Japanische Aktien profitieren von politischer Klarheit

Nach dem klaren Wahlsieg von Japans Premierministerin Sanae Takaichi bei der vorgezogenen Unterhauswahl reagiert der japanische Aktienmarkt mit Rückenwind. June-Yon Kim, Lead-Portfoliomanager für japanische Aktien bei Lazard Asset Management, ordnet die Entwicklungen aus Investorensicht ein.

Die Premierministerin hatte die Wahl bewusst angesetzt, um ihr politisches Mandat zu stärken – mit durchschlagendem Erfolg. Ihre Liberaldemokratische Partei (LDP) errang 316 Sitze und verfügt damit über mehr als zwei Drittel der Mandate im Unterhaus. Sie ist nicht länger auf die Unterstützung ihres bisherigen Koalitionspartners angewiesen und kann Gesetzesinitiativen notfalls auch gegen das Oberhaus durchsetzen. Das erhöht die politische Handlungsfähigkeit deutlich.

Politische Stabilität reduziert Unsicherheit – und das wird honoriert. Gleichzeitig stabilisiert dieses Umfeld einen bereits bestehenden strukturellen Aufwärtstrend. Die Märkte reagierten unmittelbar: Der japanische Leitindex Nikkei 225 markierte neue Rekordstände und auch der mit über 2.100 Werten wesentlich breiter aufgestellte TOPIX-Index erzielte 2025 bereits das dritte Jahr in Folge eine Gesamtrendite von über 20 Prozent in Yen und erreichte neue Höchststände.

 

Reflationäre Agenda trifft auf Kapitalmarktoptimismus

Auf der wirtschaftspolitischen Agenda steht reflationäres Wachstum im Vordergrund. Gezielte Staatsausgaben sollen den privaten Konsum stärken, strategische Investitionen fördern und die Verteidigungsfähigkeit ausbauen. Diskutiert wird unter anderem eine zweijährige Aussetzung der achtprozentigen Verbrauchsteuer auf Lebensmittel und Getränke.

Zwar haben diese Pläne Bedenken hinsichtlich der Haushaltsdisziplin ausgelöst, wir sehen den jüngsten Anstieg der Renditen japanischer Staatsanleihen jedoch eher als Ausdruck einer längst überfälligen wirtschaftlichen Normalisierung, denn als Zeichen fiskalischer Spannungen.

Die Regierung hat mehrfach betont, Wachstumsimpulse mit solider Haushaltsführung verbinden zu wollen – ein entscheidender Faktor für die Stabilität der Anleihe- und Währungsmärkte.

 

Nach einer längeren Seitwärtsbewegung ist der TOPIX seit Anfang 2023 deutlich angestiegen und hatte sich in der Spitze mehr als verdoppelt.

Nach einer längeren Seitwärtsbewegung ist der TOPIX seit Anfang 2023 deutlich angestiegen und hatte sich in der Spitze mehr als verdoppelt.

 

Geldpolitik im Fokus: Yen-Schwäche und Zinserwartungen

Besonders aufmerksam verfolgen Investoren derzeit die Entwicklung im Umfeld der Bank of Japan. Nach der Zinserhöhung im Dezember beließ die Notenbank den Leitzins im Januar bei 0,75 Prozent und hält an einem graduellen, datenabhängigen Normalisierungspfad fest.

Gleichzeitig reagierten Wechselkurs und Aktienmarkt sensibel auf die jüngsten Nominierungen für den geldpolitischen Rat. Der Yen gab zeitweise nach, da Investoren eine stärkere Koordination von Fiskal- und Geldpolitik erwarten. Ein schwächerer Yen stützt exportorientierte Unternehmen – was die jüngsten Rekordstände im Nikkei zusätzlich begünstigte.

Trotz dieser Diskussion rechnet eine Mehrheit der Ökonomen weiterhin mit moderaten Zinsschritten im Jahresverlauf. Eine Anhebung Richtung 1 Prozent bis zur Jahresmitte wird am Markt durchaus als möglich erachtet. Entscheidend bleibt, dass die geldpolitische Normalisierung fortgesetzt wird, sofern Konjunktur und Inflation dies zulassen.

 

Corporate Governance als struktureller Kurstreiber

Neben der politischen Stabilität bleibt die strukturelle Reformagenda der entscheidende Faktor. Für 2026 richtet sich der Blick der Investoren auf die geplante Überarbeitung des Corporate Governance Codes. Strengere Vorgaben zum Umgang mit überschüssigen Liquiditätsbeständen könnten den Druck auf Unternehmen erhöhen, Kapital effizienter einzusetzen – etwa über höhere Dividenden, Aktienrückkäufe oder gezielte Investitionen.

Verbesserungen bei Kapitaleffizienz und Shareholder-Returns sind aus unserer Sicht zentrale Gründe für die nachhaltige Neubewertung des japanischen Marktes.

 

KI-Dynamik und Bewertungsfragen

Die KI-getriebene Rallye bleibt ein zentrales Marktthema. Allerdings wird 2026 verstärkt hinterfragt werden, ob die hohen Investitionen in künstliche Intelligenz auch entsprechend profitables Wachstum generieren. Während die fundamentale Ausgangslage robust ist, könnten ambitionierte Bewertungen in einzelnen Segmenten für erhöhte Volatilität sorgen.

 

Geopolitik bleibt Risikofaktor

Außenpolitisch bleibt Takaichis Kurs gegenüber China ein möglicher Unsicherheitsfaktor. Zwar hat sie frühere schärfere Aussagen relativiert, doch ein gestärktes Mandat könnte eine festere Haltung begünstigen.

Auch die langfristige Debatte über eine Reform des pazifistischen Artikels 9 der Verfassung, welcher besagt, dass Japan für immer auf Krieg als souveränes Recht verzichtet und keine Land-, See- oder Luftstreitkräfte unterhalten darf, dürfte an Intensität gewinnen, wenngleich eine konkrete Umsetzung vor 2028 als unwahrscheinlich gilt.

 

Ausblick: das japanische Narrativ bleibt intakt

Nach dem Wahlausgang beginnt nun die Umsetzungsphase. Für die weitere Entwicklung des japanischen Aktienmarktes sind weniger Wahlzyklen als vielmehr Unternehmensgewinne, strukturelle Reformen und die fortschreitende wirtschaftliche Normalisierung ausschlaggebend. Die Abkehr von jahrzehntelanger Deflation hin zu moderater Inflation verbessert die Rahmenbedingungen für nachhaltiges Gewinnwachstum zusätzlich.

Vor diesem Hintergrund bleibt unsere mittel- bis langfristige Einschätzung für japanische Aktien positiv.

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