Der weiße Wal

Bernstein BankEin gigantischer weißer Wal hat wochenlang unter der Oberfläche High-Tech-Aktien an der Börse gejagt. Soll heißen: Ein Käufer mit den tiefen Taschen deckte sich massiv ein. Was den famosen Rebound nach dem Corona-Schock mit erklärte. Nun wurde er enttarnt – es war SoftBank. Doch vielleicht hat sich der Wal den Magen verdorben. Wir beleuchten die Hintergründe.

Manche Medien machen ihren Job noch wirklich gut. ZeroHedge beispielsweise. Das Blog hatte mehrfach auf den seltsamen Zusammenhang hingewiesen, dass der VIX anstieg, obwohl der Aktienmarkt immer neue Rekorde verbuchte. Schon lange äußerten die Kollegen die Vermutung, dass nur ein großer Käufer, womöglich SoftBank, hinter einem Kaufrausch bei wenigen Aktien steckte.

Vielen Tradern war dies auch aufgefallen, ergo sicherten sie sich ab. Ein Anstieg im VIX zusammen mit neuen Hochs bei Tech-Aktien – so war es auch, als die Dotcom-Bubble platzte. Wir hatten jüngst an dieser Stelle auf diesen Zusammenhang hingewiesen.

 


 

SoftBank im Fressrausch
Dann folgte die Bestätigung durch die „Financial Times“: Sie berichtete, dass tatsächlich das japanische Konglomerat der „Nasdaq-Wal“ sei, der für die Rallye bei Big Tech verantwortlich sei. Der Konzern von Masa Son habe Milliarden von Dollar an US-Derivaten gekauft. Konkret: SoftBank “ made a splash in trading derivatives linked to some of those new investments, which has shocked market veterans.“

Einige Broker hätten das Volumen als das größte in 20 Jahren bezeichnet. Ergo zog beispielsweise die implizierte Vola von Apple-Calls auf ein neues Allzeithoch an, als die Aktie ein neues historisches Top markierte.

 

Laut dem „Wall Street Journal“ gab SoftBank rund 4 Milliarden Dollar für Call-Optionen aus – für Apple, aber auch für andere Tech-Aktien. Was laut ZeroHedge wegen des Hebels dem zehn- bis hundertfachen des Underlyings entspreche.

Zudem habe SoftBank im zweiten Quartal Anteile an Hightech-Stars wie Amazon, Google, NVidia, Tesla, Netflix und Zoom gekauft. Ein weiterer Effekt der Call-Käufe von SoftBank: Laut Goldman Sachs folgten viele Retail-Anleger dem großen Vorbild und stiegen ebenfalls long ein.

Seltsames Timing beim Nasdaq-Ausverkauf
Ist der Wal jetzt also satt? Wer weiß. Wohl nicht von ungefähr ging der Ausverkauf der Vorwoche mit der Veröffentlichung der SoftBank-Story einher. Vielleicht haben große Adressen gegen SoftBank gewettet, weil sie vermuten, dass sich der Wahl überfressen hat. Und vielleicht ließen sie ihren Puts am Optionsmarkt Aktienverkäufe folgen.

Falls ja, könnte der japanische Konzern nun ein kleines Short-Problem bekommen – einige Calls dürften damit explodiert sein, vielleicht braucht SoftBank Cash. Was in einer Welle von Abverkäufen münden könnte.

Google im Visier
Zumal SoftBank vielleicht den Einfluss der US-Politik unterschätzt hat. Die dürfte ihren Anteil am Tech-Crash der Vorwoche haben. So meldete die „New York Times“, dass das US-Justizministerium innerhalb weniger Wochen eine Kartell-Klage gegen die Google-Mutter Alphabet einreichen will. Das Weiße Haus wolle die Sache noch vor der US-Präsidentenwahl erledigen – die Administration beschuldige demokratische Anwälte, die Sache zu verzögern.

Wir hatten an dieser Stelle schon vor einer Weile vor einer Zerschlagung von Big Tech gewarnt. Das Silicon Valley tickt links und steckt mit den Demokraten unter einer Decke. So verschwanden während des demokratischen Konvents massenhaft kritische Kommentare zu Videos von Joe Biden auf der Google-Tochter Youtube. Offenbar drosselte Google auch den Traffic zu konservativen News-Seiten.

Selbst die linke „New York Times“ konstatierte: „Alphabet was an obvious antitrust target. Through YouTube, Google search, Google Maps and a suite of online advertising products, consumers interact with the company nearly every time they search for information, watch a video, hail a ride, order delivery in an app or see an ad online. Alphabet then improves its products based on the information it gleans from every user interaction, making its technology even more dominant.“

 


 

Big Tech droht die Zerschlagung
Der nächste Kandidat wäre Amazon – der Online-Betreiber zerstört kleine Geschäfte, profitiert von Corona und favorisiert einen langen Lockdown. Genau wie die Demokraten, die Trump mit einem Wirtschaftseinbruch schädigen wollen. Ergo sind Appelle für einen langen Lockdown immer wieder in der „Washington Post“ zu lesen. Das Blatt gehört übrigens Amazon-Chef Jeff Bezos.

Auch Apple ist wegen der Preispolitik bei App-Stores in das Kartell-Fadenkreuz geraten – in Europa und in den USA. Dem Weißen Haus passt zudem die Produktion in China nicht. Dazu gesellt sich die Benachteiligung von rechten Meinungen auf Twitter oder Facebook.

Kurz: Es ist angerichtet. Wer auf Big Tech setzt, muss sich auf eine Zerschlagung einrichten. Mit Folgen für den Aktienmarkt. Was SoftBank vielleicht übersehen hat. Die Bernstein-Bank behält das Thema für Sie im Auge und wünscht erfolgreiche Trades und Investments!

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