Anleihen: Hoher Ölpreis, hohe Renditen
Angesichts weiterhin hoher Ölpreise gehen die Diskussionen um mögliche Leitzinserhöhungen weiter. Denn die Sorgen um eine anziehende Inflation nehmen zu, die Renditen klettern deutlich nach oben.
Am stärksten haben sich die Renditen am kurzen Ende der Laufzeitenkurve erhöht: Die Rendite zweijähriger Bundesanleihen liegt am Freitagmorgen bei 2,4 Prozent, vor Ausbruch des Krieges vor zwei Wochen waren es noch 2 Prozent. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren aktuell mit 2,96 nach zuvor 2,65 Prozent.
Auch die Renditen von US-Treasuries sind stark gestiegen, für zehnjährige von 3,94 Prozent vor Kriegsausbruch auf aktuell 4,27 Prozent.
Jetzt höhere Leitzinsen?
In der kommenden Woche stehen diverse Notenbanksitzungen an, in den USA, im Euroraum, in Großbritannien und in Japan. Die Commerzbank geht analog dem Marktkonsens davon aus, dass die US-Notenbank am Mittwoch die Leitzinsen unverändert lassen wird.
„Auf etwas längere Sicht drohen aber schwierige Entscheidungen“, bemerkt Analyst Christoph Balz. „Die Inflationsrisiken nehmen eher zu, vor allem wenn der Iran-Krieg sich länger hinziehen sollte.“
Auch für die EZB rechnet die Bank kommende Woche mit einem Stillhalten. Darüber hinaus hänge alles von der Entwicklung der Inflation ab. Klinge der Krieg in den kommenden zwei oder drei Wochen ab, werde die Inflation im März zwar wohl Richtung 3 Prozent steigen. Danach werde sie aber zügig zurückgehen.
„In diesem Szenario würde die EZB durch den Anstieg der Inflation hindurchschauen; eine Zinserhöhung wäre unwahrscheinlich.“ Doch selbst im Szenario eines längeren Kriegs ist die Bank nicht von Zinserhöhungen überzeugt. „Im Übrigen betrachten wir einen kürzeren Krieg als wahrscheinlicher, weshalb wir in unserem Hauptszenario unveränderte EZB-Leitzinsen erwarten“, heißt es.
Corporates ohne eindeutige Trends
Steubing-Händler Oechsner sieht gute Umsätze in Anleihen von Mercedes-Benz (DE000A2YNZX6), Deutsche Telekom (XS1382791975), Würth (XS2911681083) und EnBW (XS2579293536) mit Fälligkeiten 2028 bis 2035 und aktuellen Renditen zwischen 2,7 und 3,8 Prozent. Ebenfalls umsatzstark: eine schon im Mai dieses Jahres fällige Mercedes-Anleihe (DE000A3LH6T7).
Beliebt sind auch Bonds von Nestlé (XS2555198162) sowie Toyota (XS3206563549) – beide in Euro. Insgesamt rät Ochsner, genau auf Bonität, Laufzeit und Rendite zu schauen. „Mein Tipp: Solide Emittenten mit bekanntem Geschäftsmodell, kleine Mindeststückelung, mittlere und nicht zu lange Laufzeiten und die Anleihe möglichst genau anhand des Ratings und der Rendite vergleichen“, erklärt er.
Baywa lässt erneut Federn
Erneut unter Abgabedruck kam diese Woche der Agrar- und Baustoffhandelskonzern Baywa, wie Daniel ergänzt. Der Grund: Die geplante Baywa-Sanierung wackelt wegen der schwierigen Lage der Ökostromtochter Baywa r.e. Die Anleihe wird jetzt nur noch zu 22 Prozent gehandelt (DE000A351PD9) nach zuvor über 30 Prozent.
Amazon mit Mega-Emission
Trotz aller Unsicherheiten brachte US-Tech-Riese Amazon diese Woche Anleihen im Wert von 54 Milliarden US-Dollar auf den Markt, teils mit Laufzeiten von 50 Jahren (US023135DK94). Die Nachfrage übertraf das Angebot bei weitem. Auch Euro-Anleihen sind dabei: Geplant waren anfangs 10 Milliarden Euro, aufgrund hoher Nachfrage wurden es 14,5 Milliarden Euro, wie das Handelsblatt berichtet. „So viel Geld hat noch nie ein Unternehmen auf einen Schlag am europäischen Anleihemarkt aufgenommen.“
Die Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank handelt unter anderem den bis 2031 laufenden Bond mit Kupon von 4,25 Prozent (US023135DD51) und den bis 2046 laufenden (US023135DG82) mit 5,65 Prozent, beide in US-Dollar und Stückelung von 2.000 US-Dollar.
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