Gold: Kurz vor der Sommerpause

Helaba: Steigende Covid-19 Neuinfektionen sowie Handelsstreitigkeiten zwischen USA, China und nun auch Europa haben dem Goldpreis in den letzten Wochen Auftrieb verliehen. Insbesondere die Geldpolitik ist ein Treiber, der den Goldpreis auch mittelfristig gut unterstützen wird.

Kurzfristig allerdings dürfte das Edelmetall erst einmal eine Pause einlegen, aufgrund einer nachlassenden Nachfrage im Euroraum. Schließlich zeichnet sich deutlich eine wirtschaftliche Erholung nach dem Lockdown ab. Diese nahende Sommerpause könnte dann zum Einstieg genutzt werden.

 


 

Kurs auf Allzeithoch?

Der Goldpreis ist derzeit schwer zu bremsen: Scheinbar mühelos springt das Edelmetall von einem Hoch zum nächsten – wahlweise notiert in US-Dollar oder Euro. Nachdem schon im Mai dieses Jahres in Euro-Notierung mit 1.648,33 je Feinunze (Uz.) ein neues Allzeithoch markiert worden ist, schlägt nun die Stunde für den Preis in US-Dollar.

Mit einem Wert von in der Spitze zuletzt knapp 1.780 US-Dollar je Feinunze ist das Edelmetall unserer Erwartung für Ende Juni von 1.800 $/Uz. sehr nahe gekommen. Nun ist sogar das Allzeithoch von 1.921 $/Uz. aus dem Jahr 2011 in Reichweite gerückt. Auf den ersten Blick scheint derzeit sehr viel für und kaum etwas gegen das Edelmetall zu sprechen.

 

Liquiditätsausweitung EZB treibt Gold

Gold gilt als klassische Krisenwährung, historisch als Versicherung gegen Inflation. Im Falle wirtschaftlicher, finanz- oder geopolitischer Eskalationen reagieren die Geld- und Fiskalpolitik stets mit einer Ausweitung von Liquidität sowie einer Erhöhung der Staatsverschuldung.

Seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie und dem damit verbundenen Lockdown stützen Regierungen mit großen schuldenfinanzierten Fiskalpaketen die Konjunktur. Die globale Staatsverschuldung befindet sich auf Rekordniveau und der Euroraum hat sich von seinen Defizitzielen verabschiedet.

Im gleichen Atemzug mussten Notenbanken ihre geldpolitischen Zügel sehr stark lockern, so dass nunmehr in fast allen großen Industrieländern die Leitzinsen bei null liegen oder sogar negativ sind.

Damit ist für die Notenbanken das Ende der Fahnenstange erreicht. Mehr Zinssenkung geht nicht und sie fokussieren sich auf Kaufprogramme, die zu einer starken Ausweitung der Bilanzsummen führen. So hat die EZB Anfang Juni das Volumen ihrer Anleihekäufe um 600 Mrd. Euro auf 1.350 Mrd. Euro aufgestockt.

Indem die risikolosen Zinsen nun für vermutlich lange Zeit extrem niedrig oder sogar negativ bleiben, wurden die Opportunitätskosten für das zinslose Gold spürbar gesenkt. Für Gold bedeutet dies eine anhaltende Unterstützung, solange sich die Zinsen für Staatsanleihen nicht nachhaltig und spürbar von der Nulllinie wegbewegen.

Zusammen mit den bestehenden politischen Unsicherheiten aufgrund der Handelskonflikte zwischen China, USA und nun auch Europa sowie der steigenden Zahlen an Neuinfektionen scheint der Weg für ein neues Allzeithoch frei.

Goldnachfrage belastet

Temporär dürfte das Edelmetall nach diesem Höhenflug aber erst einmal eine Atempause einlegen. Dafür spricht zum einen, dass die Goldnachfrage hier im Euroraum aufgrund der Stimmungsverbesserung unter Unternehmen und Haushalten abebben sollte. Schließlich wird die Wirtschaft hierzulande wieder hochgefahren, der ifo-Geschäftsklimaindex stellt sogar eine V-förmige Erholung der Konjunktur in Aussicht.

Für die Geldpolitik gibt es derzeit keinen Grund, nochmals nachzulegen. Damit entfallen zunächst weitere Impulse. Inflation ist zumindest derzeit ohnehin kein Thema.

Zum anderen bleibt die Nachfrage nach Gold in Asien äußerst fragil, insbesondere in den beiden wichtigsten Ländern China und Indien. In Indien, dem weltweit bedeutendsten Markt für Goldschmuck, sind viele Geschäfte noch geschlossen. Zugleich sind deren Goldimporte im Mai um 98 % eingebrochen.

Erholungstendenzen, die eine Unterstützung für den Goldpreis bieten, sind nicht auszumachen. Vielmehr dürften sich steigende Corona-Fallzahlen in Asien als zusätzliche Belastung erweisen.

Sommerpause!

Insgesamt wird die Goldnachfrage in den Industrieländern im Zuge der sich abzeichnenden konjunkturellen Erholung nachlassen, während sie in Asien weiterhin schwach bleibt. Dies dürfte ausreichen, den Goldpreis in den Sommermonaten in Richtung 1.600 $/Uz. korrigieren zu lassen. Diese Korrektur könnte dann aber zum Einstieg genutzt werden, da das Edelmetall schon durch die Geldpolitik mittelfristig gut unterstützt bleibt.

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