Die Gilead Sciences Aktie steht im Mai 2025 im Fokus der Anleger, nachdem das Biotechnologieunternehmen mit gemischten Quartalsergebnissen und gleichzeitig positiven Studiendaten für Aufmerksamkeit sorgte.
Während die Geschäftsentwicklung im ersten Quartal hinter den Erwartungen zurückblieb, zeigen sich Analysten für die weitere Entwicklung des HIV-Spezialisten verhalten optimistisch.
Fundamentale Neubewertung in Sicht
Die aktuelle Bewertungssituation von Gilead Sciences präsentiert sich paradox: Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 276,28 erscheint die Aktie auf den ersten Blick extrem überbewertet.
Analysten erwarten jedoch eine drastische Normalisierung dieser Kennzahl auf etwa 16 für das Jahr 2025, was das Papier deutlich attraktiver erscheinen lassen würde.
Diese Neubewertung basiert auf prognostizierten Gewinnsteigerungen. Für 2025 kalkulieren Experten mit einem Nettogewinn von durchschnittlich 7,8 Milliarden US-Dollar, was einen erheblichen Anstieg gegenüber dem Vorjahr bedeutet.
Der Gewinn je Aktie soll sich entsprechend auf 6,23 US-Dollar belaufen und in den Folgejahren weiter wachsen.
Umsatzentwicklung bleibt verhalten
Bei der Umsatzentwicklung zeigen sich die Analysten zurückhaltender. Für 2025 erwarten sie stabile Erlöse von rund 28,7 Milliarden US-Dollar, was nahezu dem Vorjahresniveau entspricht. Erst für die Folgejahre wird ein moderates Umsatzwachstum von etwa drei bis fünf Prozent jährlich prognostiziert – ein eher bescheidener Wert für die Biotechnologiebranche.
Die EBITDA-Marge soll 2025 bei rund 50 Prozent liegen und in den kommenden Jahren weiter steigen, was auf eine verbesserte operative Effizienz hindeutet.
Diese Entwicklung könnte die moderate Umsatzdynamik teilweise kompensieren und zur erwarteten Gewinnsteigerung beitragen.
Gemischte Quartalsbilanz belastet kurzfristig
Das erste Quartal 2025 verlief für Gilead Sciences enttäuschend.
Der Umsatz verfehlte die Analystenschätzungen um 2,1 Prozent, während der Gewinn pro Aktie sogar 18 Prozent unter den Erwartungen lag. Diese Diskrepanz zwischen den optimistischen Jahresprognosen und der schwächeren Quartalsperformance verdeutlicht die Unsicherheiten im Geschäftsverlauf.
Trotz der schwachen Quartalszahlen bekräftigte das Unternehmen seine Jahresprognose und stellte sogar leicht höhere Ziele in Aussicht. Für 2025 erwartet Gilead einen Umsatz zwischen 28,2 und 28,6 Milliarden US-Dollar sowie einen bereinigten Gewinn je Aktie von 7,70 bis 8,10 US-Dollar.
Beide Werte liegen über den durchschnittlichen Analystenschätzungen und signalisieren Zuversicht seitens des Managements.
HIV-Segment als Wachstumsmotor
Das HIV-Geschäft bleibt der wichtigste Wachstumstreiber für Gilead Sciences. Insbesondere das Medikament Biktarvy entwickelt sich dynamisch und verzeichnete zuletzt einen Umsatzanstieg von 21 Prozent. Diese positive Entwicklung im Kerngeschäft stützt die mittelfristigen Wachstumsaussichten des Unternehmens und kompensiert teilweise schwächere Bereiche im Portfolio.
Die Dominanz im HIV-Markt verschafft Gilead eine stabile Ertragsbase, birgt jedoch auch Klumpenrisiken.
Die Abhängigkeit von wenigen Schlüsselmedikamenten macht das Unternehmen anfällig für Patentabläufe und regulatorische Eingriffe.
Pipeline-Erfolge stärken Zukunftsperspektiven
Positive Impulse kommen aus der Forschungspipeline. Am 23. Mai 2025 verkündete Gilead positive Topline-Ergebnisse einer Phase-3-Studie mit dem Krebsmedikament Trodelvy. Solche Studienerfolge sind für Biotechnologieunternehmen von entscheidender Bedeutung, da sie das zukünftige Wachstumspotenzial bestimmen.
Die Stärkung der Pipeline durch erfolgreiche Studiendaten könnte mittelfristig neue Umsatzquellen erschließen und die Abhängigkeit vom HIV-Geschäft reduzieren. Allerdings bleibt die Zulassung neuer Medikamente ein langwieriger und risikobehafte Prozess.
Technische Entwicklung zeigt Aufwärtstrend
Aus charttechnischer Sicht präsentiert sich die Gilead-Aktie seit Mitte Mai 2025 in einem langfristigen Aufwärtstrend. In diesem Zeitraum konnte das Papier rund 7,5 Prozent an Wert gewinnen, was auf eine verbesserte Marktstimmung hindeutet.
Die positive technische Entwicklung korrespondiert mit den optimistischeren Fundamentaldaten und könnte weitere Anleger anziehen.
Allerdings bleibt die moderate Volatilität charakteristisch für defensive Biotechnologiewerte.

Fazit: Stabilität vor Dynamik
Analysten bewerten die Gilead Sciences Aktie im Mai 2025 neutral bis leicht positiv. Das Unternehmen punktet mit einer starken Pipeline, solider Bilanz und attraktiver Dividende, zeigt jedoch nur moderates Wachstum im Vergleich zur dynamischeren Biotechnologiebranche.
Die erwartete Normalisierung der Bewertungskennzahlen könnte die Aktie für preisbewusste Anleger interessant machen. Gleichzeitig bietet die stabile Geschäftsentwicklung Sicherheit in einem volatilen Marktumfeld.
Gilead Sciences eignet sich damit vor allem für langfristig orientierte Anleger, die Wert auf Stabilität und kontinuierliche Dividendenerträge legen. Wachstumsorientierte Investoren dürften hingegen dynamischere Alternativen in der Biotechnologiebranche bevorzugen.