Bundesbank erzielt 2016 Bilanzgewinn von 0,4 Mrd €

Die Bundesbank hat im Geschäftsjahr 2016 einen Jahresüberschuss von 1,0 Mrd € (Vorjahr: 3,2 Mrd €) verbucht. Aufgrund einer Rücklagendotierung verbleibt ein Bilanzgewinn von 0,4 Mrd €, der gemäß § 27 Nr. 2 Bundesbankgesetz heute in voller Höhe an den Bund abgeführt wurde. Der Unterschiedsbetrag von 0,6 Mrd € ergab sich aus geänderten Abzinsungsbestimmungen für Pensionsrückstellungen. Er unterlag einer Ausschüttungssperre und wurde daher den Rücklagen zugeführt.

“Der Jahresüberschuss ist geringer ausgefallen als im Vorjahr, weil die Bundesbank ihre Risikovorsorge erhöht hat”, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz der Deutschen Bundesbank. Für die Risikovorsorge stockte die Bundesbank ihre Wagnisrückstellung um 1,8 Mrd € auf 15,4 Mrd € auf. Die Aufstockung sei vor allem auf Zinsänderungsrisiken zurückzuführen, die sich aus den wachsenden Wertpapierbeständen im Rahmen der verschiedenen geldpolitischen Ankaufprogramme ergäben und im zurückliegenden Geschäftsjahr erstmals berücksichtigt worden seien, erläuterte Weidmann.

Die Zinsänderungsrisiken entstehen durch ein steigendes bilanzielles Ungleichgewicht zwischen langfristigen Aktiva und kurzfristigen Passiva. Die Bundesbank erhält für viele Jahre aus den langfristigen Wertpapieren der Ankaufprogramme und aus längerfristigen Refinanzierungsprogrammen nur eine sehr geringe Verzinsung, während sie die Einlagen der Kreditinstitute in Zukunft möglicherweise höher verzinsen muss.


Zinserträge weiter gestiegen

Die wichtigste Quelle für den Jahresüberschuss der Bundesbank waren die Zinserträge, die sich auf 3,7 Mrd € (Vorjahr: 3,3 Mrd €) beliefen. Der Anstieg der Zinserträge resultierte vor allem aus der Negativverzinsung der stark gewachsenen Einlagen. Die Zinsaufwendungen hingegen gingen um 0,6 Mrd € auf 0,4 Mrd € zurück. Durch diese beiden Effekte vergrößerte sich der Nettozinsertrag deutlich von 2,3 Mrd € auf 3,3 Mrd €.


Bilanzsumme deutlich über 1.000 Milliarden €

Im Zuge der geld- und währungspolitischen Geschäfte erhöhte sich die Bilanzsumme weiter und stieg kräftig um 400 Mrd € auf 1.400 Mrd €. “Damit hat die Bilanzsumme die Grenze von 1.000 Mrd € nun deutlich überschritten”, sagte Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstands und zuständig für Rechnungswesen und Controlling. “Seit dem Jahr 2006 hat sich die Bilanzsumme der Bundesbank mehr als verdreifacht”, erklärte er weiter. Auf der Aktivseite entfiel laut Thiele ein großer Teil der Bilanzausweitung auf den Anstieg des Bestandes der Wertpapiere für geldpolitische Zwecke um 185,4 Mrd € auf 357,7 Mrd €. Allein aus dem Ankauf deutscher Staatsanleihen im Rahmen des PSPP ergab sich ein Zuwachs von 165,4 Mrd €. Zudem schlugen sich die Liquiditätszuflüsse aus dem europäischen Ausland in einer Zunahme der TARGET2-Forderung gegenüber der Europäischen Zentralbank (EZB) um 170,1 Mrd € auf 754,3 Mrd € nieder. Auf der Passivseite habe die durch die Ankaufprogramme geschaffene und aus dem Ausland zugeflossene Liquidität zur Bilanzausweitung beigetragen, führte Thiele weiter aus. Die Einlagen von Kreditinstituten bei der Bundesbank hätten sich um 202,6 Mrd € auf 411,3 Mrd € erhöht, zugleich seien die Euro-Guthaben der in- und ausländischen Einleger um 123,8 Mrd € auf 222,8 Mrd € gestiegen.

Positionen in der Bilanz der Deutschen Bundesbank, die Marktpreisschwankungen unterliegen, wie beispielsweise Gold und Devisenbestände, werden grundsätzlich zu Marktpreisen bewertet. Die dabei anfallenden Bewertungsgewinne sind nicht erfolgswirksam, sondern werden in einem passivischen “Ausgleichsposten aus Neubewertung” ausgewiesen. Dieser erhöhte sich vor allem aufgrund des gestiegenen Goldpreises im Vergleich zum Vorjahr von 105,7 Mrd € auf 119,7 Mrd €.


Deutsche Wirtschaft in guter Verfassung, Geldpolitik nicht überfordern

Mit Blick auf die deutsche Wirtschaft sprach Bundesbankpräsident Weidmann von einer anhaltend guten Verfassung. “Auch in diesem und dem nächsten Jahr dürfte die wirtschaftliche Entwicklung weiter aufwärts gerichtet bleiben”, erklärte er. “Allerdings sollten die positiven Aussichten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die längerfristigen Wachstumsperspektiven in Deutschland unter-durchschnittlich sind”, gab Weidmann insbesondere wegen der demographischen Belastungen zu bedenken.

Auch im Euro-Raum erholt sich die Konjunktur Weidmann zufolge weiter. Der zuletzt zu beobachtende kräftige Anstieg der Inflation sei allerdings vor allem auf den höheren Ölpreis zurückzuführen gewesen. Den binnenwirtschaftlichen Preisdruck ohne die Entwicklung von Energie- und anderen volatilen Produktpreisen bezeichnete der Bundesbankpräsident als derzeit noch vergleichsweise gering. Allerdings sei davon auszugehen, dass er langsam zunehme. Von einer Deflationsgefahr, also einer gefährlichen Abwärtsspirale aus sinkenden Löhnen und Preisen, sei der Euro-Raum weit entfernt. Weidmann wies darauf hin, dass man über den angemessenen geldpolitischen Expansionsgrad unterschiedlicher Auffassung sein könne. Es sei bekannt, dass er insbesondere die Staatsanleihekäufe kritisch sehe. Der Bundesbankpräsident warnte vor allem davor, die Notenbank zu überfordern. So könne die Geldpolitik nicht dauerhaft für mehr Wachstum sorgen, dies könne nur die Politik.

 

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