Wachstumssorgen eröffnen Chancen

VanEck: Während Anleger und Experten zu Jahresbeginn angesichts des globalen Wachstums noch positiv gestimmt waren, hat im zweiten Quartal vielerorts Ernüchterung über die wirtschaftliche Entwicklung Einzug gehalten. Jan van Eck, CEO des Investment-Managers VanEck, stellt fest: „An den Märkten hat die Sorge um das sinkende globale Wirtschaftswachstum eingesetzt.“

Keine problematische Entwicklung in China
„Viele Akteure am Markt hatten Angst aufgrund des sinkenden globalen Wirtschaftswachstums, insbesondere in China, was tatsächlich einen starken Einfluss auf die Rohstoff- und Schwellenmärkte hatte. Ich denke aber, dass die Sorgen und darauffolgende Abverkäufe bei Lokalwährungsanleihen und chinesischen Aktien insgesamt übertrieben waren.“

Dafür nennt der Experte zwei Gründe: Einerseits werde der Vorsprung des US-amerikanischen Wirtschaftswachstums gegenüber anderen Gebieten überbewertet. „Die US-Wirtschaft ist stabil, aber der Rest der Welt boomt nicht gerade. Viele Märkte haben Schwierigkeiten – insbesondere in Südamerika und dem Mittleren Osten.“

Andererseits messe man dem chinesischen Marktabschwung zu viel Bedeutung bei. „Natürlich sind die chinesischen Aktien in ihrer Gesamtheit um etwa 20 Prozent gefallen. Doch das Wachstum im Land der Mitte wird langfristig nicht abstürzen. Die chinesische Regierung wird Maßnahmen treffen, um den Markt wieder anzukurbeln. Ich sehe die Entwicklung nicht als problematisch an“, merkt van Eck an.

Der Brexit als politisches Risiko für die europäischen Märkte
Risiken sieht van Eck in erster Linie in Europa. „Der europäische Markt unterliegt einem systemischen Risiko. Sobald die EZB aufhört, eine lockere Geldpolitik zu betreiben, stellt sich die Frage, ob es überhaupt noch zu einem signifikanten Wachstum kommen kann.“

In den USA bestehe dieses Problem nicht. „Die Federal Reserve hat die Zinsen erhöht und dennoch ist es zu einem Wachstum gekommen.“ Weiterhin sei der Brexit ein politisches Risiko. „Sollte es tatsächlich zu einem harten Brexit kommen – sodass das Vereinigte Königreich durch höhere Zölle vom Wirtschaftsraum der Europäischen Union abgetrennt wird – hat das definitiv einen entscheidenden Einfluss auf das Wachstum Europas.“

Zinsraten steigen mit guter BIP-Entwicklung
Beim Thema Zinsraten wirft van Eck einen genauen Blick auf die Vereinigten Staaten: „Ich denke, dass die 10-Jahres-Nominalverzinsung für US-Treasuries am Ende des Jahres nah an 3,5 Prozent sein sollte, auch wenn sie derzeit unter drei Prozent festzustecken scheint.“

Das nominale Wachstum sei weiterhin positiv, mit einem BIP-Wachstum von vier Prozent im zweiten Quartal. Wenn das BIP weiter steige, werde das auch die Zinsen erhöhen. Zudem würde erwartet, dass das Haushaltsdefizit in den USA zunehmen werde, während sich die Arbeitsmärkte der Vollbeschäftigung nähern – auch dies weist van Eck zufolge auf höhere Zinssätze hin.

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