Rohöl: Risikoprämien wegen Krieg am Persischen Golf weiterhin erhöht
Auch vier Wochen nach dem Ausbruch des Krieges gegen den Iran und verbündete Milizen ist ein Ende der Kampfhandlungen mehr Wunsch und Hoffnung als Realität. Während vor einer Woche zunächst von US-Seite ein 48-Stunden-Ultimatum an den Iran gestellt wurde, hat US-Präsident Trump dieses Anfang der Woche auf fünf – später auf zehn – Tage verlängert und den Beschuss iranischer Energieförderanlagen ausgesetzt.
Der Iran signalisiert unterdessen wenig Kompromissbereitschaft. Derweil setzt Israel den Kampf gegen die Hisbollah im Südlibanon mit unverminderter Härte fort und diese ihrerseits ihre Angriffe auf Nordisrael. Offen ist daher, ob der Krieg binnen Wochen beendet werden kann.
Solange aber die für die globale Energieversorgung so wichtige Straße von Hormus faktisch geschlossen ist, bleiben die Risikoprämien bei Rohöl und Erdgas erhöht.

Schäden an Förderanlagen verzögern Ölproduktion
Zudem haben in den letzten Wochen Nachrichten über dauerhafte Beschädigungen der Energieförderanlagen in den Golfstaaten zugenommen. Berichte aus dem Iran liegen dabei nur in unzureichendem Ausmaß vor. Laut IEA (International Energy Agency) sollen 40 Energieanlagen rund um den Golf schwer oder sehr schwer beschädigt sein. Die Verunsicherung ist groß, ebenso wie die Bandbreite von Schadensberichten.
Der zweitgrößte Ölproduzent der Welt Saudi-Arabien berichtet, in wenigen Tagen könne die Produktion wieder hochgefahren werden. Dagegen bestehen Sorgen vor allem bei kleineren Ölfeldern, der Druckverlust in den Fördersträngen könne ein Hochfahren für Wochen oder Monate verzögern und kostenintensiv sein.
Darüber hinaus haben internationale Ölgesellschaften und Serviceleister ihre Beschäftigten evakuiert und es bedarf einer ausreichenden Stabilisierung der Lage, um diese wieder an ihre Arbeitsplätze zu beordern.
Ölpreisprognose angehoben: Brent vorerst über 100 US-Dollar
Unter der Voraussetzung, dass der Iran und die USA sowie Israel die Kampfhandlungen bis spätestens Mai einstellen und die Straße von Hormus dann wieder geöffnet ist, sollten die Ölpreise bis Jahresmitte auf 80 USD/Fass und bis zum Jahresende auf 75 USD/Fass sinken.
Die erratische Politik des US-Präsidenten und die Komplexität des Konflikts erhöhen jedoch die Risiken für dieses Szenario. Sowohl ein überraschend schnelles Ende der Angriffe und die Öffnung der Seewege sind möglich als auch eine militärische Eskalation, beispielsweise durch den Einsatz von Bodentruppen oder das Eingreifen anderer Golfstaaten.
Eine anhaltend hohe Volatilität an den Rohstoffmärkten und in der Folge auch in anderen Segmenten des Finanzmarktes ist ins Kalkül zu ziehen.
Brent Öl Chart
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