ETFs: Umschwenken auf europäische Aktien

Börse FrankfurtZwar ging es am Dienstag wieder mit Schwung nach oben am Aktienmarkt. Insgesamt bleibt die Lage aber höchst wackelig. Das macht sich auch im ETF-Geschäft bemerkbar.

Frank Mohr von der Société Générale berichtet von einem mittlerweile ausgeglichenen Verhältnis von Käufen zu Verkäufen in den vergangenen Handelstagen – anders als in den Vorwochen, als noch die Käufe dominierten. „Angesichts der Markbewegungen ist das allerdings nicht überraschend.“

Bei der BNP Paribas sind die Flow-Listen diesmal sogar tiefrot und zeigen starke Abflüsse aus Aktien- und Anleihen-ETFs. „Die Kurse von Risikoanlagen fallen, und sie haben allen Grund dazu“, bemerkt BNP-Händler Hubert Heuclin.

Der DAX steht am Dienstagmittag bei 14.170 Punkten und hat sich vom Tief um 13.400 Anfang vergangener Woche damit klar erholt. Anfang des Jahres waren es allerdings noch über 16.000 Punkte.

 

Tschüss zu Welt- und US-Aktien

Speziell weltweit engagierte ETFs mit Industrie- und Schwellenländeraktien werden von Kunden der BNP Paribas derzeit im großen Stil abgestoßen. Betroffen sind vor allem MSCI ACWI-Tracker von der UBS, wie Heuclin meldet.

„Wollen vermögende Schweizer Kunden ihr Geld zurück, um einen schönen Urlaub in Saint Tropez zu machen?“, fragt sich der Händler. Was Welt-Tracker angeht, sieht er allenfalls für MSCI World Minimum Volatility- und MSCI World Value-Produkte noch Zuflüsse.

Mohr meldet vor allem hohe Umsätze bei US-Trackers, gefolgt von MSCI World-Indexfonds – in beiden Fällen mit mehr Abgaben. Auf den Verkaufslisten stünden zum Beispiel S&P 500-ETFs von iShares mit Währungsabsicherung (IE00B3ZW0K18) und ohne (IE00B5BMR087) ebenso wie MSCI World-ETFs von HSBC (IE00B4X9L533) und iShares (IE00B4L5Y983).

Für den MSCI World-ETF von iShares meldet auch Maurice Touma von Lang & Schwarz hohe Umsätze. „Als der Kurs unter 70 Euro fiel, sind viele eingestiegen. Das ist offenbar eine wichtige Schwelle für Privatanleger.“

 

Europas Aktien: Wieder mehr Interesse

Laut Mohr werden ETFs, die europäische Aktien (DE0005933956) abbilden, zwar weniger gehandelt, aber tendenziell gekauft. „Nach den Abflüssen der vergangenen Wochen scheint das ein Umschwenken zu sein.“

Auch bei der BNP Paribas ist der iShares Core Euro Stoxx 50 (DE0005933956) gesucht.

Außerdem kommen Schwellenländeraktien gut an. „Emerging Markets- und Asien-ETFs sind bei uns aktuell sehr gefragt“, stellt Touma fest.

Auch Schwellenländeraktien können sich dem Negativtrend nicht entziehen. So kommt der 3,6 Milliarden Euro schwere iShares MSCI Emerging Markets (IE00B0M63177) in diesem Jahr auf ein Minus von 9 Prozent.

Auch auf Fünfjahressicht fällt die Ausbeute mit einem Plus von 2,9 Prozent im Jahr bescheiden aus.

Zum Vergleich: Der iShares Core MSCI World (IE00B4L5Y983) kommt in diesem Jahr zwar auf einen ähnlichen Verlust, auf Fünfjahressicht steht er mit einem Plus von 10,4 Prozent im Jahr aber viel besser da.

 

Tech-Branche: Anleger ziehen Reißleine

Was Branchen-ETFs angeht, interessieren sich Société Générale-Kunden vor allem für Energie-, Technologie- und Immobilienwerte. Energieaktien (IE00BM67HM91, IE00B6R51Z18) werden eher gekauft, Technologie- und auch Immobilienaktien hingegen abgestoßen.

Betroffen von den Verkäufen sind etwa der iShares MSCI World Information Technology (IE00BJ5JNY98), der Invesco CoinShares Global Blockchain (IE00BGBN6P67), der L&G ROBO Global Robotics and Automation (IE00BMW3QX54) sowie der iShares European Property Yield (IE00B0M63284) und das Pendant für den US-Immobilienmarkt (IE00B1FZSF77).

Der US-Technologieindex Nasdaq 100 hat seit Jahresanfang mittlerweile fast 26 Prozent an Wert verloren.

 

Fokus auf Inflation und China

Im Anleihenbereich ist Inflationsschutz weiter großes Thema. Die hohen Preissteigerungsraten lassen Anleger auf inflationsgebundene Anleihen setzen, etwa mit dem Lyxor EUR 2-10Y Inflation Expectations (LU1390062245), wie Mohr berichtet. Der ETF hat in diesem Jahr immerhin um 12 Prozent zulegen können.

Heuclin zufolge werden solche Produkte aber mittlerweile von vielen auch schon wieder verkauft.

Außerdem fliegen bei Société Générale-Kunden Staatsanleihen aus den Portfolios, etwa solche aus der Eurozone (IE00BH04GL39, IE00B3S5XW04).

Vom Favoriten zum Paria wurden chinesische Staatanleihen: Heuclin meldet hohe Abflüsse aus dem iShares China CNY Bond (IE00BYPC1H27) und ähnlichen Produkten.

„Wenig um geht derzeit in Unternehmensanleihen“, ergänzt Mohr. BNP-Kunden trennen sich aber auch von Corporates, von klassischen europäischen oder US-amerikanischen Papieren, aber auch von Fallen Angels, etwa mit dem iShares Fallen Angels High Yield Corp Bond (IE00BYM31M36).

 

Kryptomarkt: Hochnervös wegen Terra-Crash

Der Absturz des Stable-Coin Terra entfacht viel Unruhe im Handel mit Krypto-ETNs. Terra ist seit vergangenem Freitagabend quasi wertlos. Die eigentlich angelegte Parität zum US-Dollar konnte nicht gehalten werden.

Auch andere Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum verloren stark an Wert.

„Es gab einiges an Panikverkäufen bei Bitcoin- und Ethereum-Produkten“, berichtet Touma. Der Kurs des umsatzstarken Bitcoin-Trackers BTCetc – ETC Group Physical Bitcoin (DE000A27Z304) ist auf das Niveau vom vergangenen Sommer zurückgefallen. Der 21Shares Terra (CH1145931015) ist mittlerweile vom Handel ausgesetzt.

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