Lars Brandau: Noch mehr Qualität

Nach dem rasanten Wachstum und der harten Bewährungsprobe in der Finanzkrise ist die Zertifikate-Industrie zurück in der Erfolgsspur. Allerdings befindet sich die Branche weiterhin in einem Wandel. Die Bemühungen der Anbieter in Sachen Handelsqualität und Transparenz stehen unter noch strengerer Beobachtung der Kunden, der Medien und nicht zuletzt der Politik. Zugleich verbessern sich die Vergleichsmöglichkeiten in Bezug auf Service und emittierte Produkte. Das alles sorgt für einen scharfen Wettbewerb um die Gunst der Anleger. Ein Trend, der sich nach Ansicht der meisten Emittenten im kommenden Jahr fortsetzen wird. So weist es zumindest das Ergebnis der jährlichen Umfrage aus, die der Deutsche Derivate Verband (DDV) bei insgesamt 24 Emittenten durchgeführt hat. Zusammengenommen vertreten die an der Umfrage beteiligten Produzenten deutlich mehr als 95 Prozent des Zertifikatemarktes.

Laut Umfrage bereiten sich die Emittenten darauf vor, verstärkt auf der Service- und Qualitätsebene miteinander zu konkurrieren. So hält die Hälfte der Befragten den Ausbau von Serviceleistungen künftig für ausschlaggebend. Ein Drittel geht davon aus, dass die Produktqualität der bestimmende Erfolgsfaktor sein wird. Nur 17 Prozent glauben, dass es zum verstärkten Preiswettbewerb kommen wird. Zwei Drittel und somit die deutliche Mehrheit der Befragten sah sich bereits 2010 einem schärferen Wettbewerb gegenüber.

Hoch im Kurs: Einfach statt komplex

In Bezug auf die Struktur der Produkte haben die Zertifikateanbieter zum einen aus der Kritik der Vergangenheit gelernt und zum anderen auf das veränderte Nachfrageverhalten der Anleger reagiert. Denn zwei Drittel der befragten Emittenten sind sich einig, dass weiterhin einfach strukturierte Zertifikate das Produktangebot bestimmen werden. Das restliche Drittel geht von einem weitgehend unveränderten Produktangebot aus. Keiner der Teilnehmer rechnet mit einer Nachfrage der Anleger nach komplexen Strukturen.

Auch hier belegen die Umfrageergebnisse, dass sich ein entscheidender Wandel innerhalb der Zertifikatebranche vollzieht. Die Emittenten haben den Innovationswettbewerb um immer neue Zertifikateformen mit ausgeklügelten Auszahlungsprofilen auf die Prozess- und Serviceebene verlagert. Deutlich wird diese Entwicklung ebenso mit Blick auf die Namensgebung der Produkte. Während in der Vergangenheit viele Anbieter von Zertifikaten durch Eigennamen eine Differenzierung vom Wettbewerb erreichen wollten, gehen sie nun zu einheitlichen Produktklassifizierungen und Begrifflichkeiten über. So haben die Mitgliedsbanken des DDV sowie die Börsen im Zuge einer Verbands-Initiative die Bezeichnungen rund um die Funktionsweise von Zertifikaten harmonisiert und eine Produktklassifizierung in elf Zertifikatekategorien vorgenommen.

Gleichzeitig unterstützen die Emittenten umfangreiche Initiativen für Transparenz, Aufklärung und Anlegerschutz. Jüngstes Beispiel hierfür sind die Produktinformationsblätter; so genannte Beipackzettel, für alle Zertifikatekategorien. Hier greift der DDV gemeinsam mit seinen Mitgliedern den künftigen Anforderungen des Anlegerschutzgesetzes sowie den sich abzeichnenden europäischen Regelungen bereits vor und geht sogar noch darüber hinaus.

Klassiker dominieren

Klassische Produkttypen werden 2011 die Produktpalette dominieren. Kapitalschutz-Zertifikate werden nach Ansicht von mehr als 33 Prozent die gefragtesten Produkte sein. 20 Prozent erwarten hingegen eine verstärkte Nachfrage nach Bonus-Zertifikaten, während ebenso viele Emittenten in den Aktienanleihen die beliebteste Produktkategorie sehen. Mehr als 70 Prozent der Emittenten schätzen, dass Indizes als Basiswert in der Anlegergunst am höchsten stehen werden. Damit werden die Banken vor allem die seit vielen Jahren im Markt bewährten Standardprodukte anbieten. Bereits jetzt handelt es sich bei nahezu 98 Prozent der börsengehandelten Anlagezertifikate um Kapitalschutz-, Index-, Discount-, und Bonus-Zertifikate sowie Aktienanleihen.

Zukunft hat nur, wer Mehrwert bietet

Das intensivere Wettbewerbsverhalten und der Trend zum einfach strukturierterem Produktangebot lassen den Schluss zu, dass die Zertifikatebranche von der Wachstums- in die Reifephase übergeht. Zweifelsohne profitieren die Privatanleger unmittelbar von dieser Entwicklung durch noch besseren Service und höhere Produktqualität bei gleichbleibenden Preisen.

Kurzum: die Emittenten werden noch stärker an ihrem Mehrwert gemessen. Exzellente Zusatzleistungen, Information und Transparenz sind die Erfolgsfaktoren, die einen Zertifikate-Anbieter künftig vom Wettbewerber differenzieren. Nur Anbieter, die den insgesamt gestiegenen Anforderungen Rechnung tragen, werden sich auch in den kommenden Jahren am Markt etablieren können.

Alle Ergebnisse der Emittenten-Umfrage stehen auf der Webseite des DDV unter Emittentenumfrage 2010 / 2011 Verfügung.

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