Anleger greifen wieder zu – 200-Tage-Linie zieht DAX magnetisch an

Bernstein Bank: Wie ein Magnet zieht zunächst die 200-Tage-Linie den DAX an. Dann aber dreht der Leitindex kräftig nach oben. Trotzdem: Nach der gestrigen Erholung belastet das Thema China weiter die Nerven der Anleger in Frankfurt.

Denn zum Jahrestag des Tiananmen-Massakers stellt Washington Peking an den Pranger.

 

DAX leistet Widerstand
Es geht wieder aufwärts an der deutschen Börse: Der Leitindex näherte sich zuerst einmal mehr dem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt an, der zuletzt bei rund 11.617 Punkten verlief. Der DAX tauchte im frühen Handel ab bis auf 11.714 Punkte. Zuletzt hielt er sich aber 0,8 Prozent im Plus.

Auch gestern war die Sache noch einmal gut gegangen:
Als hätten die Anleger in Frankfurt unseren Marktbericht gelesen, setzte der DAX genau auf der 200-Tage-Linie auf – um dann schulbuchmäßig nach oben zu drehen und im Plus zu schließen.

Broker machten für den DAX-Dreh am Vormittag neue Hoffnungen auf eine Zinssenkung in den USA verantwortlich – möglicherweise müsse die US-Notenbank damit die heimische Wirtschaft stützen. Womit wir schon beim bestimmenden Thema in Frankfurt und im weltweiten Handel angelangt wären – dem drohenden Handelskrieg zwischen China und den USA.

 


 

Zollstreit weiter Thema Nummer eins
Der chinesische CSI 300 rutschte um 0,9 Prozent auf 3.598 Zähler. In Tokio schloss der Nikkei 225 am Morgen unverändert bei 20.409 Punkten auf der Anzeigetafel.
Goldman Sachs hat gerade öffentlich seine Meinung in der Angelegenheit geändert: Die Investmentbank geht nun von einem offenen Handelskrieg zwischen der Volksrepublik und den USA aus.

Konkret:
China und die USA dürften erst Ende 2019 eine Übereinkunft erzielen, die aber nicht alle Strafzölle eliminiert, sondern die Tarife im Gegenzug für Konzessionen aus China reduziert. Ähnlich sehen die Analysten die Lage bei Mexiko. Genau wie die meisten anderen Banken waren die Goldmänner noch vor kurzem davon ausgegangen, dass die USA und China einen Deal schließen.

Und der Meinungswechsel der Masse erklärt sehr schön das Abtauchen der Wall Street.

 

Chinas offene Wunde
Bleibt der Blick auf das verschlechterte Verhältnis zwischen China und den USA. Peking unterdrückt gerade jede Erinnerung an den 30. Jahrestag des Tiananmen-Massakers – Internet-Seiten werden geblockt, Regime-Kritiker verschwinden. US-Außenminister Mike Pompeo kritisierte die Menschenrechtslage in der Volksrepublik: China dulde „keinerlei Widerspruch“ und verletzte die Menschenrechte, „wenn dies in seinem Interesse liegt“. Die chinesische Botschaft in Washington warf Pompeo „Vorurteile und Arroganz“ sowie eine „schwere Einmischung in innere Angelegenheiten“ vor.

 


 

Die nervöse Reaktion der chinesischen Kommunisten weist übrigens auf den Knackpunkt im Zollstreit hin: Das Reich der Mitte hat nach der Ermordung hunderter, wenn nicht gar tausender wehrloser Demonstranten durch die Volksbefreiungsarmee am 04. Juni 1989 einen stillen Pakt mit dem Volk geschlossen.

Der Staat zwingt die Menschen nicht mehr zu Aktivismus in Partei und Jugendorganisationen und zieht sich aus dem Privatleben zurück.

Das Wichtigste:
Außer in den strategisch wichtigen Branchen herrscht Marktwirtschaft – und der Staat sichert seinen Bürgern den Wohlstand. Im Gegenzug zeigen sich die Menschen im Land komplett unpolitisch und kritisieren die Führung nicht. Was aber, wenn nun der Wohlstand in einem Handelskrieg mit den USA wackelt?

 

Hightech-Giganten unter Kartell-Verdacht
An der Wall Street überlagerte gestern ein anderes Thema den Zollstreit: Insidern zufolge untersuchen US-Behörden die Marktmacht von Google und Facebook, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete. Was laut der Bank of America im Worst Case zu einer Aufspaltung führen könnte.

Darauf reagierten die Anleger an der Nasdaq nervös:
Der Composite sank um 1,6 Prozent auf 7.333 Punkte. Der Dow-Jones-Index schloss nahezu unverändert bei 24.819 Punkten und der S&P 500 sank 0,3 Prozent auf 2.744 Zähler.

 


 

Das bringt der Tag
Sowohl CFD-Trader als auch Anleger im Online-Aktienhandel sollten heute ab 15.55 Uhr ihre kostenlosen Realtime-Kurse im Auge behalten. Denn dann meldet sich Fed-Chef Jerome Powell zu Wort. Die US-Notenbank hält gerade ihre Forschungskonferenz ab, dabei geht es um Themen wie geldpolitische Instrumente oder auch Kommunikation.

Wird es also einen verklausulierten Hinweis auf sinkende Zinsen geben, oder nicht?

Kurz danach läuft um 16.00 Uhr der Auftragseingang für die US-Industrie über die Ticker.

 

Disclaimer

Der Inhalt dieser Publikation dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken. Es handelt sich in diesem Kontext weder um eine individuelle Anlageempfehlung oder -beratung, noch um ein Angebot zum Erwerb oder der Veräußerung von Wertpapieren oder anderen Finanzprodukten. Der betreffende Inhalt sowie sämtliche enthaltenen Informationen ersetzen in keiner Weise eine individuelle anleger- bzw. anlagegerechte Beratung. Jegliche Darstellungen oder Angaben zu gegenwertigen oder vergangenen Wertentwicklungen der betreffenden Basiswerte erlauben keine verlässliche Prognose oder Indikation für die Zukunft. Sämtliche aufgeführte Informationen und Daten dieser Publikation basieren auf zuverlässigen Quellen. Die Bernstein Bank übernimmt jedoch keine Gewähr bezüglich der Aktualität, Korrektheit und Vollständigkeit der in dieser Veröffentlichung aufgeführten Informationen und Daten. An den Finanzmärkten gehandelte Wertpapiere unterliegen Kursschwankungen. Ein Contract for Difference (CFD) stellt darüber hinaus ein Finanzinstrument mit Hebelwirkung dar. Der CFD-Handel beinhaltet vor diesem Hintergrund ein hohes Risiko bis zum Totalverlust und ist damit unter Umständen nicht für jeden Anleger geeignet. 78% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.

Weitere News Beiträge Weitere News Beiträge