Was Geld mit Glücklichsein zu tun hat
Quirin Privatbank: Der Beginn eines neuen Jahres ist immer ein wunderbarer Zeitpunkt, um alte Gewohnheiten zu ändern, das eigene Leben zu überdenken und gegebenenfalls an der einen oder anderen Stelle neu auszurichten.
Und ich hätte da sogar eine Idee für 2024: Wie wäre es mit mehr finanziellem Wohlbefinden?
Das gleichnamige Buch – „Financial Wellbeing“ – lief mir neulich über den Weg. Es klang für mich ehrlich gesagt zunächst nach esoterischer Entspannungsmusik und rituellen Räucherstäbchen, doch weit gefehlt.
Bis ich jenes Buch von Dr. Thomas Mathar, Leiter des Zentrums für Verhaltensforschung bei Aegon, in die Hände bekam.
Das Besondere daran ist, dass Mathar nicht nur einen Blick auf wichtige Finanzthemen wirft, sondern er sich mit gleicher Gewichtung auch damit beschäftigt, was in unserem Kopf geschieht.
Im Englischen wird das als Mindset beschrieben.
Finanzthemen sind oft eine mentale Herausforderung
Mathar zeigt, dass viele finanzielle Themen, insbesondere die, die die weit entfernte Zukunft betreffen wie die Altersvorsorge und die Ruhestandsplanung, nicht nur eine finanzielle Herausforderung für uns Menschen sind, sondern vor allem eine mentale.
Und andererseits ist unser Gehirn auf sofortige Belohnung programmiert – das erschwert langfristige Entscheidungen wie die, für die eigene Rente zu sparen, erheblich.
Unser menschlicher Fokus auf das Hier und Jetzt kann dazu führen, dass wir die langfristigen Konsequenzen unserer Entscheidungen übersehen oder unterschätzen.
Im schlechtesten Falle kann das entsprechende finanzielle Konsequenzen in unserer Zukunft haben.
Zehn Bausteine, um der mentalen Falle zu entkommen
Um dieser mentalen Falle zu entkommen, definiert Mathar basierend auf neuesten Forschungsergebnissen aus den Verhaltenswissenschaften zehn Bausteine für Ihr finanzielles Wohlbefinden, liebe Leserinnen und Leser.
Fünf dieser Bausteine beziehen sich auf finanzielle Themen, fünf auf das Mindset, also unsere Gedankenwelt, unsere Einstellungen, Glaubenssätze, Erfahrungen und Prägungen im Umgang mit Geld.
Und hier wird es spannend – zwei Aspekte der mentalen Finanzplanung sind mir dabei ganz besonders aufgefallen, diese möchte ich heute mit Ihnen teilen.
Die zentrale Frage: Was macht mich wirklich glücklich?
Noch, das soll sich ändern. Denn das erste Schlüsselelement auf dem Weg zu besseren Finanzentscheidungen ist die Selbstkenntnis, also die Frage: Was macht mich wirklich glücklich? Was gibt mir Sinn im Leben? Wann fühle ich mich gebraucht?
Wenn Sie wissen, was Sie antreibt und was Ihnen im Wege steht, treffen Sie viel bessere Entscheidungen, und zwar fast schon automatisch.
Wenn Ihnen jetzt nicht sofort etwas einfällt, kann eine kleine Übung helfen, der Blick in die Vergangenheit: Überlegen Sie einmal, wann Sie in den letzten fünf Jahren wirklich glücklich waren.
Wo waren Sie, mit wem, was haben Sie getan?
Das muss nicht immer die große Weltreise sein, das können kleine Momente des Alltags sein – entscheidend ist, dass Sie glücklich waren. Und wann Sie sich in diesem Zeitraum richtig nützlich gefühlt haben.
Welche Aufgaben haben Sie erfüllt und Ihrem Leben Sinn verliehen?
Helfen kann auch, liebgewonnene Gewohnheiten genauer zu analysieren, wie etwa den regelmäßigen Kauf eines Coffee to go.
Welches Bedürfnis steht dahinter, dass ich unterwegs einen Kaffee für 3 bis 6 Euro kaufe, der mich zu Hause deutlich weniger kostet?
Dient der Kaffee dem Zweck, ein heißes Getränk zu sich zu nehmen? Dann wäre es vernünftiger gewesen, ihn von zu Hause mitzunehmen.
Geht es aber darum, sich etwas zu gönnen, mit dem Barista zu schwatzen, eine kurze mentale Pause von der Arbeit zu haben, dann ist der Kaffee eine gute Investition in Ihr persönliches Glücklichsein.
Und wenn Ihnen der Kaffee zu profan ist, können Sie das gedanklich natürlich auch gerne auf eine neue Hermès-Handtasche oder einen neuen Sportwagen in Ihrer Garage übertragen.
Unser zukünftiges Ich ist wie ein Fremder für uns
Die meisten Finanzthemen sind auch deswegen eine mentale Herausforderung für uns, weil das, was wir tun, wir für irgendwann später tun: Wir sparen für die Rente, für den Ruhestand, für die Zeit nach unserem Berufsleben.
Doch das ist alles sehr weit weg, emotional. Und es ist abstrakt.
Deshalb überrascht es auch nicht, dass – wenn wir an unsere eigene Zukunft denken – im Gehirn die Areale aktiviert werden, die wir nutzen, wenn wir an Fremde denken.
Unser zukünftiges Ich ist also wie ein Fremder für uns. Das ist eine wichtige Erkenntnis, denn es hemmt uns daran, etwas Wichtiges für unser zukünftiges Ich zu tun.
Doch das können Sie ändern – Sie können eine Verbindung zu Ihrem Ich in der Zukunft herstellen. Auch hier helfen entsprechende Fragestellungen.
Zunächst können Sie sich fragen: Mit wem werde ich – je nach Ihrem heutigen Alter – in 10, 20 oder 30 Jahren meine Zeit verbringen? Wo werde ich leben? Was möchte ich tagein, tagaus machen?
Wichtig ist es, diese Fragen so konkret wie möglich zu beantworten, zum Beispiel: „Ich werde in einem Vorort Berlins leben, wo ich jeden Tag im Wald spazieren kann, von wo aus ich aber auch schnell mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Berliner Philharmonikern komme.“
Dieses konkrete Benennen ist essentiell. Menschen, die vage formulieren („Ich werde all die Sachen machen, zu denen ich in Berufsjahren keine Zeit hatte“), haben es schwerer, eine Verbindung zum eigenen zukünftigen Ich aufzubauen.
Versuchen Sie sich deshalb möglichst konkret vorzustellen, wie, wo und mit wem Sie später leben wollen.
Dr. Mathar fasst es ganz treffend zusammen:
„Das Leben ist letztlich ein Bogen, der Gegenwart und Zukunft umfasst. Die Auseinandersetzung mit dem Älterwerden und den Bedürfnissen unseres zukünftigen Ichs ist unerlässlich. Ein langer mentaler Zeithorizont und die Kenntnis dessen, was uns wirklich glücklich macht, sind entscheidend für unseren finanziellen Erfolg.“
Das ist übrigens auch das Erfolgsrezept vieler Sportler: Sie wissen a) genau, was sie wollen (was sie glücklich machen würde), und stellen es sich b) immer wieder bildlich vor, sie konkretisieren und visualisieren ihre Ziele und Wünsche und stellen so die Verbindung zu ihrem zukünftigen Ich her.
Und das sollten wir mit Blick auf unsere Finanzen alle tun.
Autor: Karl Matthäus Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Quirin Privatbank und Gründer von quirion
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Themen im Artikel
Infos über Quirin Privatbank
Die Quirin Privatbank AG wurde 2006 als erste Honorarberaterbank in Deutschland gegründet – mit der Mission, die Menschen in Deutschland zu besseren Anlegern zu machen. Die Bank ist Spezialist für professionelle, individuelle Vermögensverwaltung und einen langfristigen Vermögensaufbau.
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