Rekord-Realzinsverlust in 2021 – Inflation kostet die deutschen Sparer pro Kopf fast 1.000 Euro

comdirect: Der Negativtrend beim Realzins setzt sich fort: Der Realzinsverlust in 2021 hat sich im Vergleich zum bisherigen Negativ-Rekordjahr 2018 mehr als verdoppelt. Allein im vierten Quartal lag der Wertverlust bei 32 Milliarden Euro, fast so viel wie im gesamten Jahr 2018 mit 35 Milliarden Euro.

Mit 80 Milliarden Euro Realzinsverlust steht das vergangene Jahr damit unangefochten an der Negativspitze.

Seit Ende 2014 summiert sich der Gesamtverlust der deutschen Spareinlagen auf 224 Milliarden Euro und übersteigt damit zum ersten Mal die Schwelle von 200 Milliarden Euro.

Dies ist das Ergebnis des quartalsweise erscheinenden comdirect Realzins-Radars, der gemeinsam mit Barkow Consulting ermittelt wird.

 

 

Der Grund für diese Entwicklung ist die stark angestiegene Inflationsrate, die im vierten Quartal 2021 mit 5,02 Prozent noch einmal deutlich höher war als im vorherigen Quartal. Damit befindet sich die Inflation auf dem höchsten Stand seit 1992.

Getrieben wird die Inflationsrate zum einen durch deutlich gestiegene Rohstoffpreise, gerade auch im Energiebereich. Hinzu kommen Störungen der Lieferketten und Transportwege, wegen denen es massive Engpässe bei Vorprodukten gibt.

Die deshalb merklich erhöhten Kosten geben die Unternehmen sukzessive an die Konsumentinnen und Konsumenten weiter.

Demgegenüber verharrten die Zinssätze für Tages- und Festgelder, Girokonten und Spareinlagen auch in diesem Quartal bei durchschnittlich 0,09 Prozent. Daraus ergibt sich ein Realzins von minus 4,93 Prozent – ein erneuter Tiefstand seit Beginn der Untersuchung im Jahr 2003.

Der Realzins ist der Zins nach Abzug der Inflation, also der Zins, den die Sparer unter Berücksichtigung des Kaufkraftverlustes erzielen.

 


Seit 2010 haben Deutsche durchschnittlich mehr als 2.700 Euro verloren

Der Wertverlust pro Kopf in Deutschland legte im zweiten Halbjahr 2021 nochmals zu und lag bei mehr als 100 Euro im Monat. Über das ganze Jahr mussten die deutschen Sparerinnen und Sparer pro Kopf 960 Euro Wertverlust verkraften.

Die Inflation hat im Jahr 2021 somit durchschnittlich neun Monate Ersparnis der deutschen Sparerinnen und Sparer aufgezehrt. Das ganze Ausmaß des Verlusts zeigt die langfristige Betrachtung: Seit Ende 2010 hat jeder Deutsche im Schnitt 2.710 Euro verloren.

„Die Lage für die Sparnation Deutschland ist dramatisch. Es zeigt sich in diesem Jahr deutlicher denn je, dass sich klassische Sparanlagen nicht mehr lohnen. Sparerinnen und Sparer tun gut daran, beim Vermögensaufbau auf Wertpapiere zu setzen“, sagt Andreas Lipkow, Marktexperte von comdirect.

Das Sparvolumen ist da: Fast 100 Milliarden Euro legten die Deutschen in den vergangenen 12 Monaten in Form von Spareinlagen zur Seite.

„An Aktien, ETFs oder Fonds führt für den Vermögensaufbau kein Weg vorbei“, erklärt Lipkow und ergänzt: „Was viele leider immer noch nicht wissen: Bereits mit einem kleinen Budget lässt sich beispielsweise mit Wertpapiersparplänen über die Zeit ein ordentliches Vermögen aufbauen. Bei der Geldanlage gilt: Der Zinseszinseffekt arbeitet für dich, der Realzinsverlust gegen dich.“

Wer nicht selbst investieren möchte, für den gibt es zum Beispiel digitale Vermögensverwaltungen wie cominvest, mit der das Ersparte an der Börse angelegt sowie verwaltet wird.

Nur für Rücklagen, die kurzfristig verfügbar sein müssen oder die für größere Anschaffungen geplant sind, eignen sich Sparkonten.

„In 2022 sollten die Störungen in den Lieferketten behoben sein, daher ist eine leichte Entspannung im Markt zu erwarten. Die Inflation wird im kommenden Jahr zwar wieder fallen, aber wahrscheinlich weiterhin höher sein als vor der Pandemie“, erklärt Lipkow mit Blick auf das neue Jahr und ergänzt:

„Dadurch wird auch der Verlust durch die Realzinsen bestehen bleiben, die angespannte Lage für Sparerinnen und Sparen ändert sich vorerst nicht.“

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