Anleihen: Vorweihnachtlicher Optimismus

Börse FrankfurtMit einer Emissionsflut unter anderem im Zusammenhang mit dem 100 Milliarden Euro schweren Beschäftigungsprogramm entwickelte sich die Europäische Union Bloomberg zufolge in diesem Jahr zum größten nicht-staatlichen Herausgeber von Euro-Anleihen. Dieses Tempo wird nach Erwartungen der Mizuho Financial Group mit einem wöchentlichen EU Jumbo-Bond auch im neuen Jahr zunächst gehalten.

Geldpolitik legt nach

Die Kurse von Staatsanleihen aus dem gemeinsamen Währungsraum sehen Analysten künftig gut unterstützt. Die Europäische Zentralbank stehe am kommenden Donnerstag auch aufgrund der Euro-Aufwertung unter Handlungsdruck.

Geldpolitische Lockerungen wie die Anhebung des PEPP-Volumens um 500 Milliarden Euro samt einer Verlängerung der Laufzeit bis Ende nächsten Jahres halten von Bloomberg befragte Volkswirte für wahrscheinlich. Ebenso würden vermutlich die TLTROs III-Kredite zu günstigen Konditionen von bis zu minus 1,0 Prozent weitere sechs Monate angeboten.

 


 

Plan B für Corona-Aufbaufonds

Bleiben Polen und Ungarn bei ihren angedrohten Vetos gegen den künftigen mehrjährigen EU-Finanzrahmen samt Corona-Hilfsfonds, wird dies nach Ansicht von Experten beiden Ländern vermutlich am meisten schaden. Die Mehrheit der Mitgliedsstaaten erwäge in dem Fall unter anderem die Gründung eines EU-konformen, alternativen Pandemie-Aufbaufonds. An diesem könnten sich Länder beteiligen oder auch nicht.

Das Programm müsse irgendwann in den kommenden Monaten betriebsbereit sein, um den bisherigen Zeitplan einhalten zu können. Vorbilder für ein derartiges Vorgehen liefere beispielsweise die Eurokrise mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus.

Mittlerweile rudert Polen ein wenig zurück und zeigt laut Folker Hellmeyer von Solvecon die Bereitschaft unter bestimmten Bedingungen auf ein Veto zu verzichten. Die EU habe sich dazu aus guten Gründen nicht geäußert. Die Gewaltenteilung sieht Hellmeyer als nicht verhandelbar.

Zuspruch für Sixt

Im Handel mit Unternehmensanleihen verbucht Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank reges Interesse an einer neuen Sixt-Anleihe mit einem Kupon von 1,75 Prozent. „Der Bond mit einer Stückelung von 1.000 Euro startete mit 100 Prozent in den Handel, am Morgen lag der Kurs bei 101,20 Prozent.“

Interesse an rumänischen Bonds

Die guten Umsätze in zwei neuen Euro-Anleihen der rumänischen Regierung sieht Petz im Zusammenhang mit den vergleichsweise hohen Erträgen. Für einen neunjährigen Bond im Volumen von einer Milliarde Euro zahle das Land jährlich 1,375 Prozent.

Der Wert sei mit einem Kurs von 99,221 Prozent gestartet und liege aktuell um 100 Prozent. Ein bis 2040 laufender, 1,5 Milliarden Euro schwerer Rumänien-Bond bringe nominal 2,625 Prozent pro Jahr. S&P benotet das Land mit BBB-.

Thyssenkrupp gewinnt Vertrauen

Die deutlichen Kurssteigerungen einer Thyssenkrupp-Anleihe mit Fälligkeit im Februar 2024 und einem Kupon von 2,875 Prozent sieht Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank im Zusammenhang mit einer möglichen Fusion der Stahlsparte und Liberty Steel. Der Bond legte im Wochenverlauf von rund 98,8 auf über 100 Prozent zu.

Der Essener Industriekonzern lasse derzeit die Bücher durch den Interessenten prüfen, werde aber erst im März über die Zukunft des Geschäftsbereichs entscheiden. Darüber hinaus lote Thyssenkrupp zusammen mit Stag im Rahmen einer Machbarkeitsstudie den Bau einer Anlage zur Erzeugung von Wasserstoff durch Ökostrom aus.

Grenke-Bond lockt mit hoher Rendite

Die Erholungstendenzen einer bis 2022 laufenden Grenke-Anleihe mit einem Kupon von 1,125 Prozent sieht Daniel vor allem im Licht einer sehr attraktiven Rendite von 7,39 Prozent bei einem Kurs von 93,3 Prozent. Offizielle Ergebnisse diverser Untersuchungen von Wirtschaftsprüfern und Aufsichtsbehörden im Zusammenhang mit Betrugsvorwürfen gegen den Leasingspezialisten stünden hingegen noch aus.

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