Auftritt Omikron – Abgang Aktienmärkte?

Quirin Privatbank: Die neue Corona-Variante Omikron hält die Welt in Atem – und damit natürlich auch die Kapitalmärkte, allen voran die Aktienbörsen.

Die wichtigsten Aktienmärkte haben mehr oder minder stark auf Omikron reagiert.

Während der US-amerikanische S&P 500 Index – bezogen auf die jüngsten Höchststände – mit einem Rücksetzer von rund 4% auskam, haben die Aktienmärkte in der Euro-Zone (gemessen am Euro Stoxx 50) bzw. speziell in Deutschland (DAX) in den letzten knapp zwei Wochen rund 6% abgegeben; in der Spitze waren es über 8%.

Die in diesem Jahr ohnehin relativ schwachen Schwellenländerbörsen gaben in dieser Zeitspanne rund 5% nach (alles Stand 02.12.2021, 10:00 h).

Das ist zwar weit entfernt von einem dramatischen Kurseinbruch, aber doch Ausdruck einer spürbar gesteigerten Anlegernervosität.

Bevor wir genauer darauf eingehen, was derzeit an den Märkten und bei der Vermögensanlage zu beachten ist, möchten wir Ihre Aufmerksamkeit auf die aktuell noch vorherrschende Delta-Variante des Virus lenken und uns anschauen, wie die Märkte auf ihr erstes Auftreten reagiert haben.

Nachfolgend sehen Sie den Verlauf des DAX und des S&P 500 in den letzten 12 Monaten, verbunden mit einem kleinen Rätsel.

Könnten Sie im Kursverlauf noch die Phase ausmachen, in der die Angst vor der neuen Delta-Variante stärker um sich griff?

 

 

Für die meisten dürfte das gar nicht so einfach sein, weil der entsprechende Ausreißer nach unten mit Blick auf den Jahres-Kursverlauf kaum mehr auffällt. Es geschah letztlich im Sommer, vor allem im Monat Juli.

Sie finden den Rücksetzer beim DAX, wenn Sie gedanklich eine senkrechte Linie vom X des „DAX“ und des nachfolgenden Leerzeichens im Untertitel der Grafik nach unten ziehen und beim S&P 500, wenn Sie diese Linie vom M des Wörtchens „Monaten“ im Untertitel ziehen.

Diese Rückschau zeigt, wie schnell sich Ängste rund um eine neue Virusvariante wieder verflüchtigen können. Auch Delta wurde seinerzeit mit großer Sorge beäugt. Es wurde intensiv über den Charakter der Variante – Übertragbarkeit, Aggressivität, Nutzen der vorhandenen Impfstoffe etc. – diskutiert und spekuliert.

Mit der Einsicht, dass Delta uns in der Corona-Pandemie nicht eklatant zurückwirft, erholten sich die Märkte relativ schnell vom ersten Schrecken.

Andere zunächst ebenfalls alarmierende Varianten haben sich letztlich global überhaupt nicht durchgesetzt, zum Beispiel die von Brasilien ausgehende Gamma- oder auch P1-Variante.

 

 

Selbstredend ist der „Delta-Verlauf“ lediglich ein Beispiel für einen Variantenverlauf, aber keineswegs eine Blaupause für Omikron. Der Wissensstand rund um die neue Variante ist noch deutlich zu diffus, um daraus stichhaltige Rückschlüsse auf die weitere Entwicklung ziehen zu können.

Wir befinden uns also noch im Stadium weitreichender Spekulationen. Und auf Basis von Spekulationen sollte man auf keinen Fall strategische Anlageentscheidungen treffen, auch und vor allem nicht im Rahmen von emotional stark bewegenden Corona-Nachrichten.

Die Aktienbörsen interpretieren das zur Stunde offenbar ähnlich. Die Abschläge halten sich noch in deutlichen Grenzen, speziell am wichtigen US-Aktienmarkt. Erwähnenswert in diesem Zusammenhang ist noch, dass sich die Verluste vor dem Hintergrund der in diesem Jahr bislang sehr erfreulichen Wertentwicklung deutlich relativieren.

Die Märkte haben sich über das Jahr hinweg einen respektablen Risikopuffer erarbeitet, der aktuell nur leicht „angeknabbert“ wird.

Trotzdem müssen sich Anlegerinnen und Anleger jederzeit bewusst sein, dass Aktienmärkte auch einmal stärker einbrechen können, sei es nun aufgrund von Omikron oder einem anderen Ereignis.

Dass Aktienkurse andererseits aber auch selbst in gefühlt sehr düsteren Zeiten auf dem Absatz kehrtmachen und zu einer rasanten Aufholjagd ansetzen können, hat das letzte Jahr eindrucksvoll bewiesen (siehe auch nachfolgende Grafik).

Weder das eine noch das andere kann zuverlässig antizipiert werden.

 

 

Übrigens – Stichwort „Markt-Timing“: Dass man einen Ausstiegszeitpunkt erwischt, nach dem die Aktienmärkte erst einmal weiter nach unten rutschen, kann durchaus öfter vorkommen.

Aber das Geheimnis liegt im rechtzeitigen Wiedereinstieg.

Dieser wird in aller Regelmäßigkeit – zum Teil deutlich – verpasst, was letztlich wertvolle Renditepunkte kostet und eine ja aus gutem Grund gewählte Anlagestrategie ad absurdum führen kann.

 

Fazit für Ihre Vermögensanlage

Die aktuellen Kursentwicklungen untermauern, dass – bei aller grundsätzlichen Abgeklärtheit der Aktienmärkte in puncto Corona – das Auftreten von Mutationen nach wie vor das Potenzial hat, Angstschübe durch die Märkte zu jagen.

In solchen Situationen zahlt es sich aus, über eine individuell passende Aktienquote zu verfügen. Diese bemisst sich ausschließlich nach den persönlichen Anlagezielen, dem Anlagehorizont und vor allem nach der individuellen Risikotragfähigkeit.

Das ermöglicht Anlegerinnen und Anlegern, Schwächephasen aller Art diszipliniert auszusitzen, was auch dieses Mal sinnvoll ist. Hektische und kontraproduktive Aus- und Wiedereinstiege werden so vermieden.

Die Aktienquote sollte sich generell nicht an der Marktstimmung oder an Prognosen orientieren – derzeit also auch nicht an Einschätzungen über die weitere Entwicklung der Omikron-Variante.

Von daher spricht nichts dagegen, auch in einem angstgeprägten Marktumfeld die entsprechenden Rücksetzer für einen Einstieg in den Aktienmarkt bzw. für Aufstockungen zu nutzen – allerdings nur, wenn die entsprechende Aktienanlage nicht auf Basis von Timing-Erwägungen erfolgt.

Omikron hin oder her, man darf auch nicht vergessen, dass wichtige Argumente pro Aktienanlage weiterhin gelten: Zunächst gibt es im aktuellen Nullzinsumfeld nach wie vor kaum vernünftige Anlagealternativen. Zudem agieren die Notenbanken weiterhin sehr vorsichtig und versorgen die Märkte mit ausreichend Liquidität.

Und das wichtigste Argument: Mit einer international breit gestreuten Aktienanlage partizipiert man an der globalen Wertschöpfung und diese ist letztlich nach oben gerichtet.

Omikron oder vielleicht auch eine andere Virusvariante werden dies letztlich nicht verhindern.

 

Autor: Prof. Dr. Stefan May, Leiter Anlagemanagement der Quirin Privatbank, unter besonderer Mitwirkung von Arndt Kussmann (Leiter Portfoliokonzepte)

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