Stagflation voraus

Bernstein BankDer Börse droht die schlechteste aller Welten: Eine anziehende Teuerung plus eine stagnierende Wirtschaft. Das ist ein Giftcocktail, welcher der Realwirtschaft und auch der Finanzwelt zusetzen dürfte.

Investmentbanker machen vor allem die Delta-Variante dafür verantwortlich – sie stranguliere sowohl den Konsum als auch die Industrieproduktion. Aber auch die Fed bekommt ihr Fett weg.

 

Goldman warnt vor der Delta-Variante

Goldman Sachs warnte gerade vor einem Rückgang des US-Bruttoinlandsproduktes bei gleichzeitig kräftig anziehender Inflation.

Goldman-Stratege Chris Hussey urteilte: „the combination of lower-than-expected retail sales and auto production in July, and given an increasingly likely drag on services consumption from the Delta variant, our economists will likely revise our second-half growth assumptions even as we still do not expect material economic impact from the Delta variant in the US amidst abundant vaccine supply and relatively permissive COVID policies.“

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen senkten die Goldmänner ihre GDP-Prognose für das dritte Quartal: von 9,5 auf 8,5 und jetzt auf 5,5 Prozent. Das Fazit: „the impact of the Delta variant on growth and inflation is proving to be somewhat larger than we expected.“

 

Peak Economic Boom

Auch die Bank of America steuerte eine Hiobsbotschaft von der Anlegerseite bei. Im jüngsten Fund Manager Survey meldete die Bank beunruhigende Zahlen.

Demnach urteilte Analyst Michael Hartnett, dass Fondsmanager einen regelrechten Crash beim Wachstum und den Profiten erwarten – und auch eine höhere Inflation.

Befragt wurden 257 Fondsmanager mit 749 Milliarden Dollar an Assets under Management. Das Finanzblog ZeroHedge nannte die Kombination all dieser Fakten den „perfect storm“.

 

Ein instabiles Kartenhaus

Der stets lesenswerte Michael Every von der Rabobank warf jüngst ebenfalls einen Blick auf das Thema Teuerung: Die Produzentenpreise in den USA stiegen mit 1,0 Prozent im Monatsvergleich fast doppelt so stark wie die Erwartungen, gleiches gilt für den Anstieg von 7,8 Prozent im Jahresvergleich.

Mit Blick auf die Federal Reserve vermutete Every, dass das Kartenhaus in Kürze in sich zusammenfallen werde: Klar sei, dass die Konsum-Inflation der Teuerung bei den Herstellern folgen werde. Dann komme wohl ein neuer fiskalischer Stimulus – und dann müsse die Fed den Geldhahn allmählich drosseln und die Zinsen anheben.

Oder der Stimulus komme nicht und die Fed werde sich nicht rühren. Und dann werde die Stagflation folgen. Die Märkte seien dann zwar happy, aber in der Gesellschaft drohe das Chaos.

Wobei wir hier Einspruch erheben: Bei einer Stagflation wird die Börse nicht auf ewig feiern, weil der Absatz einbricht, sofern die Inflation anzieht und die Arbeitgeber wegen sinkender Absätze keine höheren Löhne zahlen. Die Verarmung weiter Teile der Bevölkerung wäre das dramatische Ergebnis mit Auswirkungen auf den Finanzmarkt.

 


 

Überall Fehleinschätzungen

Der Rabobank-Experte ließ zudem durchblicken, dass er nicht an die Kompetenz der Anzugträger in Washington D.C. glaubt – und zwar weder in der Geldpolitik noch in der Außenpolitik.

So habe es nach 20 Jahren Krieg und etwa 2 Billionen Dollar an Kosten am 14. April die Ankündigung von US-Präsident Joe Biden gegeben, dass die USA sich vollständig aus Afghanistan zurückziehen werden. Am 2. Juli verließen die US-Soldaten über Nacht den Stützpunkt Bagram.

Biden war der Annahme, die hochgerüstete afghanische Armee könne sich selbst verteidigen. Doch die kapitulierte in Windeseile.

Every von der Rabobank zog sogleich die Schleife zurück zur Finanzwelt: „The key point is that the expensive US presence in Afghanistan was –like the QE that ironically paid for a slice of it– just a house of cards, for all of the comfortable DC assumptions otherwise.“ Fehleinschätzungen also überall.

Weiter dürfte das Debakel in Afghanistan unerfreuliche Auswirkungen haben, etwa Terrorismus und Flüchtlingswellen. Und irgendwann werde dies den ansonsten von der Außenpolitik gelangweilten Aktienmarkt schon kümmern.

Unser Fazit: Wenn die oben genannten Auguren Recht haben, wird der jüngste Rücksetzer zu einer heftigen Korrektur werden. Wir sind gespannt, ob es in Kürze ausgerechnet Fed-Chef Jerome Powell sein wird, der in Jackson Hole der Börse den Boden unter den Füßen wegziehen wird. Die Bernstein-Bank hält Sie auf dem Laufenden!

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