots abgegebenen Anleihe (DE000A2TST99) zum 12. November 2023.

Mehr als sechsfach überzeichnet war die neue Sartorius-Anleihe mit vier Tranchen mit Laufzeiten von 3 bis 12 Jahren in einem Gesamtvolumen von 3 Milliarden Euro, wie der Göttinger Life-Science-Konzern meldet.

Bei Steubing gehandelt werden der bis 2029 laufende Bond mit 4,375 Prozent (XS2676395077) und der bis 2032 laufende mit 4,5 Prozent (XS2676395317) – allerdings mit einer Mindestanlagesumme von 100.000 Euro. Das gilt auch für neue Papiere der Deutschen Bahn mit 3,5 Prozent bis 2027 (XS2689049059).

Noch bis 25. September kann die neue Anleihe des Mannheimer Rohstoff- und Bergbauunternehmen Deutsche Rohstoff gezeichnet werden. Die Laufzeit geht bis 2028, der Kupon beträgt 7,5 Prozent (DE000A3510K1).

Geplant ist ein Volumen von bis zu 100 Millionen Euro, die Mindestanlage beträgt hier 1.000 Euro.

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