Conergy AG – Minus 98 Prozent und mehr

Das Ziel des Insider-Alarms ist es, die richtigen Einstiege in die richtigen Aktien zu finden. Insofern unterscheidet er sich nicht von anderen Börsendiensten. Die Strategie sieht hingegen so aus, dass wir in der Redaktion tagtäglich die Signale und Aktionen der Insider am Aktienmarkt prüfen, filtern und aufbereiten – um die Börsengewinner der Zukunft zu finden. Dabei fördern wir auch gelegentlich unrühmliche Geschichten zu Tage, wie die der Conergy AG.

Solarstandort Deutschland

Conergy ist ein relativ junges Unternehmen, es existiert seit 1998. Conergy ist der jungen deutschen Solar- bzw. Green-Tech-Industrie zuzuordnen. Konkret werden Module und sonstige Komponenten für Solarsysteme produziert. Bereits drei Monate nach der Erstemission wurde Conergy im Juni 2005 in den TecDAX aufgenommen, wo die Aktie nach wie vor notiert.

Inmitten der 2000er-Jahren gab es am Deutschen Parkett einen kleinen Green-Tech-Boom, wenn wir ihn so nennen mögen. Aufgrund der Unterstützung und Förderung aus der Politik und der Einsicht auch in der Bevölkerung, dass das klimabedingte Ende der Welt abgewendet werden müsse, wähnte man hier einen großartigen Zukunftsmarkt mit gigantischen Geschäftschancen. Außerdem konnten einige Menschen ihre Öko-Sympathien erstmals richtig gut bei der Aktienauswahl berücksichtigen.

Kein Boom währt ewig

Vom Aktien-Boom waren nicht nur Unternehmen aus der Solar-Brnache betroffen, auch wenn diese einen großen Anteil daran hatten. SolarWorld, Q-Cells, oder Centrotherm Photovoltaics sind weitere Solar-Werte, die übrigens auch allesamt im TecDAX notieren und damit führende Deutsche Technologie darstellen. Auch Windenergie-Aktien, Biogas-Werte und richtige Exoten, die mit dem Thema erneuerbare Energien oder CO2-Redutkion zu tun hatten waren sehr gefragt.

Der Öko-Aktien-Boom hatte wie der Internet-Aktien-Boom das Problem, dass auf den Boom am Aktienmarkt kein Boom in der Realwirtschaft folgte. Im Gegenteil. Es zeichnete sich mehr und mehr ab, dass die gesamte Green-Tech-Branche nicht über sonderlich ausgegorene Geschäftsmodelle verfügte. Die Billig-Konkurrenz aus dem Ausland brachte sich in Stellung. Und dann brach auch noch die Finanzkrise aus. Dumm gelaufen.

Fall Conergy

Wie gesagt, Conergy wurde nach nicht einmal 100 Tagen im Handel sofort in den TecDAX aufgenommen. In das Unternehmen wurden größte Hoffnungen gelegt. Die Aktie ist zur Erstauflage 29-fach überzeichnet gewesen. Glückwunsch. Die Börse ist manchmal eben richtig verrückt. Zum einjährigen Parkett-Jubiläum hatte sich der Kurs erneut fast verdreifacht. Daraufhin kam es zu einem ersten Einbruch, in 2007 konnte jedoch erneut ein neues Hoch erreicht werden, wenn auch knapp.

Im November 2007 wurde bekannt, dass Conergy ernste finanzielle Probleme besitze. Es musste eine Notfall-Kapitalerhöhung durchgeführt werden. Die Börsenhoffnung Conergy wies für das Jahr 2007 einen Verlust von 210 Millionen aus. Selbst dieses krasse Ergebnis hatte im Sommer 2009 noch ein Nachspiel, da im Verdacht auf Bilanzfälschung Hausdurchsuchungen stattfanden. Dem Aktienkurs tat dies gar nicht gut.

Die Neuerfindung

Die gute Nachricht ist, dass das Unternehmen und die Aktie immer noch existieren, Conergy ist sogar noch im TecDAX gelistet. Nach einigen Rochaden in der Konzernleitung konnten in 2010 erstmals wieder grüne Zahlen geschrieben werden. Diese reichten jedoch beileibe nicht dazu aus, um die Schuldensituation zu bessern. Trotz der scheinbaren Besserung der Umstände geht es mit der Aktie nur nach unten.

Von über 20 Euro im Hoch vor der Finanzkrise sind den Anlegern aktuell noch 33 Cent geblieben. Um zurück zu den alten Marken zu kommen, müsste der Kurs nun mehr als 6.000 Prozent zulegen. Ein solches Comeback ist, sensibel formuliert, unwahrscheinlich. Der Chart ist in einer Art ausgebombt, den man sonst eher von einem anderen Happening kennt: Der Insolvenz. Vergleichen Sie einmal Conergy mit AIG!

Conergy und die Insider

Bei Conergy hatten wir im Insider-Alarm ohnehin nur Verkäufe erfasst. Die Richtung wird also bestätigt. Seit Beginn 2011 haben sich jedoch einige Millionen an zusätzlichem Insider-Verkaufs-Volumen hinzugesellt. Dies bestätigt die Annahme, dass es dem Unternehmen richtig schlecht geht. Offiziell war hier jedoch noch nichts zu hören. Aus den jeweiligen Pressemitteilungen heißt es lediglich:

“Der Verkauf der Conergy Aktien erfolgte nicht durch die Mitteilungspflichtige als Inhaberin der Aktien, sondern durch die Commerzbank AG als Pfandgläubigerin im Rahmen der Rückführung eines der Mitteilungspflichtigen von der Commerzbank AG gewährten non-recourse-Darlehens, für welches die Mitteilungspflichtige nur beschränkt auf die Verwertungserlöse aus für das Darlehen gestellte Sicherheiten haftet.”

Dumm gelaufen

Ich bin kein Jurist, aber für mich hat dieses Statement einen doch eher fahlen Beigeschmack. Wie es in Zukunft mit Conergy weitergeht, müssen wir abwarten. Der Kurs der Aktie lässt bislang Übles erwarten. Für Sie als Leser bleibt bestenfalls die Lektion, dass eben auch am Aktienmarkt nicht alles Gold ist, was glänzt – oder dass die harte Wirklichkeit stets der letzte Gradmesser ist. Genau hiervon jedoch entfernt sich der Markt ganz gerne. Nehmen Sie sich grundsätzlich von jedweden Versprechungen in Acht.

Felix Albus, Chefanalyst Insider-Alarm

Disclaimer & Risikohinweis
Feld nicht bekannt
Themen im Artikel

Infos über Insider Alarm - Insiderhandel

    Insider Alarm - Insiderhandel:

    Der Insider-Alarm erfasst den gesamten Insiderhandel und informiert detailliert über Insiderkäufe und Insiderverkäufe. Bei Directors Dealings oder anderen Insidergeschäften leitet der Insider-Alarm sofort eine...

    Insider Alarm - Insiderhandel Nachrichten

    Weitere Trading News