DSGV-Präsident Georg Fahrenschon: „Wir brauchen eine neue Aktienkultur in Deutschland“

Börse Stuttgart: Am heutigen Dienstag begrüßte die Börse Stuttgart rund 400 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zum traditionellen Börsenempfang. Als Gastredner zeichnete Georg Fahrenschon, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes sein Bild einer stabilen Finanzarchitektur in Europa und warb für eine neue Aktienkultur in Deutschland .

„Die Aktienkultur in Deutschland ist weitgehend kaputt“, sagte Georg Fahrenschon und verwies dabei auf Zahlen aus der Sparkassen-Finanzgruppe. So hätten die Kunden der Sparkassen Broker 2012 rund 43 Prozent weniger Wertpapierumsätze getätigt als noch 2008. Darüber hinaus sei im Teilsegment der wichtigsten 160 deutschen Aktien-Titel der Anteil der Beratungsgeschäfte von 2009 bis 2012 um 80 Prozent zurückgegangen. Die Ursache dafür sei falsch verstandener Verbraucherschutz: Beratungsprotokolle, Beraterregister und Produktinformationsblätter. „Sie schrecken nicht nur Kunden ab, langfristige Wertpapieranlagen zu tätigen, sondern schaden auch Aktiengesellschaften, weil diese weniger Anleger und damit weniger liquide Märkte vorfinden.“
 

Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes fordert, dass in Europa eine Finanzarchitektur entsteht, die von jedem Marktteilnehmer analog zu seinen Risiken eine entsprechende Vorsorge abfordert. Dazu braucht es einen regulatorischen Rahmen, der kundenorientierte Geschäftsmodelle fördert. „Es dürfen nicht diejenigen zur Haftung herangezogen werden, die mit den Risiken nichts zu tun haben“, so Fahrenschon.
 

Auch Gastgeber Christoph Lammersdorf, Vorsitzender der Geschäftsführung der Boerse Stuttgart Holding GmbH, wies darauf hin, dass klassische Anlageinstrumente aufgrund der niedrigen Zinsen für die Altersvorsorge nicht mehr ausreichten. „Deutschland braucht mehr Privatanleger, die ihr Geld anders anlegen als bisher“, erklärte er. Privatanleger sollten sich die Chancen am Kapitalmarkt zu Nutze machen. Aus Sicht von Lammersdorf sei es eine gemeinsame Aufgabe von Börsen und Sparkassen, privaten Anlegern das Thema Geldanlage näher zu bringen. Es gebe jedoch auch positive Entwicklungen. „Fünf Jahre nach Lehmann sind Privatanleger besser informiert denn je“, betonte Lammersdorf und fügte hinzu: „Als Privatanlegerbörse untersützen wir die Anleger mit zahlreichen Bildungsmaßnahmen und Anlegerseminaren.“
 

Georg Fahrenschon und Christoph Lammersdorf waren sich einig, dass Überregulierung die Anleger direkt in eine nicht selbst verschuldete Unmündigkeit führe. Die richtigen Lösungen lauteten Finanzbildung und Beratung. Die Börse Stuttgart und die Sparkassen-Finanzgruppe engagierten sich hier beide sehr aktiv.

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