Gold: Zunächst noch im Höhenflug

Helaba: Gold ist als sicherer Anlagehafen in Krisenzeiten gefragt, aber dennoch nicht vor Rückschlägen gefeit. Zuletzt beförderte der Einbruch der Ölpreise das Edelmetall über die Marke von 1.700 $ je Unze. Darin findet die Verunsicherung über die Wachstumsperspektiven ihren Ausdruck.

Ein weiteres Preishoch in Richtung 1.800 ist nun aus gegenteiligem Grund in Sichtweite. Ab dem zweiten Halbjahr, sobald sich die Signale für ein erfolgreiches Krisenmanagement allmählich in den Konjunkturnachrichten wiederfinden, droht vermutlich eine kräftige Gegenbewegung.

Insgesamt steht einer hohen Nachfrage von westlichen Anlegern eine sehr schwache in Asien gegenüber. Neue Rekordpreise dürften demnach auf sich warten lassen.

 


 

Gold als Krisengewinner

Auf den ersten Blick scheint Gold der eindeutige Krisengewinner zu sein. Handelte das Edelmetall zum Jahreswechsel zunächst um 1.500 $ je Unze, so hat es mit dem Ausbruch der Pandemie sehr rasch weitere Höchstmarken gewonnen: Bereits Mitte April markierte der Goldpreis in US-Dollar auf einem Sieben-Jahreshoch, während in Euro gerechnet sogar ein Allzeithoch von 1.600 je Feinunze erreicht worden ist. Die Jahresperformance mit knapp 12 % kann sich sehen lassen.

Angesicht der immensen fiskalischen und geldpolitischen Anstrengungen in der Krisenbekämpfung scheint es folglich nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch in Dollar gerechnet das Allzeithoch von 1.900 $/Unze (Mai 2011) überwunden und die 2.000er Marke geknackt wird.

 

 

Inflatorische und deflatorische Impulse als Treiber

Doch ganz so einfach wird diese Rechnung nicht aufgehen, da in dieser Pandemiekrise unterschiedliche Kräfte auf Gold einwirken: zunächst deflatorische und ganz aktuell nun inflatorische Impulse über den Ölpreis, eine steigende Nachfrage im Westen gegenüber einer sinkenden in Asien.

Teilweise widersprechen sich diese Kräfte, teilweise heben sie sich auf und sorgen für eine ungewöhnlich hohe Volatilität, wie im März dieses Jahres. Binnen weniger Tage hatte der Goldpreis 200 $/Unze verloren. Auslöser war der tiefe Einbruch an den Aktienmärkten, der Goldverkäufe erzwungen hat, um Liquiditätsengpässen entgegenzuwirken. In diesem Fall hat Gold nicht als sicherer Hafen fungiert, sondern ist nahezu im Gleichlauf mit Aktien eingebrochen.

Der jüngste Preisschub für das Edelmetall wurde dann aber nicht über die Erholung der Aktienmärkte, sondern vielmehr vom Einbruch der Ölpreise befördert. Ein solcher deflatorischer Impuls hat in der Vergangenheit nicht unbedingt für Gold als Anlageklasse gesprochen.

 


 

Zuletzt hat sich die Stimmung an den Finanzmärkten aufgehellt – der DAX notiert über 11.000 Indexpunkten, der Ölpreis festigt sich und Gold zieht weiter nach. Nun ist der inflatorische Impuls ein Treiber.

Warum also überhaupt Rückschläge erwarten? Das liegt vor allem an der schwachen Nachfrage in Asien, mit China und Indien als den klassischen Abnehmerländern. Auf absehbare Zeit sind von hier eher negative Preiseffekte wahrscheinlich. Weitere Rückschläge für das Edelmetall drohen zudem mit einer nachhaltigeren Erholung der globalen Wirtschaft im 2. Halbjahr.

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